Satire-Sendung in der Kritik Warum die "Zeit" gegen "Die Anstalt" vorging

Mittwoch, 30. Juli 2014
Wenn man in der ZDF-Mediathek nach dem Beitrag sucht, kommt eine Fehlermeldung (Bild: Screenshot)
Wenn man in der ZDF-Mediathek nach dem Beitrag sucht, kommt eine Fehlermeldung (Bild: Screenshot)


Es begann mit einer Satire und mündete in eine einstweilige Verfügung: In einem Beitrag der Satire-Sendung "Die Anstalt" des ZDF waren die vermeintlichen Verbindungen prominenter Journalisten zu transatlantischen Netzwerken und Think Tanks aufgezeigt worden. Namentlich "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe und Redakteur Jochen Bittner sahen sich mit falschen Tatsachenbehauptungen konfrontiert und gingen gegen den Beitrag vor - seitdem ist er aus der ZDF-Mediathek verschwunden. Gesendet wurde die Folge am 29. April 2014. Darin unterhielten sich die "Anstaltsleiter" Max Uthoff und Claus von Wagner unter dem Motto "Der Qualitätsjournalismus" über deutsche Journalisten und ihre Beziehungen zu diversen sicherheitspolitischen Think Tanks - bzw. "transatlantische Swinger-Clubs", wie Uthoff es seinerzeit formulierte. Namentlich kamen etwa "SZ"-Ressortleiter Stefan Kornelius, "FAZ"-Redakteur Klaus-Dieter Frankenberger und Herausgeber Günther Nonnenmacher sowie die "Zeit"-Männer Joffe und Bittner zur Sprache. Bittner etwa sei Mitglied des German Marshall Funds (GMF) und habe an einer Rede von Bundespräsident Joachim Gauck für die Münchner Sicherheitskonferenz mitgewirkt. Joffe hingegen wurde mit einer ganzen Reihe von Organisationen in Verbindung gebracht. Die Aussage war klar: Wer so tief in Lobbygruppen drinhängt, kann doch gar nicht mehr unabhängig berichten.

Das wollten Joffe und Bittner nicht auf sich sitzen lassen und erwirkten vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen den "Anstalt"-Beitrag. Dieser ist seither nicht mehr in der ZDF-Mediathek auffindbar. Gegenüber "Telepolis" erläutert Bittner, dass die in dem Beitrag aufgestellten Behauptungen falsch seien: "Weder bin ich Mitglied der Atlantikbrücke, des GMF oder einer ähnlichen Institution noch bin ich nebenbei als Redenschreiber für den Bundespräsidenten tätig. Gegen die weitere Verbreitung dieser falschen Tatsachenbehauptungen muss ich vorgehen, weil sie geeignet sind, meinen Ruf als Journalist zu schädigen." Auch von Joffe liegt dem Portal eine Stellungnahme vor: "Es hieß, ich sei Mitglied oder Kuratoriumsmitglied in einer großen Zahl von Institutionen, die sich zur 'Lobby' (sozusagen als Geheimbund von 'Nato-Verstehern') formiert hätten und 'nur eine Antwort' kennten: 'mehr Rüstung'. Diese Unterstellung war herabsetzend, weil sie mir journalistische Integrität absprach. Sie war auch falsch", wehrt sich der "Zeit"-Herausgeber.

Joffe hatte sich bereits kurze Zeit nach Ausstrahlung der Sendung bei ZDF-Chefredakteur Peter Frey beschwert und den darin getätigten Aussagen widersprochen. Doch noch Mitte Juli bekräftigte einer der "Anstaltsleiter" die Kritik: "Wir sind immer noch der Meinung, dass unsere Behauptungen stimmen", so Uthoff in einem Interview mit der Medieninitiative "Das ZOB". Mit ein Grund für die Haltung: Der Satire-Beitrag stützte sich teilweise auf eine Doktorarbeit, in der die Netzwerkverbindungen deutscher Spitzenjournalisten analysiert wurden und in der Joffe eine Verschwörungstheorie erkannte. Der Autor Uwe Krüger wehrte sich in einem "Telepolis"-Interview gegen die Vorwürfe: "Ich stelle die These auf, dass in diesen Organisationen bzw. auf diesen Veranstaltungen ein außen- und sicherheitspolitischer Eliten-Diskurs läuft, an dem die Journalisten teilnehmen und in dessen Rahmen sie sich dann auch in ihren Artikeln bewegen." Diese Vermutung basiere "auf Inhaltsanalysen von Artikeln zu den Themen erweiterter Sicherheitsbegriff, Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr und Münchner Sicherheitskonferenz."

Das ZDF stützt seine beiden Moderatoren und hat der EV widersprochen. "Nunmehr sind Gang und Ergebnis des gerichtlichen Verfahrens abzuwarten", so ein ZDF-Sprecher zu "Telepolis". Bis dahin bleibe der Beitrag gesperrt. Über Youtube ist er allerdings noch abrufbar. ire
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