Satire-Eklat um "Extra 3" Bundesregierung weist türkischen Protest offiziell zurück, Juncker kritisiert Ankara

Mittwoch, 30. März 2016
Das Video von "extra 3 " passt Staatschef Erdogan ganz und gar nicht
Das Video von "extra 3 " passt Staatschef Erdogan ganz und gar nicht
Foto: Screenshot Youtube / extra 3

Die Bundesregierung hat den türkischen Protest gegen eine Satire im deutschen Fernsehen nun auch offiziell zurückgewiesen. Staatssekretär Markus Ederer machte am Dienstagabend in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen deutlich, dass die Presse- und Meinungsfreiheit "nicht verhandelbar" sei, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Mittwoch mitteilte.

Der deutsche Botschafter in Ankara, Martin Erdmann, war zuvor innerhalb von einer Woche zwei Mal in das türkische Außenministerium einbestellt worden. Beim ersten Treffen verlangte die türkische Seite, dass eine Fernsehsatire des Norddeutschen Rundfunks über Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nicht mehr verbreitet wird. Beim zweiten Treffen ging es um die Teilnahme Erdmanns an einem Prozess gegen regierungskritische Journalisten.

Die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz erklärte, der Wert der Meinungsfreiheit sei auch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei verschiedenen Gelegenheiten unterstrichen worden, etwa in der Abschlusserklärung des EU-Gipfels Mitte März.
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Bild: Screenshot Youtube / extra 3

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Auch Jean-Claude Juncker hat sich inzwischen in den Streit eingeschaltet: Der EU-Kommissionspräsident wirft der Regierung in Ankara eine Verletzung der Presse- und Meinungsfreiheit vor. "
Präsident Juncker hat kein Verständnis dafür, wenn der deutsche Botschafter nur wegen eines satirischen Songs einbestellt wird", sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Brüssel. Der Kommissionschef sei der Überzeugung, dass dies die Türkei weiter von der EU entferne. Der Schritt scheine mit der Wahrung der Presse- und Meinungsfreiheit nicht in Einklang zu stehen.

Die Satire war am 17. März in der Sendung "Extra 3" ausgestrahlt worden. Zur Melodie von Nenas Hit "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" wird darin Erdogans Vorgehen gegen Medien, Demonstranten und Kurden auf die Schippe genommen. Im Text des Liedes mit dem abgewandelten Titel "Erdowie, Erdowo, Erdogan" heißt es zum Beispiel: "Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast." dpa

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