Sat 1 Gold "Wir wollen noch dieses Jahr weitere Tennis-Events zeigen"

Mittwoch, 17. Juli 2013
Der Sender für Frauen von 49 bis 64 ist ein halbes Jahr auf Sendung
Der Sender für Frauen von 49 bis 64 ist ein halbes Jahr auf Sendung


An diesem Mittwoch ist der jüngste Spross der wachsenden Senderfamilie von Pro Sieben Sat 1, Sat 1 Gold, seit einem halben Jahr auf Sendung. Im Interview mit HORIZONT.NET zieht Senderchef Marc Rasmus eine erste Zwischenbilanz: "Wir sind sehr zufrieden mit dem ersten halben Jahr." Mit Schlagershows wird derzeit eine weitere Programmsäule aufgebaut, außerdem wird das Thema Gesundheit mit einem neuen Magazin künftig eine größere Rolle spielen. Außerdem will Sat 1 Gold von der wieder erwachten Tennis-Euphorie profitieren. Nach der Übertragung des Fed Cups bemüht sich der Sender um weitere Rechte: "Wir wollen noch dieses Jahr weitere Tennis-Events zeigen", kündigt Rasmus an.
Marc Rasmus
Marc Rasmus
Herr Rasmus, ist bei Ihnen schon alles Gold, was glänzt?
Es glänzt und glitzert schon ordentlich, an der einen oder anderen Stelle können wir aber sicher noch ein wenig nachpolieren. Wir sind sehr zufrieden mit dem ersten halben Jahr und programmlich bereits breit aufgestellt: Angetreten sind wir mit dem Versprechen, deutsche Serien und Spielfilme zu zeigen und haben mit Reportagen und Magazinen von Anfang an konsequent eine zweite Säule aufgebaut. Mittlerweile haben wir sechs Eigenproduktionen auf Sendung, darunter "Süddeutsche TV Thema", "Gesundheits Akte" mit Ulrich Meyer und zwei tägliche Service-Magazine. Mit der Musikshow "Goldschlager 2013" haben wir begonnen, noch eine dritte Säule aufzubauen. Das Thema Schlager ist für uns und unsere Zuschauer sehr wichtig, weil es für Gefühle wie Vertrautheit und Nostalgie steht. Sat 1 Gold ist genau der richtige Sender, um dem deutschen Schlager eine Heimat zu geben. Die ersten beiden Shows haben wir bereits im Juni mit Erfolg ausgestrahlt.

Besteht da nicht die Gefahr, dass Sat 1 Gold zum Schunkelsender wird?
Schunkeln hat für mich eher mit Volksmusik zu tun, wobei Schunkeln ja zunächst nicht Schlechtes ist. Bei den Sendungen, die wir bis jetzt produziert haben, war ich überrascht, wie groß die Alterspanne bei diesen Veranstaltungen ist. Deutscher Schlager ist ein bodenständiges und Generationen übergreifendes Musikangebot für die breite Masse.

Die Kernzielgruppe sind Frauen von 49 bis 64 Jahren. Wie sieht eigentlich die typische Zuschauerin von Sat 1 Gold aus?
Mit dieser Frage haben wir uns sehr intensiv befasst. Wir zielen vor allem auf das Lebensgefühl von Frauen ab, bei denen die Kinder vielleicht schon aus dem Haus sind und die finanziell schon relativ abgesichert sind. Das Motto dieser Frauen könnte lauten: Wenn nicht jetzt, wann dann? Frauen, die beruflich womöglich schon etwas kürzer treten und sich wieder mehr um die schönen Dinge des Lebens kümmern können. Dabei wollen wir sowohl die aktiven Frauen ansprechen, die am Wochenende unterwegs sind, als auch diejenigen, die sich lieber mit Freundinnen zum Kaffeeklatsch treffen. Auch unser Claim "Mir geht s gold" soll dieses Lebensgefühl widerspiegeln. Außerdem wollen wir unsere Zuschauer klar und verständlich ansprechen und verzichten ganz bewusst auf Anglizismen. Wir haben uns daher von Anfang an gegen Begriffe wie Best Ager gewehrt. Ab August erweitern wir übrigens unsere Relevanzzielgruppe um Frauen ab 40 Jahren.

In wessen Teich fischen sie denn am ehesten nach Zuschauern? Beim ZDF und bei Vox?
Der Sender ist so konzipiert, dass er von der Alterspanne am ehesten Zuschauer zwischen Sat 1 und den Öffentlich-Rechtlichen anspricht.

Bleiben Sie Ihrer Linie treu, sich nur auf deutsche Programme zu beschränken? Gerade innerhalb von ProSieben Sat 1 gibt es im Rahmen von Output-Deals ja sicher immer Serien, die weder zu Pro Sieben noch zu Sat 1 passen, aber vielleicht bei Sat 1 Gold gut aufgehoben wären.
Die Versuchung ist tatsächlich groß, aber wir sind mit dem Versprechen angetreten, für unsere Zuschauer klar und verständlich zu sein. Das bedeutet für uns auch, nur in Deutschland produzierte Programme zu zeigen. Diesen Weg wollen wir zunächst auch weitergehen.

Wie sehen die weiteren Pläne im Bereich der Eigenproduktionen aus?
Unsere neue Musikshow "Goldschlager 2013", von denen wir jetzt zwei Ausgaben produziert haben, wird mit zwei bis vier weiteren Sendungen fortgeführt. Eine Sondersendung wird direkt vor dem Brandenburger Tor in Berlin aufgezeichnet. Womöglich produzieren wir auch zum Oktoberfest in München ein Spezial. Außerdem überlegen wir, ob wir den ersten Schritt in Richtung Dokutainment machen und eine kleine, feine Geschichte für den Herbst produzieren. Da sind wir aber noch in der Entwicklung.

Bei der Programmpräsentation wurde außerdem ein neues Gesundheitsmagazin angekündigt.
Ja, wir werden das Thema Gesundheit weiter ausbauen. Viel mehr als einen Arbeitstitel gibt es aber noch nicht. Es soll ein klassisches Gesundheitsmagazin werden, das sich im Gegensatz zu "Gesundheits Akte" ganz konkret mit Gesundheitsthemen beschäftigt. Denkbar ist auch eine Live-Beratungssendung mit Ärzten.

Wie geht es mit dem Thema Tennis weiter? Nach dem Finaleinzug von Sabine Lisicki in Wimbledon ist Tennis ja wieder schwer im Kommen.
Tennis ist ein strategisch wichtiges Thema für uns. Wir haben im April mit der Übertragung des Fed Cup angefangen und wollen tatsächlich häufiger Tennis zeigen. Der Auftritt von Sabine Lisicki in Wimbledon hat uns natürlich in die Karten gespielt. Tennis ist generell ein großes Thema und in unserer Zielgruppe besonders populär. Die Sportart war in Deutschland in den vergangenen Jahren ein schlafender Riese, der gerade wieder erwacht. Wir wollen noch dieses Jahr weitere Tennis-Events zeigen. Es wird also nicht beim Fed-Cup bleiben.

In ihrer Kernzielgruppe liegen sie aktuell bei 0,6 Prozent Markanteil. Was ist die nächste Zielmarke?
Wir haben an einzelnen Tagen bereits Marktanteile von über 1 Prozent. Erst am Samstag hatten wir mit 1,3 Prozent den zweitbesten Tagesmarktanteil seit dem Start. Das zeigt, wo die Reise hingeht. Wir sehen durchaus das Potenzial von 1 Prozent Marktanteil in unserer Kernzielgruppe. Interview: David Hein
Meist gelesen
stats