Rundfunkbeitrag ARD-Vorsitzender Marmor stellt sich gegen Werbe-Aus

Dienstag, 14. Januar 2014
Hält Werbung bei ARD und ZDF für vertetbar: NDR-Chef Marmor (c) Thomas Lohnes
Hält Werbung bei ARD und ZDF für vertetbar: NDR-Chef Marmor (c) Thomas Lohnes


Der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor spricht sich deutlich gegen ein Werbe-Aus im öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus. "Werbung hält die Beitragszahlung in Grenzen", argumentiert er zum Auftakt des Deutschen Medienkongresses in Frankfurt. Angesichts von erwarteter Mehreinnahmen durch den neuen Rundfunkbeitrag von rund 1,146 Milliarden Euro in der laufenden Gebührenperiode tobt derzeit eine Diskussion um die Verwendung des Geldes. Unter anderem Staatsrechtler Paul Kirchhof hatte ein Werbe-Aus bei ARD und ZDF gefordert. Die Werbeeinnahmen entlasten den Beitragszahler um 1,25 Euro im Monat, so Marmor. Zudem sei ein so niedrig dosiertes Maß an Werbung, wie es ARD und ZDF ausstrahlen, in einer Marktwirtschaft vertretbar. Außerdem könne er sich nicht erinnern, von den Zuschauern je Klagen über die Werbung bekommen zu haben.

Die deutsche TV-Landschaft sieht Marmor unverändert stark trotz der Digitalisierung und der rasant wachsenden mobilen Nutzung. "In den nächsten fünf Jahren wird TV das Leitmedium bleiben", prognostiziert der ARD-Vorsitzende. Auch in jüngeren Zielgruppen sei die Nutzung mit über zwei Stunden am Tag noch hoch, auch wenn diese auch stark im Internet unterwegs sind.

Um die jungen Zuschauer besser an das Programm zu binden, erneuert Marmor jedoch auch seine Forderung nach einem jungen Kanal, den ARD und ZDF gemeinsam betreiben würden. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten hatten angeboten, dafür drei ihrer Digitalsender einzustellen. Die letztendliche Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen. Marmor sieht für diese Zielgruppe eine deutliche Lücke im deutschen Fernsehen, die mit einem crossmedialen Kanal geschlossen werden könnte. "Es ist eine sehr schwere Aufgabe", sagt er, plädiert aber dafür, es ARD und ZDF versuchen zu lassen.

Aber auch im Ersten müsse es weiterhin Angebote für jüngere Zuschauer geben. "Wir dürfen die Jungen nicht verlieren", so Marmor. Eine Zeitschiene, die traditionell auf die Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen abzielt, ist der Vorabend. Dieser schwächelt jedoch seit Jahren. Marmor will jedoch weiterhin an den derzeit dort als "Heiter bis tödlich" gelabelten Krimis festhalten und mahnt im Interview mit HORIZONT zur Geduld: "Man braucht heute, in einem aufgesplitterten, differenzierten Fernsehmarkt Geduld und große Werbebudgets", sagt er. Ein Beispiel sei "NDR Aktuell", das vor zwei Jahren um 21.45 Uhr etabliert wurde und über ein Jahr gebraucht hat, um seine Zuschauer zu finden. pap

Was Marmor im Detail über Werbeschränkungen denkt und seine Position im Vermarkterstreit zwischen RMS und AS&S Radio lesen Sie im HORIZONT-Interview, das in Ausgabe 3/2014 vom 16. Januar erscheint


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