Rundfunk Berlin Brandenburg Der rbb macht Ernst mit seinem Umbau

Mittwoch, 15. Februar 2017
Martina Zöllner wechselt vom SWR zum rbb
Martina Zöllner wechselt vom SWR zum rbb
© SWR/Dror Moreh

Noch ist der neue Programmchef Jan Schulte-Kellinghaus gar nicht da, schon baut er seine künftige Direktion um – und holt mit Martina Zöllner vom SWR eine "Fernseherfinderin mit Kämpferqualitäten". Zuletzt war sie zuständig für den  Oscar-nominierten Film "Toni Erdmann".

Die seit 2009 bestehende Struktur der Programmdirektion des Rundfunks Berlin Brandenburg (rbb) wird neu zugeschnitten. Angeregt hat das Jan Schulte-Kellinghaus, der zwar offiziell noch für den NDR arbeitet, aber im Geiste offensichtlich bereits beim rbb ist. Dort tritt er als Nachfolger der Ende 2016 ausgeschiedenen Claudia Nothelle in vier Wochen seinen neuen Posten als Programmchef an.

Die gravierendste Änderung beim Neuzuschnitt ist der Programmbereich "Doku und Fiktion", den es in dieser Form bisher nicht gab. Dort sind die Abteilungen "Dokumentation und Zeitgeschehen", "Film" und die Arte-Redaktion des rbb gebündelt. Schulte-Kellinghaus folgt damit nach eigenen Angaben dem Trend zur Zusammenarbeit der Genres. Das Ziel sind programmliche Schwerpunkte, etwa in Form von Themenabenden, Sonder- und Event-Programmierungen. Schulte-Kellinghaus erhofft sich davon "wichtige Impulse für das Erste". Dort war der rbb bisher wenig sichtbar.
Patricia Schlesinger
Bild: RBB/Oliver Ziebe

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Welche Bedeutung er dem neuen Programmbereich beimisst, beweist die Personalie Martina Zöllner. Sie leitet derzeit noch beim SWR die Hauptabteilung Film und Kultur und wurde 2013 Mitglied der von Schulte-Kellinghaus mit verantworteten ARD-Gemeinschaftsredaktion Vorabend. Ihren neuen Posten beim rbb wird Zöllner nach Horizont-Informationen am 1. Juni antreten.

Die "Süddeutsche Zeitung" nannte sie in einem Porträt einmal eine "Fernseherfinderin" und "Kämpferin mit Freiheitsdrang", der damalige ARD-Chefredakteur Thomas Baumanngar "eine der couragiertesten Kolleginnen", die er kenne: "erfahren, gebildet", eine die sich "für Kulturbelange" einsetze "wie eine Löwin".

Einen Namen gemacht hat sich die Buchautorin von "Bleibtreu" und "Hundert Frauen" unter anderem mit der fiktionalen Echtzeitserie "Zeit der Helden" sowie dem Dokudrama "George", in dem Götz George seinen Vater Heinrich spielte. ARD-weit wirkte sie als Initiatorin neuer Formate und großer Reihen wie "Auschwitz und kein Ende", "Deutsche Lebensläufe" und "Deutschland, deine Künstler". Die von ihr betreute SWR-Koproduktion "Toni Erdmann" wurde gerade für einen Oscar nominiert. Damit entspricht ihr Profil der Erwartung der seit Juli vorigen Jahres amtierenden Intendantin Patricia Schlesinger, den rbb von der Präsenz internationaler Produktionen in der Hauptstadtregion profitieren zu lassen.

Umbenannt und teilweise umgebaut werden auch die anderen fünf Programmbereiche "Zentrale Aufgaben", "Service und Sport", "Information", "Kultur" und "Neue Zeiten":
- "Neue Zeiten" heißt künftig "Unterhaltung und junge Formate" und wird weiterhin von Heiner Heller geleitet. In dieser Funktion ist er abgesehen von den Hörfunkwellen Radioeins und Fritz für das neue, satirisch angehauchte Gesellschaftsmagazin zuständig.

- "Kultur" erhält aus der Abteilung "Service und Sport" die Wissenschaft hinzu. "Kultur und Wissen" wird von Stephan Abarbanell geleitet.

- "Service und Sport", weiterhin von Katrin Günther geleitet, wird unter anderem zuständig sein für das angekündigte Verbrauchermagazin.

- Verantwortlich für "Information", künftig schlicht Chefredaktion genannt, bleibt Christoph Singelnstein. In seine Zuständigkeit fallen abgesehen von den Hörfunkwellen (u.a. Inforadio und Antenne Brandenburg) alle aktuellen Fernsehmagazine, von der "Abendschau" bis zu dem im Januar 2018 vom Bayerischen Rundfunk zum rbb wandernden "Mittagsmagazin".

- "Zentrale Aufgaben Programm" wird umbenannt in "Programm-Management". Leiter ist Moritz Pohl. Die von ihm bisher verantwortete Medienforschung wird mit dem noch einzuführenden Qualitätsmangement direkt bei der Programmdirektion angesiedelt.

Patricia Schlesinger, die beim quotenschwachen rbb alle Kraft auf das Abendprogramm setzen will, bewertet den Umbau als notwendige Voraussetzung "für einen dauerhaften programmlichen Erfolg beim rbb". Gemeint sind damit sowohl eine höhere Wirkung als auch eine höhere Relevanz. usi

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