Roboterjournalismus Nachrichtenagentur AP automatisiert Quartalsberichterstattung

Mittwoch, 02. Juli 2014
Das amerikanische Unternehmen Automated Insights lässt Daten sprechen
Das amerikanische Unternehmen Automated Insights lässt Daten sprechen


Der Roboterjournalismus erklimmt die nächste Stufe. Die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP) will ihre Meldungen über Quartalsberichte von Unternehmen ab sofort von einem Computer schreiben lassen. Die Journalisten sollen sich währenddessen stärker auf Analyse und Hintergründe konzentrieren.
Das geplante System, das das "Handelsblatt" als "Revolution für den Agenturjournalismus" bezeichnet, soll es AP ermöglichen, mit automatisierter Technologie und Daten Kurzberichte mit 150 bis 300 Wörtern zu verfassen. Künftig könne man so in jedem Quartal 4400 Berichte über US-Unternehmen an die eigenen Kunden ausliefern, schreibt AP-Manager Lou Ferrera in einem Blogbeitrag. Bisher könnten pro Quartal gerade einmal 300 Meldungen über Erfolge und Misserfolge in der Unternehmensbilanz erstellt werden.

AP-Manager Lou Ferrera (Bild: AP)
AP-Manager Lou Ferrera (Bild: AP)
Funktionieren soll der automatisierte Journalismus laut Ferrera wie folgt: Der Anbieter Zacks Investment Research sammelt zunächst die Daten der Quartalsberichte. Daraufhin filtert ein Algorithmus der Firma Automated Insights, an der AP gemeinsam mit anderen strategischen Partnern beteiligt ist, die relevanten Informationen heraus und bastelt einen Artikel daraus, der wiederum im Agenturstil verfasst werden soll. Die betroffenen Texte sollen gekennzeichnet werden.

Skeptikern tritt Ferrera in seinem Text beruhigend entgegen: "Wir werden unser Hirn und unsere Zeit während der Quartalssaison gewinnbringender einsetzen." Deshalb werde die neue Technologie auch keine Jobs kosten, sondern die Journalisten könnten sich künftig stärker auf die Analyse und Hintergründe des Zahlenbergs konzentrieren. Los legen will AP bereits im Juli. In der Anfangsphase sollen die automatisch erstellten Texte noch geprüft werden, bevor sie auf den Nachrichtenticker live geschaltet werden. Wenn alles funktioniert, können sie dort auch automatisch einlaufen.

Als weitere Einsatzmöglichkeiten für die Roboter nennt der AP-Manager die Sportberichterstattung - ein Bereich, der auch deutsche Unternehmen mit dem Thema liebäugeln lässt. Text-on etwa, die Agentur des früheren dapd-Chefs Cord Dreyer, versucht sich seit ein paar Monaten daran, vor allem im Sportbereich aus Daten Wissen und komplette Nachrichten zu machen. In der Welt des Journalismus experimentiert auch die Kommunikationsagentur Aexea, die vor sieben Jahren mit der Automatisierung von E-Commerce-Texten gestartet ist. Ähnlich wie Dreyer und AP-Mann Ferrera will auch Aexea-Geschäftsführer Saim Alkan nur Gutes für die Redaktionen: Wir wollen Lücken schließen und sehen die Technik eher als Bereicherung. Ein oft zitiertes Beispiel: das Spiel in der Fußball-Kreisliga, zu dem eh nur 300 Fans kommen, oder die Basketball-Damen, die an einem Tag, an dem Joachim Löw den WM-Kader vorstellt, nur wenige Reporter interessieren. Genau für sie sind automatisierte Nachrichten sinnvoll , sagt Alkan. kl
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