Richard Gutjahr Journalisten haben verlernt, zuzuhören

Mittwoch, 03. Mai 2017
Blogger Richard Gutjahr
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Journalisten haben nach Ansicht von Richard Gutjahr verlernt, zuzuhören. Sie seien nun überrascht, wie laut sich verschiedene Gruppen zu Wort meldeten, sagte der Journalist und Blogger am Mittwoch bei den Medientagen Mitteldeutschland. "Im Gefühl des Publikums sind Medieneliten sehr abgehoben."

RTL-Chefredakteur Michael Wulf plädierte dafür, die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit abzuholen. Die Journalistin Silke Burmester stellte fest, dass die Redaktionen zu sehr in der Hand von Akademikern seien.

Wulf sagte weiter, im Programm seines Senders werde Berichterstattung über Politik anders definiert als in anderen Redaktionen. "Die wichtigen Fragen müssen heruntergebrochen und dem Zuschauer gezeigt werden, was Politik für seinen Alltag bedeutet." Zudem müsse sich das Publikum ernst genommen fühlen: "Dialog heißt nicht, Menschen zu belehren."

Auch im Umgang mit Kritik haben Redaktionen nach Auffassung von Cornelia Holsten, Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt, noch Nachholbedarf. Medien dürften nicht nur über Facebook und Co. und deren Verantwortung lamentieren und sich selbst von Kritik ausnehmen, sagte sie. Burmester ergänzte, dass Medien nur sehr zurückhaltend und vorsichtig über andere Medien berichteten.

Gutjahr sagte mit Blick auf den US-Präsidenten Donald Trump, die Debatte um die sogenannten Fake News - also gefälschte Nachrichten - sei eine Scheindebatte. Trump habe das Medium Twitter genutzt, um direkt mit dem Wähler zu kommunizieren und Themen zu setzen. Redaktionen hätten sich schwer getan, damit Schritt zu halten. "Da ging es nicht um die Sache, sondern darum, den Medien den ausgestreckten Mittelfinger zu zeigen." Um so wichtiger sei es, war sich die Runde einig, dass die klassischen Medien noch exakter und zuverlässiger würden und etwa in den Nachrichten ausschließlich Fakten und keine Meinungen präsentierten. dpa

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