Relaunch von Google Plus "Der vielleicht letzte Versuch, doch noch gegen Facebook und Pinterest anzutreten"

Mittwoch, 18. November 2015
Das neue Google Plus soll eine einheitliche Nutzerfahrung bieten
Das neue Google Plus soll eine einheitliche Nutzerfahrung bieten
Foto: Google

Google unternimmt einen weiteren Versuch, Google Plus neues Leben einzuhauchen. So werden die Inhalte auf der Plattform künftig nach Themen angezeigt. Im Zentrum stehen dabei die Produkte Communities und Collections.
Für Nutzer soll es dadurch einfacher werden, ihre Posts nach Themen zu sortieren und sich mit anderen Google Plus-Mitgliedern auszutauschen, die den gleichen Leidenschaften frönen. Deswegen wird das neue Google Plus um Communities und Collections aufgebaut. Communities existieren bereits seit 2012 und sind ein Sammelbecken für Menschen mit den gleichen Interessen. Täglich stießen 1,2 Millionen neue Mitglieder hinzu, heißt es im offiziellen Google-Blog. Collections wurde erst in diesem Jahr gelauncht. Damit können die User ihre Posts nach Thema ordnen. Beides seien Produkte, die von den Mitgliedern immer wieder genutzt würden, heißt es in dem Blogbeitrag. Das neue Google Plus soll es den Nutzern auch wesentlich einfacher machen, Inhalte zu posten, danach zu suchen und sich mit anderen zu vernetzen. Außerdem wurde an der mobilen Darstellung geschraubt, sodass die Erfahrung über Desktop, Android und iOS nun einheitlich ist. "Dies ist zwar ein spannender Neustart für uns, aber wir sind sicher noch nicht fertig", schreibt Product Director Luke Wroblewski auf seiner Google+-Seite. "Wir sind durch Zuhören und Lernen bis hier gekommen, und wir werden das auch weiterhin tun."

Google Plus war 2011 als soziales Netzwerk gestartet und sollte es eigentlich mit Marktführer Facebook aufnehmen. Spätestens mit dem Abgang des verantwortlichen Managers Vic Gundotra und zahlreicher Entwickler wurde in der Branche von Google Plus als "lebendem Toten" gesprochen. Dies hing auch damit zusammen, dass Google Plus durch die Verknüpfung mehrerer Dienste - wer sich etwa ein Gmail-Konto zulegte, hatte automatisch auch einen Google Plus-Account - zwar viele Mitglieder hatte, aber nie zu einer so vitalen Gemeinschaft wurde wie Facebook. Aktuell soll die Zahl der registrierten Mitglieder bei rund 2,5 Milliarden liegen (siehe Grafik). Der Account-Zwang bei Gmail besteht seit letztem Jahr allerdings nicht mehr.
Die Entwicklung der Google-Plus-Mitglieder
Die Entwicklung der Google-Plus-Mitglieder (Bild: Statista)
Dennoch: Viele Mitglieder dürften vor allem deshalb bei Google Plus sein, weil sie auf ein anderes Google-Produkt nicht verzichten wollten. "Viele haben wohl bis heute Google+ nicht verstanden. Und durch die enge Verzahnung der Google-Dienste kommen auch immer mehr Menschen zu Google+, die dort vielleicht besser gar nicht sein sollten. Oder wollten", sagt Social-Media-Experte Marc Thomalla von der Hamburger Agentur Werbeboten. Eine lebendige Community baut man so natürlich nicht auf.

Und so stellt sich die Frage, welche Richtung Google mit dem Relaunch eigentlich einschlagen will. "Es ist der vielleicht letzte, verzweifelte Versuch, doch noch gegen Facebook und Pinterest anzutreten", glaubt Thomalla. Mit Twitter oder Instagram sei Google Plus hingegen nicht zu vergleichen. Eine Chance könne darin bestehen, Google Plus als "Experten-Netzwerk" zu positionieren, sagt Thomalla. "Die neuen Collections können ein erster Schritt sein: schneller finden, als mühsam zu suchen. Aber am Ende macht dies Pinterest seit Tag 1 - ob Google da mitmischen muss?"
In welchen Netzwerken Unternehmen Werbung schalten
In welchen Netzwerken Unternehmen Werbung schalten (Bild: Statista)
Unklar ist auch, was der Relaunch für Google Plus als Werbeplattform bedeutet. Facebook ist hier der unangefochtene Marktführer: Laut einer Umfrage von Socialbench aus diesem Jahr schalteten 77 Prozent der befragten Unternehmen Werbung auf dem weltgrößten sozialen Netzwerk (siehe Grafik oben). Google Plus lag bei sieben Prozent. Immerhin gleichauf mit Twitter und noch deutlich vor Pinterest und Instagram - aber besonders letztere holten in diesem Jahr deutlich auf.

Google Plus bleibe auch künftig relativ uninteressant für die Werbeindustrie, wenn sich nichts an der schwammigen Positionierung ändere, schätzt Thomalla: "So lange es immer noch - nutzerseitig - nicht klar ist, was das Netzwerk überhaupt soll, sind Werbe- oder Community-Management-Maßnahmen Aktionen mit enorm hohem Streuverlust." ire
Meist gelesen
stats