Reichen-Liste und mehr "Bilanz" stichelt gegen "Manager Magazin"

Freitag, 20. Juni 2014
Die "Bilanz"-Macher: Arno Balzer (l.) und Klaus Boldt (Foto: Bilanz)
Die "Bilanz"-Macher: Arno Balzer (l.) und Klaus Boldt (Foto: Bilanz)

Wer ist der Reichste? Wer der Erste? Der Beste? Um diese Fragen der beliebten Kategorie "Wer hat den Längsten?" geht es bei den Sticheleien von "Bilanz" gegen das "Manager Magazin". Letzteres bekommt bei seinem PR-trächtigen jährlichen Sonderheft mit der Liste der 500 reichsten Deutschen bald Konkurrenz von Axel Springers monatlicher Wirtschaftsbeilage der "Welt". Und die "Bilanz"-Macher lassen kaum einen Seitenhieb aus. Bekannt und pikant: "Bilanz"-Herausgeber Arno Balzer war bis Sommer 2013 Chefredakteur des "Manager Magazins". Und "Bilanz"-Chefredakteur Klaus Boldt war bis Ende 2013 Redakteur dort - und unter anderem für eben jenes Reichenheft verantwortlich. Bis jetzt hat Boldt offen gelassen, ob er bei "Bilanz" Ähnliches anstellen will. Nun ist es raus: "Wir sind die ersten", prahlen die "Bilanz"-Leute in einer Media-Präsentation.

Was "Manager Magazin" und "Bilanz" hier vorhaben und wie sich der Newcomer auch bei Luxusthemen zumindest zeitlich vor den Platzhirschen setzen will - das lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 25/2014, die am Mittwoch, 18. Juni erschienen ist.

Im HORIZONT.NET-Interview kombiniert "Bilanz"-Chef Boldt scheinbare Selbstkritik mit einigem Selbstlob und gepflegtem Gestänker gegen die Konkurrenz.

Herr Boldt, Sie kommen mit Ihrem Ranking der 500 reichsten Deutschen im September heraus, einen Monat vor dem "Manager Magazin". Totaler Zufall oder gezielter Kinnhaken gegen die Ex-Kollegen? Und gibt es mit denen Vereinbarungen darüber, was Sie neben Ihrem Ranking-Know-how mitnehmen durften, etwa Daten und Namensrechte?
Wir haben lange überlegt, ob und - wenn ja - wann wir eine Aufstellung der reichsten Deutschen bringen wollen. Bei diesen Planungen spielte die Konkurrenz aber keine Rolle. Wir schauen auf uns und können uns bei Inhalten weder nach Wettbewerbern richten, die glauben, ein Monopol auf bestimmte Themen zu haben, noch wollen wir sie vorher um Erlaubnis bitten. Jeder, der über das Wissen und den Willen verfügt, eine Rangliste zu erstellen, soll meinetwegen eine veröffentlichen - ob es sich dabei um die größten Unternehmen oder die reichsten Unternehmer handelt. Wettbewerb macht Freude. Ich glaube auch nicht, dass Steffen Klusmann vom "Manager Magazin" Angst davor hat. "Manager Magazin" publiziert seit vielen Jahren eine sehr gute Rangliste. Wir wollen sehen, ob "Bilanz" es mit ihr aufnehmen kann.

Im Oktober kommt auch "Bilanz" mit der obligatorischen Luxus-Ausgabe heraus. Interessieren diese Themen Sie tatsächlich auch als investigativer Wirtschaftsjournalist - oder eher nur als verständnisvoller Chefredakteur, der weiß, wie wichtig Anzeigenumsätze sind, aus welchen Branchen sie noch kommen und welche Themenumfelder sie wünschen?
Einen Wirtschaftsjournalisten, der sich nicht für die Luxusindustrie interessierte, werden Sie lange suchen müssen. Die Luxusgüterbranche bietet eine großartige, faszinierende Themenvielfalt: Da ist richtig was los. Wer die Recherche-Devise "Follow the Money" beherzigt, der wird sich ausdauernd und regelmäßig mit diesem Markt beschäftigen wollen. Elendsreportagen aus den Vorständen von Eon oder dem Aufsichtsrat der Commerzbank bieten bisweilen zwar die kitzligere Unterhaltung. Aber eine aus- und nachforschende Herangehensweise macht ja vor LVMH, vor Bentley oder Chopard nicht Halt. Der Werbewirtschaft ist nicht an Gefälligkeitsartikeln oder Kuschelumfeldern gelegen. Die Marketingentscheider erwarten von einer Wirtschaftszeitschrift, dass sie unabhängig, informativ, kompetent und kritisch und nicht liebedienerisch ist.

Sie haben Ihre erste "Bilanz"-Ausgabe einem Copytest unterzogen. Zumindest die Ergebnisse, die Axel Springer verbreitet, sind natürlich ganz prima. Welche Schlüsse ziehen Sie aus dem Copytest? Und was werden Sie daraufhin im Blatt weiter verändern?
Ich glaube, dass wir den Geschmack unseres Publikums schon recht gut getroffen haben: "Bilanz" will packende Geschichten erzählen, die hohen erzählerischen Ansprüchen genügen und auf den üblichen Zunft-Zinnober, den Branchenjargon und ödes Managerkauderwelsch verzichten. Unseren Lesern scheint dies zu gefallen: 96 Prozent der "Welt"-Käufer haben die "Bilanz" gelesen, und 88 Prozent von denen hat das Magazin gefallen. "Welt" und "Welt Kompakt" sollen trotz deutlich erhöhter Auflage am Tag unseres Erscheinens mancherorts ausverkauft gewesen sein. Der Schluss, den ich daraus ziehe, ist, dass wir noch härter arbeiten und uns weiter verbessern müssen. Die Konkurrenz döst nicht, auch wenn sie diesen Eindruck macht.
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