Regionale Werbung VPRT fordert für Radio Nachbesserung des Staatsvertrags

Mittwoch, 07. Januar 2015
Sieht massive Versäumnisse der Medienpolitik: Klaus Schunk
Sieht massive Versäumnisse der Medienpolitik: Klaus Schunk
Foto: Björn-Arne Eisermann

Drei Wochen nach dem überraschenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, das regionale Werbung auf nationalen TV-Sendern erlaubt, meldet sich nun auch der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) zu Wort - und zwar seitens des Fachbereichsvorsitzenden Radio, Klaus Schunk. Dieser kritisiert die Öffnung bei den nationalen Sendern als "vollkommen systemwidrig". Sie stelle die bisherige Medienordnung in den regionalen Räumen in Frage und gefährde die Programmvielfalt der Privatradios.
Von dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts seien vor allem die lokalen und regionalen privaten Radioveranstalter betroffen. Das Gericht hatte in letzter Instanz entschieden, dass die Pläne von Pro Sieben Sat 1, auf seinen Sendern regionale Werbung zu vermarkten, rechtens ist. Das hatte einen lauten Aufschrei von Zeitungsverlegern und dem Privatradioverband APR hervorgerufen, aber auch der Landesmedienanstalten. Sie fürchten spürbare finanzielle Verluste, wenn Werbekunden Geld aus anderen Gattungen abziehen, um es in regionale TV-Kampagnen zu stecken. Die Regelung im Rundfunkstaatsvertrag sehen sie als falsch interpretiert an. Dass der Vertrag regionale Werbung im TV nicht verbiete, liege daran, dass dies technisch bislang nicht möglich war, argumentiert zum Beispiel der Verlegerverband BDZV. Auf dem ARD-Gemeinschaftsprogramm Das Erste ist allerdings auch in der Vergangenheit schon regionale Werbung geschaltet worden.

„Der Spruch des Bundesverwaltungsgerichts weist auf massive Versäumnisse der Medienpolitik und deren gestalterischer Kraft hin.“
Klaus Schunk
Schunk fordert nun ebenfalls von der Politik Nachbesserungen: "Der Spruch des Bundesverwaltungsgerichts weist jenseits der Sache auf massive Versäumnisse der Medienpolitik und deren gestalterischer Kraft hin. Wer regionale Vielfalt will, muss den lokalen und regionalen Hörfunkangeboten auch ein planerisch verlässliches Umfeld schaffen."

Die Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) hatte das Urteil bereits im Dezember scharf kritisiert und vom Gesetzgeber gefordert, regionale Werbung auf nationalen Sendern zu verbieten. Beim VPRT dürfte die Kritik für interne Diskussionen gesorgt haben, denn neben der Radiosektion hat er auch die weitaus größere Sektion Fernsehen unter seinem Dach. Dort sind auch die großen TV-Konzerne vertreten. Neben Pro Sieben Sat 1 hat auch die Mediengruppe RTL Deutschland das Thema Regionale Werbung geprüft.
GEZ
Bild: Gottschalk/Fotolia

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