"Regalverstopfung"? Bauer greift „Grazia“ mit Me-too-Titel „Olivia“ an

Mittwoch, 16. März 2016
Die erste Ausgabe von "Olivia"
Die erste Ausgabe von "Olivia"
Foto: dfv

Zickenkrieg voraus: Die Bauer Media Group greift mit einem neuen Titel das Wochenmagazin „Grazia“ frontal an, das im Joint Venture von Gruner + Jahr (50,1 Prozent) und der Mediengruppe Klambt erscheint. „Olivia“ heißt das neue Bauer-Blatt – und sieht „Grazia“ zum Verwechseln ähnlich. Doch nicht nur das ist bemerkenswert.

Nach Informationen von HORIZONT Online aus Vertriebskreisen soll „Olivia“ an diesem Donnerstag erscheinen, und dann aber nur alle drei Monate. Lediglich 99 Cent soll der neue 112-Seiten-Frauentitel kosten – aber dafür sechs Wochen lang am Kiosk liegen.

Und zwar laut Händlerinformation „in Vollsicht neben ,Grazia‘“. Dieser Hinweis wäre aber gar nicht nötig, denn das „Olivia“-Cover sieht in seiner Anmutung dem von „Grazia“ zum Verwechseln ähnlich.
Die erste Ausgabe von "Olivia"
Die erste Ausgabe von "Olivia" (Bild: dfv)
Bemerkenswert ist Bauers „Olivia“-Projekt auch deshalb, weil der Großverlag sonst selber keine Gelegenheit auslässt, in seiner PR, im Handelsmarketing und auch juristisch gegen seltener erscheinende Me-too-Zeitschriften vorzugehen, die zu Billigstpreisen wochenlang die Kioskauslagen "verstopfen" (frühere Bauer-Wortwahl) und den wöchentlichen, teureren Schnelldrehern den Regalplatz und wohl auch Abverkäufe wegnehmen.
Eine aktuelle Ausgabe von "Grazia"
Eine aktuelle Ausgabe von "Grazia" (Bild: Grazia.de)
Nun scheint Bauer genau das mit „Olivia“ zu vollziehen, offensichtlich gegen „Grazia“ und deren regelmäßigen 1-Euro-Kioskaktionen gerichtet, die G+J/Klambt meist dreimal pro Quartal gezielt zu IVW-Terminen fahren. Diese Preisoffensiven dürfte Bauer etwa bei seinen Heften "Intouch" und "Closer" schmerzlich spüren. Oder geht es um Revanche dafür, dass G+J nun mit dem Wochentitel „Frei“ in Bauers Revieren zu wildern versucht – allerdings eben nicht mit einem Nachahmerprodukt, und auch nicht mit einem Billigtitel („Frei“ kostet 1,90 Euro)? Auch „Grazia“ ist meist kein Billigheimer, sondern schwankt beim Copypreis: In der vergangenen Woche waren es 2,80 Euro, sonst sind es 2,40 Euro, nur eben bei etwa einem Viertel der Ausgaben 1 Euro.

Eine Bauer-Sprecherin bestätigt das "Olivia"-Projekt auf Anfrage, widerspricht jedoch der Händlerinformation ihres Hauses, wonach weitere Ausgaben am 16. Juni, 15. September und 8. Dezember erscheinen sollen: Das Heft sei jetzt erstmal ein One-Shot. Man wolle sehen, wie sich der Titel entwickele - und dann weitersehen. Die Druckauflage betrage 150.000 Stück. Von G+J/Klambt war auf Anfrage bisher kein Statement zu erhalten. (Nachtrag: Mittlerweile haben die "Grazia"-Verlage reagiert, siehe hier).

Laut Bauer sei „Olivia“ ein „Premium-Magazin für trendbewusste und preisaffine Frauen zwischen 20 und 49 Jahren“ mit Interesse an Fashion, Beauty und Lifestyle. Trotz nur quartalsweiser Frequenz bzw. auch als One-Shot sei das Heft „am Puls der Zeit“ und will Leserinnen erreichen, die „Unterhaltung und Information auf höchstem Niveau“ erwarten. Inspiriert von den internationalen Modemetropolen informiere der Titel über neue Trends, „setzt kontemporäre Beauty-Statements“ und zeige „den Glanz der Stars vom Red Carpet bis hin zum Street-Look“. rp

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