Redaktionelle Eingriffe Auch WDR, HR und RBB haben Ranking-Shows manipuliert

Mittwoch, 13. August 2014
WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn will künftig auf Online-Votings verzichten (Foto: WDR)
WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn will künftig auf Online-Votings verzichten (Foto: WDR)


Die Nächsten bitte: Nach dem NDR haben auch WDR, HR und RBB eingeräumt, dass die Abstimmungsergebnisse bei Ranking-Shows absichtlich verändert worden sind. Die Sender hatten nach den Mauscheleien bei der ZDF-Show "Deutschlands Beste!" interne Untersuchungen eingeleitet. WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn zieht daraus die Konsequenzen und will künftig auf Online-Votings verzichten. Allerdings basieren die verschiedenen Ranking-Shows in den Dritten anders als beim ZDF nicht noch zusätzlich auf Ergebnissen von Meinungsforschungsinstituten, sondern ausschließlich auf Abstimmungen im Internet. Der WDR gab bekannt, dass die Redaktion in den Jahren 2008 bis 2014 bei zehn von insgesamt 111 Sendungen in die Reihenfolge eingegriffen habe, weil das Online-Voting entweder verzerrt war oder nicht zu klaren Ergebnissen führte. Veränderungen der Reihenfolge aus dramaturgischen Gründen habe es in keinem Fall gegeben, es habe sich um "journalistisch begründete Korrekturen am Voting" gehandelt.

Anders beim RBB, der in den vergangenen Jahren zweimal Änderungen bei der Reihenfolge einer Zuschauerabstimmung vorgenommen hatte. "2013 stimmte bei den beiden Sendungen '21 Dinge, die man in Berlin erlebt haben muss' und '21 Dinge, die man in Brandenburg erlebt haben muss' die ausgestrahlte Reihenfolge nicht mit dem Abstimmungsergebnis überein", so Heiner Heller, Programmbereichsleiter "Neue Zeiten" im rbb. Alle 21 zur Wahl stehenden Beiträge seien in der Sendung zu sehen gewesen, jedoch nicht in der Abfolge, die sich die Teilnehmer der Online-Abstimmung gewünscht hatten. Die zuständige Redaktion habe eine andere Sendedramaturgie für wirkungsvoller gehalten und daher die Reihenfolge verändert.

Last but not least ergaben auch die Untersuchungen des HR, dass die Redaktion in der Vergangenheit bei einzelnen Ranking-Sendungen in die Ergebnisse der Online-Votings eingegriffen hat. Veränderungen gab es bei drei Sendungen, ohne dass diese kenntlich gemacht worden sind: Bei "Die beliebtesten Klassiker des Kinderfernsehens" (2011), "Geniale Verbindungen - Hessens spannendste Brücken" (2012) und "Die beliebtesten Stimmungslieder" (2011). Der HR will nun einen verbindlichen Leitfaden für den Umgang mit Online-Votings einführen. fam
Meist gelesen
stats