Reaktion auf ganzseitige FAZ-Anzeige NDR lässt Solidaritätsbekundung zu Xavier Naidoo kalt

Montag, 30. November 2015
Die Anzeige erschien in der "FAZ" vom Samstag
Die Anzeige erschien in der "FAZ" vom Samstag
Foto: FAZ / Blendle

Dutzende Musiker, Schauspieler und andere Prominente haben Xavier Naidoo (44) nach dem Wirbel um seine zurückgezogene ESC-Nominierung öffentlich unterstützt. Unter der Überschrift "Menschen für Xavier Naidoo" erschien am Samstag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eine ganzseitige Anzeige, darunter die Namen von 121 Künstlern und Bands wie Die Prinzen, Mario Adorf, Jan Delay, Jan Josef Liefers und Til Schweiger.
"Wir fühlen uns Xavier Naidoo verbunden, und zwar nicht erst seit heute und gestern, sondern über Jahrzehnte hinweg", erklärte der Konzertveranstalter Marek Lieberberg, der die Annonce initiiert hatte, der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. "Wir haben uns an viele Künstler gewendet, mit denen wir gar nicht zusammenarbeiten, einfach an die Branche per se. Wir sind begeistert über den Zuspruch, den wir erhalten haben."
Naidoo Soli-Anzeige
Bild: FAZ / Blendle

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Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) nahm die Aktion gelassen hin. "Das ist ihr gutes Recht", teilte der NDR mit. "Xavier Naidoo ist ein Künstler, der polarisiert. Er hat neben vielen Kritikern auch viele Fans. Aus unserer Sicht ist alles Nötige dazu gesagt."

Auch Herbert Grönemeyer hatte sich bereits für Naidoo stark gemacht. "Was jetzt auf seinem Rücken für ein absurdes Theater abgefertigt wird, ist unverständlich", sagte Grönemeyer.

Der NDR hatte Naidoo ("Dieser Weg") in der Vorwoche als deutschen Vertreter für den Eurovision Song Contest (ESC) auserkoren. Nachdem sich dagegen starker Protest formiert hatte, zog der Sender die Nominierung zwei Tage später aber wieder zurück. "Der NDR hat einen Fehler gemacht", hatte NDR-Intendant Lutz Marmor gesagt.

Die Anzeige erschien in der "FAZ" vom Samstag
Die Anzeige erschien in der "FAZ" vom Samstag (Bild: FAZ / Blendle)
Lieberberg betonte, der NDR sei mit der Idee der ESC-Teilnahme auf Naidoo zugekommen, nicht umgekehrt. "Dass man danach einen solchen Rückzieher macht, ist doch mehr als fragwürdig." Vorwürfe, die Anzeige sei Teil eines Marketingplans, bezeichnete er als absurd. "Diese ganzen Mutmaßungen muss man nach Absurdistan verweisen. Jedes kleine Kind weiß, dass ich im Feuilleton der "FAZ" kein Marketing für HipHop-Künstler machen kann." Ohnehin seien Naidoos Konzerte in den letzten Monaten allesamt ausverkauft gewesen, und für 2016 sei keine Tournee geplant.

Einer Umfrage zufolge wünscht sich eine Mehrheit der Deutschen nun wieder ein Casting des deutschen ESC-Teilnehmers. 52 Prozent der Befragten halten einen Vorentscheid mit mehreren Künstlern für wichtig oder sehr wichtig, wie aus einer repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervorging.

Naidoo gilt wegen politischer Äußerungen als umstritten. Ihm werden Antisemitismus, Homophobie und Verschwörungstheorien vorgeworfen. Naidoo hatte sich gegen die Kritik gewehrt: "Mit meinem ganzen Wesen stehe ich für ein weltoffenes und gastfreundliches Deutschland und einen respektvollen sowie friedlichen Umgang miteinander", wurde er vom NDR zitiert, bevor der Sender die Nominierung zurücknahm. dpa
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