"Raus aus Bayern"-Affäre "Monitor" veröffentlicht umstrittenes Interview mit Barbara Stamm

Freitag, 30. August 2013
"Monitor" veröffentlichte das ungeschnittene Interview im Netz (Bild: Screenshot wdr.de)
"Monitor" veröffentlichte das ungeschnittene Interview im Netz (Bild: Screenshot wdr.de)


"Die müssen raus aus Bayern": Mit diesen Worten echauffierte sich der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer über Journalisten des Westdeutschen Rundfunks. Der Grund: Die Reporter des TV-Magazins "Monitor" sollen die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm auf einer Wahlkampfveranstaltung mit kritischen Fragen zur so genannten Verwandten-Affäre bedrängt haben. Nun hat "Monitor"den Interview-Versuch mit Stamm im Internet veröffentlicht. Der gut dreineinhalb-minütige Clip, auch verfügbar in der ARD-Mediathek, ist ein vorzügliches Dokument des Ping-Pong-Spiels zwischen einer sich in die Ecke gedrängt fühlenden Politikerin und einem hartnäckigen Journalisten. Gegenstand des Interviews sollte ein Bericht des Obersten Bayerischen Rechnungshofes zur so genannten Verwandten-Affäre sein, demzufolge Abgeordnete des Bayerischen Landtages Steuergelder zur Parteienfinanzierung verwendet haben sollen. Reporter Stephan Stuchlik wollte hierzu einen Kommentar von Stamm - diese wollte sich jedoch partout nicht stellen. Und obwohl Stamm mehrfach erklärte, dass das Gespräch für sie beendet sei, hakte Stuchlik beharrlich nach.

Im weiteren Verlauf des immer hitziger werdenden Gesprächs droht die CSU-Polikerin dem Journalisten mit einer Beschwerde bei seinem Intendanten sowie beim Presserat. "Ich pflege nicht mit einer solchen Art Journalismus umzugehen", schimpft sie mehrfach in die stets filmende Kamera und schiebt später in Richtung Stuchlik hinterher: "Sie sind bei uns im bayerischen Landtag sehr bekannt mittlerweile." Schließlich gibt Stamm entnervt auf und zieht von dannen.

Bereits im Vorfeld der Veranstaltung, die in Würzburg stattfand, hatte Stuchlik telefonisch um ein Interview gebeten - und war nach eigenen Angaben dabei fünfmal abgeblitzt. Für die Würzburger Wahlkampfveranstaltung war das Presseteam ordnungsgemäß akkreditiert, dennoch verärgerte das Vorgehen der Journalisten nicht nur Stamm, sondern schließlich auch Ministerpräsident Horst Seehofer. "Die müssen raus aus Bayern" lautete das Verdikt des CSU-Politikers nach Aussagen von anwesenden "Mainpost"-Reportern. Unterstützung bekam das "Monitor"-Team hingegen von WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn sowie Inlandschefin Sonia Mikich. ire
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