Rassismus-Vorwürfe "Süddeutsche" entschuldigt sich, "Focus" verteidigt Titelbild

Montag, 11. Januar 2016
Für dieses Cover entschuldigte sich SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach
Für dieses Cover entschuldigte sich SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach
Foto: Sueddeutsche
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Wolfgang Krach Facebook Focus SZ Titelbild Wochenendausgabe


Die "Süddeutsche Zeitung" musste wegen einer zweideutigen Schwarz-Weiß-Illustration zum Thema sexuelle Gewalt in ihrer Wochenendausgabe viel Kritik im Netz einstecken. Chefredakteur Wolfgang Krach entschuldigte sich später auf Facebook dafür, dass das Motiv rassistische Assoziationen wecken könnte. Auch der "Focus" erntete für sein aktuelles Titelbild einen Shitstorm - doch Chefredakteur Ulrich Reitz verteidigt das Motiv.
Die "Süddeutsche Zeitung" entschuldigte sich gestern für das Titelbild in der Wochenendausgabe. Es thematisierte die Geschehnisse in der Silvesternacht und zeigt eine schwarze Männerhand, die zwischen zwei weiße Frauenbeine greift. Die Redaktion verbreitete das Cover auch auf Facebook, wo sie prompt einen Shitstorm erntete, zahlreiche User kritisierten die Illustration als rassistisch. Auch das beigefügte Zitat eines Psychologen ("Viele junge Muslime können nicht entspannt dem anderen Geschlecht begegnen") sorgte für Irritationen unter den Lesern, weil es nicht als solches gekennzeichnet wurde, sondern als redaktionelle Äußerung verstanden wurde.

Dieses Zitat stammt von Ahmad Mansour. Der palästinensisch-israelische Psychologe arbeitet in Berlin mit gefährdeten...

Posted by Süddeutsche Zeitung on Samstag, 9. Januar 2016
Chefredakteur Wolfgang Krach musste daraufhin zurückrudern und auf der sozialen Plattform um Entschuldigung bitten. Die Illustration bediene stereotype Bilder vom "schwarzen Mann", der einen "weißen Frauenkörper" bedrängt und könne so verstanden werden, als würden Frauen zum Körper verdinglicht und als habe sexuelle Gewalt mit Hautfarbe zu tun. "Beides wollten wir nicht. Wir bedauern, wenn wir durch die Illustration die Gefühle von Leserinnen und Lesern verletzt haben und entschuldigen uns dafür." Auch der "Focus" geriet am Wochenende ins Kreuzfeuer der Internetuser. Am Samstag erschien das Magazin mit der Titel-Zeile "Frauen klagen an". Zu sehen ist eine nackte weiße Frau, auf deren Haut schwarze Handabdrücke zu erkennen sind. Die Internetnutzer beklagten daraufhin Rassismus und Sexismus.

Auf Twitter wurde heute das Cover unserer aktuellen Ausgabe kritisiert. Wir hatten uns dazu entschieden, symbolisch...

Posted by FOCUS Magazin on Freitag, 8. Januar 2016
Im "Tagesspiegel" weist Chefredakteur Ulrich Reitz die Kritik jedoch von sich. "Wir bilden ab, was leider passiert ist," zitiert ihn die Zeitung. Wer behaupte, das Cover sei sexistisch und rassistisch, habe "Angst vor der Wahrheit". Es sei „albern“, sich an den schwarzen Händen auf weißer Haut abzuarbeiten. „Das sind Leute, die keine Ahnung davon haben, wie man Themen illustriert“, sagte er. ron
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