Ranking Das sind die größten Medienkonzerne der Welt

Mittwoch, 11. Januar 2017
Bertelsmann rutscht aus den Top 10
Bertelsmann rutscht aus den Top 10
Foto: Bertelsmann

Noch vor wenigen Jahren war Netflix unbekannt. Inzwischen setzt der US-Konzern so viel um wie Axel Springer und Pro Sieben Sat 1 zusammen. Der Umsatz der Google-Holding Alphabet wiederum ist mehr als zehnmal so hoch wie der von Netflix. Das geht aus dem Ranking der weltgrößten Medienkonzerne 2016 hervor, das HORIZONT Online exklusiv veröffentlicht.

Die größten Medienkonzerne der Welt

Rang 2016MedienkonzernLandUmsatz 2015 in Mrd. €
1AlphabetUSA67,588
2Comcast Corp.USA 67,156
3The Walt Disney CompanyUSA 47,287
4News Corp. Ltd. / 21st Century FoxUSA 33,907
5AT&T Entertainment Group (DirecTV)USA 31,811
6Time Warner Inc.USA 25,343
7Viacom Inc./CBS Corp.USA 24,474
8Sony EntertainmentJP22,917
9Apple Inc.USA 17,944
10Altice GroupNL 17,495
11Bertelsmann SE & Co. KGaAGER 17,141
12Cox Enterprises Inc.USA 16,314
13Facebook Inc.USA 16,159
14Liberty Media/Liberty InteractiveUSA 14,857
15Tencent Holdings Ltd.China 14,765
16Dish Network Corp.USA 13,582
17Thomson Reuters CorporationUSA 11,004
18Vivendi S.A.FRA 10,627
19The Hearst CorporationUSA 9,644
20Rogers Comm.CAN 9,263
21Baidu Inc.China 9,237
22Microsoft CorporationUSA 9,178
23Charter Comm. Inc.USA 8,791
24RELX GroupGB8,226
25Bloomberg L.P.USA 8,112
26Essel GroupIND 7,514
27Lagardère MediaFRA 7,193
28BBCGB 6,620
29ARDGER 6,485
30Pearson plcGB 6,156
31NetflixUSA 6,111
32Advance PublicationsUSA 6,022
33Amazon.com Inc.USA 5,800
34Discovery Communications, Inc.USA 5,763
35iHeart MediaUSA 5,626
36The Nielsen CompanyNL 5,563
37Shanghai Media GroupChina5,463
38The Naspers GroupZA5,335
39Nippon Hoso Kyokai JP 5,086
40Grupo TelevisaMX 4,998
41S&P Global Inc.USA4,789
42Fuji Media Holdings, IncJP 4,769
43Yahoo! Inc.USA 4,478
44Globo Communicação e ParticipaçõesBRA 4,336
45Wolters Kluwer nvNL 4,208
46Activision Blizzard Inc.USA 4,204
47ITV plcGB 4,095
48Electronic Arts Inc.USA 3,962
49AOL (Verizon)USA 3,930
50Nintendo Company Ltd.JP 3,756
Quelle: HORIZONT / Herbert von Halem Verlag

Die Rangliste basiert auf den Jahresumsätzen von 2015, da die für 2016 erst im Laufe des Jahres veröffentlicht werden. Im Fall von Advance Publications und der Shanghai Media Group lagen bei Redaktionsschluss die Zahlen von 2015 noch nicht vor. In diesen Fällen wurde der letztmalig publizierte beziehungsweise geschätzte Jahresumsatz als Grundlage genommen.

Die größten deutschen Medienkonzerne

Rang 2016MedienkonzernUmsatz 2015 in Mrd. €
11Bertelsmann17,141
29ARD6,485
52Axel Springer3,295
53Pro Sieben Sat 13,261
71Bauer Media Group2,300
72Hubert Burda Media2,211
74ZDF2,114
83Georg von Holtzbrinck1,727
Quelle: HORIZONT / Herbert von Halem Verlag

Im Ranking abgeschmiert sind die deutschen Medienkonzerne. HORIZONT sprach mit Lutz Hachmeister. Er ist der Direktor des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik, das das Ranking erstellt.

„Die deutsche Medienindustrie löst sich auf“

Lutz Hachmeister
Lutz Hachmeister (Bild: dfv)

Lutz Hachmeister über Bertelsmann

„Bertelsmann, 1995 zweitgrößter Medienkonzern der Welt, stagniert beim Umsatz seit Jahren und ist inzwischen nicht einmal mehr unter den Top 10. Der Abstand zur Spitze ist uneinholbar. Dem Haus fehlt ein Streamingdienst, den Kauf eines Hollywood-Studios hat es nie gegeben, der Games-Bereich wurde vernachlässigt. Wachstumsdynamik gibt es am ehesten im TV-Geschäft und bei Arvato. Die erledigen inzwischen, unter anderem, Dienstleisteraufgaben für Facebook. Auf Dauer reicht das nicht, um in der Liga der ganz Großen mitzuspielen. Auch alle anderen deutschen Medienkonzerne wurden durchgereicht. Von acht deutschen Medienkonzernen sind zwei in den Top 50 übriggeblieben: Bertelsmann und die ARD.“

… zur Frage, ob Google, Facebook, Amazon und Apple überhaupt Medienunternehmen sind

„Medien-, Wissens- und Datenkonzerne müssen heute zusammen analysiert werden.“

„Google nimmt 98 Prozent seiner Umsätze über Werbung ein. Das ist klassisches Mediengeschäft, mit einem Unterschied: Es sind keine eigenen, sondern fremde publizistische Inhalte, mit denen Google Werbegelder einnimmt. Dasselbe gilt für Facebook. Es liegt aber in der Marktlogik, dass diese Unternehmen über kurz oder lang in eigene Inhalte investieren werden, so wie Apple und Amazon es bereits tun. Google verfügt mit Youtube über eine gigantische audiovisuelle Infrastruktur.“

„Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass das Internet-Warenhaus Amazon eigene Serien produziert und mit der ,Washington Post‘ eine der wichtigsten US-Zeitungen kauft? Erst wurde in die Infrastruktur investiert, jetzt in die Inhalte.“

… über medienrechtliche Konsequenzen

„Für einen weltweiten Nachrichtendistributor, der auch mit Nachrichten mehr Geld verdient als jeder andere, kann keine medienrechtliche Sonderstellung akzeptiert werden. Ich plädiere allerdings dafür, geltendes Recht anzuwenden und zu modernisieren. Wir haben ein Grundgesetz, wir haben ein Persönlichkeitsrecht. Wir brauchen daher auch keine Digital-Charta. Das verkompliziert nur die Rechtsgrundlagen."

… über die Zukunft der deutschen Medienlandschaft

„Die meisten ernst zu nehmenden Ökonomen gehen davon aus, dass wir vor dem Platzen der nächsten Tech-Bubble stehen. Wie beim einstweiligen Untergang der New Economy wird es zu entsprechenden Effekten kommen. Das verbleibende Werbeaufkommen wird einbrechen, es wird zu Fusionen kommen, branchenfremdes Kapital wird benötigt. Das hatten wir alles schon einmal, denken Sie an Carl Bosch mit seiner Imprimatur GmbH als einem großen Förderer der Frankfurter Zeitung vor 1933.“

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… über die deutsche Medienpolitik

„Es gibt zu wenige, die sich auf dem Gebiet auskennen, und gar keinen in der Bundesregierung, der von führenden US-Konzernen ernst genommen würde. Man bräuchte jemanden, der den Gesamtkontext versteht und nachvollzieht, welche Dynamik der Markt besitzt. Was bedeutet es, dass Netflix fast aus dem Stand das gemeinsame Umsatzniveau von Springer und Pro Sieben Sat 1 erreicht? Oder dass News Corp vor zehn Jahren so viel wie Bertelsmann umsetzte und heute das Doppelte?“

… über notwendige Korrekturen

„Es gäbe Möglichkeiten, solche Entwicklungen zu konterkarieren, sei es mit einer stärkeren Besteuerung internationaler Online-Konzerne oder durch gezielte Förderung. Es ist doch erstaunlich, dass eine derart entwickelte Wirtschaftsnation wie unsere den globalen Medienmarkt so wenig im Blick hat. Stattdessen geht es immer nur um föderalen Machterhalt, und ansonsten heißt es: Ich bin nicht zuständig. Selbst auf EU-Ebene. Oettinger, der verlängerte Arm der Verlegerverbände, ist weg. Und wer ist der zuständige Kommissar für Kultur und Bildung? Ein Ungar von der Fidesz-Partei." usi 

 

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