Ralph Büchi über das Ringier-Springer-Joint-Venture "Wir haben unsere Kinder verheiratet"

Freitag, 30. Oktober 2015
Ralph Büchi
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Die beiden Medienhäuser Ringier und Axel Springer rücken noch ein Stückchen enger zusammen, diesmal in der Schweiz. "Alles aus einer Hand", lautet die Strategie. Ralph Büchi übernimmt die operative Führung des Joint Ventures und sieht vor allem bei der Digitalisierung Nachholbedarf. Umso mehr hofft er auf die geplante Vermarktungsallianz mit der Fernsehgesellschaft SRG und Swisscom.
Herr Büchi, Sie sind zwar nicht mehr im Vorstand von Axel Springer. Als derjenige, der von Zürich aus die Bezahlangebote von Axel Springer International verantwortet, spielen Sie für Springers Expansionsstrategie aber weiterhin eine zentrale Rolle. Sie sind auch für „Ozy“, „Politico“ oder „Business Insider“ zuständig, richtig? Die Aktivitäten nehmen bei uns geographisch solche Dimensionen an, dass wir die internationalen Themen je nach Schwerpunkt aufteilen. Mein Schwerpunkt liegt bei „Politico“ und den beiden Joint Ventures in der Schweiz. Dem ganz neuen, Ringier Axel Springer Schweiz… …, bei dem ich als Delegierter des Verwaltungsrats auch operativ den Vorsitz der Geschäftsleitung übernehme, …

… und der 2010 gegründeten Ringier Axel Springer Media AG, in der die beiden Häuser ihr Osteuropa-Geschäft zusammengelegt haben. Dort ist Mark Dekan CEO. Ich bin Präsident des Verwaltungsrats.

Was kommt als nächstes Kapitel in der Geschichte der schrittweisen Annäherung beider Unternehmen? 2002 gab es Verhandlungen über ein komplettes Zusammengehen, die Verleger Michael Ringier beendete, um die Eigenständigkeit seiner Zeitungen und Zeitschriften nicht zu gefährden. Damals wurde entschieden, diesen Schritt nicht zu gehen, aber inzwischen haben wir sozusagen unsere Kinder verheiratet. Das bindet einen ja fast noch mehr.

Sollten es sich Michael Ringier und seine Schwestern eines Tages anders überlegen, hat Springer jedenfalls mehr als einen Fuß in der Tür. Herr Ringier hat wiederholt gesagt, dass die Firma Ringier in Familienbesitz ist und bleibt.Das heißt es auch bei Springer. Beide Häuser haben ähnliche Philosophien und Strategien. Es sind Familienunternehmen, die im Ausland und im Digitalen expandieren und den Journalismus als Kernaktivität verstehen. Daher das Osteuropa-Joint-Venture, durch das wir mehr Marktgröße besitzen, daher nun auch das Schweizer Joint Venture, bei dem wir durch Skaleneffekte gemeinsam die Digitalisierung unserer Zeitschriften in Angriff nehmen und auch deren Print-Lebenszyklus verlängern können.

Lassen Sie uns zum Osteuropa-Geschäft kommen. Haben Sie es fusioniert, weil es im Alleingang für beide sehr schwer geworden wäre? Das sehen Sie falsch. Schauen Sie sich beispielsweise Polen an. Das ist der größte Markt in Osteuropa, zu dem Ringier durch Axel Springer Zugang erhalten hat. Dort sind wir mit sehr erfolgreichen Boulevardzeitungen und Zeitschriften vertreten, zu denen wir im Joint Venture die größte Onlineplattform Onet und damit auch das Dreamlab hinzugekauft haben. In diesem Technologie-Hub arbeiten rund 180 Entwicklungsingenieure, mit denen wir zentral von Krakau aus das gesamte Osteuropa-Geschäft digitalisieren. Davon können wir auch in der Schweiz profitieren. Das sind wertvolle Skaleneffekte, die erst entstehen, wenn Sie eine gewisse Größe haben und auf verschiedenen Märkten unterwegs sind. Vergangenes Jahr haben wir über Onet eine Preisvergleich-Suchmaschine dazugekauft. Wir investieren. Und wir bilden, erst in Polen, jetzt in Serbien, nach und nach für alle Länder eigene Vermarktungseinheiten, nach dem Vorbild von Media Impact in Deutschland.

Schauen wir uns die einzelnen Länder an. Das Tschechien-Geschäft haben Sie verkauft. Wir hätten im durchaus profitablen Printmarkt nicht wachsen und auch digital wirtschaftlich nicht sinnvoll expandieren können, da Seznam als großer Player dort eine dominante Stellung innehat, inhaltlich, im Search und bei den Rubrikenangeboten.
Axel Springer Zentrale
Bild: Axel Springer

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Ungarn kam erst später hinzu. Was mit wettbewerbsrechtlichen Hürden und dem Regierungswechsel damals zu tun hatte. Sowohl Axel Springer als auch Ringier waren dort bereits starke Medienunternehmen.

Die Zeitungen mussten Sie abgeben. Der Verkauf unserer Regionalzeitungen war eine Auflage, die wir gut erfüllen konnten und die in unsere Strategie passte. Dank Ringier haben wir im Joint Venture aber „Blikk“ hinzugewonnen, und inzwischen konnten wir das größte Stellenmarktportal Profession.hu erwerben. Eine Perle in unserem Portfolio. Zudem haben wir in Serbien und der Slowakei Auto- und Immobilienportale gekauft. Wir können uns heute in diesen Märkten ganz anders entwickeln als allein mit jeweils nur ein paar Zeitungen oder Zeitschriften.

Interview: Ulrike Simon

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