Radiosuchmaschine Privatsender gründen Gesellschaft für gemeinsamen Radioplayer

Mittwoch, 02. Juli 2014
FFH-Chef Hillmoth eint die Sender
FFH-Chef Hillmoth eint die Sender


Es ist ein Verbund von selten großer Einigkeit: Die meisten deutschen Privatradiosender werden künftig einen gemeinsamen Radioplayer einsetzen, der die Sender aggregiert. Dies erfuhr HORIZONT aus gut unterrichteten Kreisen. Auch für die öffentlich-rechtlichen Stationen soll es in der Radiosuchmaschine Platz geben, um ein möglichst umfassendes Angebot zu schaffen, das die gesamte deutsche Radiolandschaft abbildet. Dies bestätigt Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer und Programmdirektor Radio/Tele FFH und einer der Hauptinitiatoren des Projekts, auf Anfrage.
"Radio droht die letzte Meile zu verlieren", begründet er den Schritt. Die Verbreitung via Internet biete einerseits viele Chancen für die Sender, weil sie so an noch mehr Orten zu empfangen sind, doch sie werden von den Hörern immer öfter über Aggregatoren wie Radio.de angesteuert - eine Entwicklung, die die Betreiber nun mit dem eigenen Player stoppen wollen. Denn die Aggregatoren bündeln nicht nur Stationen, sie verdienen indirekt an dem Content, indem sie Werbung auf ihren Playern vermarkten.

Das Projekt wurde erstmals Ende 2013 in der Digital 5 zu der Radio/Tele FFH, Antenne Bayern, Hit-Radio Antenne, Radio ffn und Radio Hamburg gehören , diskutiert. Der Kreis der Gesprächspartner wurde dann schnell ausgeweitet. Es ging im Kern darum, wie die Sender mit der aktuellen Entwicklung umgehen sollen: Zusehen, wie andere Aggregatoren die Stationen bündeln, einen Aggregator kaufen, einen eigenen entwickeln oder ein bestehendes Produkt adaptieren.

Die privaten Senderchefs haben sich auf einem Treffen Ende April in Frankfurt für die vierte Variante entschieden. In Großbritannien gibt es bereits seit drei Jahren den UK Radioplayer , der je zur Hälfte privaten Kanälen und der öffentlich-rechtlichen BBC gehört. 96 Prozent aller britischen Stationen sind mittlerweile auf dem Player zu empfangen. Mitmachen kann jeder Sender, der in der dortigen Medienanalyse der Ofcom erfasst wird. Dieses Modell und die zugrunde liegende Technik soll nun bis spätestens Ende 2014 auch nach Deutschland kommen. Dazu soll in den nächsten Wochen ein Vertrag mit dem UK Radioplayer geschlossen werden.

Vertragspartner wird hierzulande eine noch zu gründende Betreibergesellschaft, die voraussichtlich Radioplayer Deutschland GmbH heißen wird. Ihre Gesellschafter werden dem Vernehmen nach RTL Radio, Regiocast, FFH, Antenne Bayern und Frank Otto Medien sein. 50 Prozent der Anteile werden vorerst für die ARD-Wellen freigehalten. Vertreter der ARD waren bereits bei der entscheidenden Sitzung in Frankfurt dabei. Nun müssen die Gremien entscheiden, ob die Sender mitmachen oder nicht.

Die Stationen, die bereits unterschrieben haben, verpflichten sich dazu, den Player drei Jahre lang auf der Homepage zu integrieren, für den Betrieb zu zahlen und das Projekt gemeinsam zu betreiben. Die Einigkeit Hillmoth spricht davon, dass schon 90 Prozent der privaten Radioszene vom Start weg dabei sein werden ist bemerkenswert, scheitern solche großen Verbünde doch häufig an Partikularinteressen. Hillmoth freut sich: "Ich war überrascht, dass das Votum so klar war." Erleichtert worden sein dürfte der Schulterschluss dadurch, dass es sich bei der Gesellschaft um eine Non-Profit-Organisation handelt. Die Vermarktung bleibt Sendersache. Überschüsse werden wieder an die Mitglieder ausgeschüttet.

Einen gemeinsamen Player zu installieren, ist kein rein deutsches Thema. Auch in Norwegen, Belgien und Kanada gibt es vergleichbare Pläne. Hillmoth überrascht das Interesse nicht: "Es ist die letzte Möglichkeit, in diesem Markt mitzuspielen", sagt er.
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