Radiomarkt Bauer Media Group will ins deutsche Radiogeschäft

Donnerstag, 22. Oktober 2015
Carsten Schüerhoff verantwortet das Radiogeschäft der Bauer Media Group
Carsten Schüerhoff verantwortet das Radiogeschäft der Bauer Media Group
Foto: Bauer Media Group

Die Bauer Media Group will in größerem Stil ins deutsche Radiogeschäft einsteigen. Durch Zukäufe ist das Hamburger Medienhaus in den vergangenen Jahren zum größten Radioanbieter Europas aufgestiegen und beispielsweise in Großbritannien Marktführer.
"Wir finden Radio großartig! Das ist ein tolles, unterschätztes Medium", sagte Carsten Schüerhoff, Geschäftsleiter Radio und TV bei der Bauer Media Group auf den Medientagen München. "Wir wollen in Deutschland mehr machen. Sprechen Sie mich an!", forderte er das Publikum auf den Medientagen München auf. Bislang hält Bauer hierzulande nur eine Beteiligung an Radio Hamburg. Der hiesige Markt ist stark zersplittert, die meisten privaten Sender haben einen bunten Strauß an Gesellschaftern. Den Markt in großem Stil zu konsolidieren ist bislang nicht gelungen. Anfang 2000 hatte zum Beispiel RTL entsprechende Pläne.

Im ersten Schritt probiert es Bauer mit einem eher kleineren Projekt und startet heute unter der Marke "Bravo" ein eigenes Online-only-Radio-Programm. Aus Schüerhoffs Sicht gibt es bei Radio viele kreative Mitarbeiter, die Lust darauf haben, innovative Projekte zu machen. Julia Schutz, Programmdirektorin von Antenne Thüringen, beklagt jedoch, dass es für neue Projekte in der Regel kein Geld gebe. Man bekomme zwar trotzdem auch mit weniger Mitteln meist etwas hin. Aber vergebe sich damit auch Chancen. "Wir investieren nur soviel, wie wir müssen, damit es reicht, mitzuhalten. Aber wir gehen nie nach vorne", kritisierte sie auf dem Radio-Gipfel bei den Medientagen.

Mehr Geld in die Hand nimmt gerade der öffentlich-rechtliche RBB. Robert Skuppin, Programmchef von zum RBB gehörenden Radio Eins, kündigt ein neues Studio an, dass es ermöglicht, die Sendungen sowohl im Radio als auch in Bewegtbild auszustrahlen. Damit will er von der Online- und TV-Primetime am Abend profitieren: Menschen, die auf dem Weg von der Arbeit Radio gehört haben, können die Sendung dann als Bewegtbild-Stream weiter verfolgen, wenn sie zuhause sind. Das Studio soll perspektivisch auch anderen Sendern vom RBB zur Verfügung stehen und noch dieses Jahr erstmals genutzt werden.

Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer von Hit Radio FFH und Initiator des Radiosender-Aggregators Radioplayer.de, appelliert an die Branche, alle neuen Möglichkeiten auch zu nutzen, die die Digitalisierung bietet: "Vom Bewahren ist noch nie etwas weitergegangen." Beim Projekt Radioplayer stellen private und öffentlich-rechtliche Sender ihre Programme ein, die so besser auffindbar werden sollen. Das öffentlich-rechtliche Lager ist vorerst nur für ein Jahr dabei die Privaten haben den Test auf drei Jahre angelegt. Mögliche Impulse erhofft sich Hillmoth von Gesprächen mit der Automobilindustrie, die mit der Installation des Radioplayers mehrere hundert Sender in ihre Connected Cars bringen könnten. Erste Gespräche sollen in den nächsten Wochen laufen. pap
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