Radikalumbau So stellt sich Gruner + Jahr für die Zukunft auf

Dienstag, 10. September 2013
Gruner + Jahr will sich vom Zeitschriften- zum Inhaltehaus wandeln
Gruner + Jahr will sich vom Zeitschriften- zum Inhaltehaus wandeln

Der Startschuss ist gefallen: Gruner + Jahr verrät endlich die Details der grundlegenden strategischen Transformation, die den Verlag in den nächsten Jahren vom Zeitschriften- zum Inhaltehaus machen soll. Acht Communities of Interest (CoI), eine umfangreiche Produktoffensive und Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro sind die wesentlichen Bestandteile des Radikalumbaus, an dessen Ende das Haus vom Hamburger Baumwall "Best in Print" sein will. Wie HORIZONT bereits vor fast zwei Wochen berichtet hat (Ausgabe 35/2013), verzahnt G+J künftig die Bereiche Print und Digital auf der Basis von sogenannten Communities of Interest (CoI), denen die jeweiligen Marken zugeordnet werden. An die Stelle der bisherigen Verlagsgruppen G+J Agenda und G+J Life rücken demnach die Bereiche Food (u.a. "Essen und Trinken", "Beef", "Chefkoch.de"), Living (u.a. "Schöner Wohnen", "Living at home", "Roomido"), Family (u.a. "Eltern", "Tausenkind"), Women (u.a. "Brigitte"), People & Fashion (u.a. "Gala", "Grazia"), News (u.a. "Stern", "Neon"), Wissen (u.a. "Geo") und Wirtschaft & Special Interest ("Capital", "Business Punk", "11Freunde").

Zentraler Bestandteil des Umbaus sind acht "Communities of Interest"
Zentraler Bestandteil des Umbaus sind acht "Communities of Interest"
Die Verantwortung für die verschiedenen CoI's teilen sich künftig sowohl ein Publisher mit dem Geschäftsbereich Print (Zeitschriften und Sonderpublikationen) als auch ein Digital Business Director für den Bereich Digital (u.a. Websites der Magazine, E-Mags, Apps) allerdings lohnt sich hier (noch) nicht für jede Sparte ein eigener Produktmanager. Jeder Digital Business Director berichtet an einen der Digital-Geschäftsführer, Eva-Maria Bauch, Arne Wolter oder Oliver von Wersch. Die Publisher berichten an einen der beiden Verlagsgeschäftsführer, Frank Stahmer oder Soheil Dastyari. Beide teilen sich zudem die letzten noch nicht zentralisierten Funktionen: Dastyari, bisher Chef der Kundenmediensparte und Geschäftsführer von "Capital", kümmert sich um Marketing und Business Development; der bisherige "Stern"-Verlagsleiter Stahmer wird zentral für die Herstellung verantwortlich sein.

Julia Jäkel nimmt Inhalte und journalistische Qualität in den Fokus
Julia Jäkel nimmt Inhalte und journalistische Qualität in den Fokus
Um künftig im ganzen Verlag weniger in Medienmarken, sondern mehr in den Kategorien Nutzerinteressen, Themen und Inhalte zu denken, sind die Publisher und Digital Business Directors jeweils vor allem für die Weiterentwicklung ihres Bereichs verantwortlich. Keine geringe Herausforderung, die auf Matthias Frei, Iliane Weiß, Astrid Hamer, Oliva Zumft Cortines, Jonas Wolf, Wibke Bruns, Alexander Schwerin (Print) sowie Joellen Perry, Thomas Wittlinger und Daniela von Heyl (Digital) sowie Simon Kretschmer wartet: Sie sollen in ihren Themenwelten gesellschaftliche Trends antizipieren sowie Bedürfnisse von Lesern, Nutzern, der Wirtschaft und der Werbekunden erspüren.

"Das Verständnis unserer Nutzer und Kunden unserer Communities of Interest ist die Kernkompetenz des Inhaltehauses G+J", beschreibt G+J-Vorstandsvorsitzende Julia Jäkel das zukünftige Geschäft. Qualitativ hochwertige Inhalte sollen so relevant sein, dass Kunden auch dafür bezahlen entweder direkt oder in Form von Anzeigenbuchungen. Es werde neue gedruckte Magazine und neue Digitalformate geben. Zudem will G+J seine Lizenz-Geschäfte ausbauen sowie in Commerce und Paid Services investieren. Die strikte Orientierung an den acht CoI s stellt Jäkel dabei in den Vordergrund: "Wir werden keine Diversifikation in Geschäfte betreiben, die losgelöst sind von unseren Communities. All unsere Akquisitionen und Investitionen stehen im Zusammenhang mit unseren Inhalten."

Eine erste konkrete Maßnahme des Umbaus, den G+J lieber Transformation nennt, sickerte bereits am Montag durch: Die bisher in München sitzenden Redaktionen von Neon , Nido , Eltern , P.M. , Wunderwelt Wissen und die entsprechenden Verlagsfunktionen werden bis Mitte 2014 in Hamburg gebündelt. Alle betroffenen Mitarbeiter erhalten dem Verlag zufolge ein Übernahmeangebot für den neuen Standort.

Der Umbau ist laut G+J nicht auf Deutschland beschränkt. Wie die Veränderungen in den jeweiligen Ländern ausfallen, soll in den kommenden Wochen und Monaten entschieden werden. kl
Meist gelesen
stats