Quo vadis, Medienhäuser Reichweite, Qualität, Nachhaltigkeit – und eine Prise Zweckoptimismus

Donnerstag, 21. Januar 2016
Verlagschef diskutierten beim Deutschen Medienkongress über die Geschäftsmodelle der Zukunft
Verlagschef diskutierten beim Deutschen Medienkongress über die Geschäftsmodelle der Zukunft
Foto: Alex Grimm / Getty Images

Mit einem Ausblick auf die Strategien der großen Medienhäuser endete der erste Tag des Deutschen Medienkongresses. Im Gespräch mit HORIZONT-Chefredakteur Uwe Vorkötter nannten Jan Bayer von Axel Springer, Stefan Hilscher vom Süddeutschen Verlag und Carsten Schmidt von Sky, was für sie 2016 Priorität hat.

Nein, stellte Carsten Schmidt gleich zu Beginn fest, nur weil er der neue CEO ist und sich Sky Deutschland von der Börse verabschiedet habe, werde er die Strategie für das Bezahlfernsehen nicht ändern. Auch er setze auf „Content, Innovation und Service: Das sind die strategischen Eckpfeiler, und sie bleiben aktuell, aktueller denn je“. Da das Live-Erlebnis die letzte Bastion des linearen Fernsehens sei, werde Sky selbstverständlich bei der anstehenden Vergabe um die Rechte an der Fußball-Bundesliga mitbieten. Schmidt versicherte, was potenzielle Konkurrenten auch als Drohung verstehen dürfte: „Wir werden ein sehr, sehr starker Bieter sein“. Um nachhaltigen Erfolg sicherzustellen, wolle er mit Blick auf die neuen Angebote „Sky Go“ und „Sky Demand“ die Marke Sky neu aufladen – weg vom Image als vermeintlich reiner Fußballsender, hin zu einem Angebot für „eine ganze Erlebniswelt.

„Wir haben noch nicht die digitalen Produkte geschaffen, auf denen die Nutzer lange verweilen. Da müssen wir alle noch besser werden.“
Jan Bayer
Sieht auch die Verlage in der Bringschuld: Jan Bayer
Sieht auch die Verlage in der Bringschuld: Jan Bayer (Bild: Alex Grimm / Getty Images)
Nicht nur selbst-, auch branchenkritisch zeigte sich Jan Bayer: „Wir haben noch nicht die digitalen Produkte geschaffen, auf denen die Nutzer lange verweilen. Da müssen wir alle noch besser werden“, sagte das für Bild und Welt/N24 zuständige Vorstandsmitglied von Axel Springer. Es gehe aber auch darum, Geschäftsmodelle fürs Digitale zu finden, die Redaktionen nachhaltig finanzieren. Er gab sich optimistisch. Als die Gründergeneration ihre Zeitungen auf den Markt gebracht haben, hätte auch kein Mensch an Stellenanzeigen als Refinanzierungsmittel gedacht. Er sei überzeugt, dass Paid Content funktionieren werde. Wer über niedrige Erlöse klage, möge sich bewusst machen, woher die Branche komme: von null auf 240 Millionen Euro binnen weniger Jahre sei ein respektabler Wert, wenngleich es gelte, weitere Erlösströme auszuprobieren. Als Stichwort nannte Bayer Native Advertising. 
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Bild: dfv

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Den Ausbau der crossmedialen Reichweite nannte Stefan Hilscher als oberste Priorität in seiner noch recht frischen Funktion als Geschäftsführer beim Süddeutschen Verlag. „Der entscheidende Punkt ist Qualitätsjournalismus. Dafür muss auch bezahlt werden wollen“. Eine knappe Bilanz zum Paymodell der „Süddeutschen Zeitung“ mit ihrer erneuerten Wochenendausgabe lieferte er am Rande: 45.000 Digitalabos gebe es nach einem Jahr. Das höre sich mit Blick auf die Gesamt-Abos in Höhe von 270.000 Exemplaren nach wenig an. Immerhin zahlten von den 45.000 Digital-Abonnenten jedoch zwei Drittel den monatlichen Vollpreis 29,90 Euro, das übrige Drittel seien Printabonnenten, die das Digitale zusätzlich nutzen. In zwei Jahren hofft Hilscher auf 100.000 Digitalabos. Unter dem Strich müsse es aber egal sein, über welche Kanäle der Leser erreicht würde. Schließlich gab Hilscher preis, worin er einen „zarten Trend“ erkenne: „Junge Menschen wollen zumindest am Wochenende das Papier rascheln hören.“ usi

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