Quo vadis Bewegtbild Fernsehnutzung zwischen Berieselung und Anspruch

Donnerstag, 27. Oktober 2016
Christian Franzen, Managing Director von Mediacom, und Petra Dittrich, TNS Infratest Medienforschung, diskutieren über die TV-Zukunft
Christian Franzen, Managing Director von Mediacom, und Petra Dittrich, TNS Infratest Medienforschung, diskutieren über die TV-Zukunft
Foto: Medientage

Fernsehzuschauer haben heute die Qual der Wahl. Neben immer mehr klassischen TV-Sendern buhlen auch zahlreiche digitale Plattformen um die Gunst der Zuschauer. Die Konsequenzen daraus sind indes auch bei Experten umstritten.
Das wurde bei der Diskussionsrunde "Quo vadis Bewegtbild – Die Zukunft der Fernsehnutzung" bei den Medientagen München deutlich. Klar ist: Der non-lineare Bewegtbildkonsum über digitale Plattformen steigt. Über das Ausmaß sind sich die Experten indes uneins. Oliver Ecke, Director Media Research von TNS Infratest, präsentierte Zahlen, die bei den Betreibern klassischer TV-Sender tiefe Sorgenfalten hervorrufen dürften: Nach Ansicht der Marktforscher sinkt der Anteil der linearen TV-Nutzung in Zukunft auf 57 Prozent, während die non-lineare Nutzung auf 43 Prozent ansteigt. "Das klassische Fernsehen wird seine Lagerfeuerfunktion behalten, aber nicht mehr so große Reichweiten erzielen wie bisher", so die Schlussfolgerung von Ecke. Ricardo Rubio Gonzalez, Head of New Media Research des Pro-Sieben-Sat-1-Vermarkters Seven-One Media, sieht die Entwicklung indes nicht ganz so dramatisch. Die Bewegtbildnutzung finde immer noch überwiegend auf dem klassischen TV-Schirm statt. Die Online-Video-Nutzung stagniere sogar – mit Ausnahme von Paid Video-on-Demand.

Auch Christian Franzen, für Medienforschung zuständiger Managing Director von Mediacom, relativierte die Dynamik der Entwicklung: Die Nutzung von Video-on-Demand sei noch ein Sonderfall. Erst 8 Prozent der Zuschauer würden entsprechende Dienste täglich nutzen. "Wir sehen bei einem gewissen Teil der Zuschauer eine enorme Trägheit", so Franzen. Vielen Zuschauern seien kostenpflichtige On-Demand-Dienste zudem schlichtweg zu teuer.

Interessante Zahlen präsentierte auch Dirk Otto, Senior Vice President Research von Sky: So würden die Abonnenten von Sky mittlerweile deutlich weniger aufnehmen und zappen als in den Vorjahren. Die rückläufigen Aufnahmen ließen sich mit den On-Demand-Diensten von Sky erklären, das veränderte Einschaltverhalten unter anderem mit dem gestiegenen Qualitätsbewusstsein der Zuschauer: "Wir stehen am Anfang einer neuen Ära des Qualitätsfernsehens", so der Forscher. Reine Abspielstationen, die vor allem bereits vorhandene Inhalte neu konfektionieren, würden es künftig zunehmend schwer haben. "Es wird einen Gewöhnungseffekt geben, der die Zuschauer anspruchsvoller macht", ist Otto überzeugt.

Auch in diesem Punkt widersprach Mediacom-Mann Franzen. Dies gelte womöglich für Zuschauer von Sky, die immerhin viel Geld für ihr Pay-TV-Paket ausgeben. Viele Zuschauer seien mit dem klassischen Fernsehen aber nach wie vor zufrieden. "Es gibt Leute, die mit 'Frauentausch' glücklich sind." dh
Meist gelesen
stats