Publishing-Gipfel Die Print-Branche versteht die Digitalisierung und Tobias Trevisan verteilt Ohrfeigen

Donnerstag, 17. Oktober 2013
FAZ-Chef Tobias Trevisan (l.) keilte beim Printgipfel gegen Jan-Eric Peters (M.)
FAZ-Chef Tobias Trevisan (l.) keilte beim Printgipfel gegen Jan-Eric Peters (M.)


Aufgeschoben, nicht aufgehoben: Anfang 2014 will die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) ihr Paid-Content-Modell starten. Das kündigte Tobias Trevisan beim Publishing Gipfel der Medientage München an. Zusammen mit Mathias Müller von Blumencron, der am 1. Oktober bei der "FAZ" seinen Job als Chefredakteur Digitale Medien angetreten hat, arbeite man derzeit noch am publizistischen Konzept. Viel wichtiger als die Diskussion um das beste Paid-Modell sei jedoch das Wissen über den einzelnen Leser, betonte der Geschäftsführer: "Unsere Branche wird zum Datenmanagement-Geschäft."
Zusammen mit den anderen Mitglieder der Quality Alliance der "Süddeutschen Zeitung", dem "Handelsblatt" und der "Zeit" wollte die "FAZ" ursprünglich noch ab diesem Jahr Online-Inhalte nicht mehr kostenlos anbieten. Durch den Wechsel von Blumencrons sei es bei der "FAZ" allerdings zu Verzögerungen gekommen, sagte Trevisan am Donnerstag, da man den kürzlich gestarteten Online-Chef natürlich an der Konzeption beteiligen wolle. Im Mittelpunkt muss laut Trevisan vor allem der Leser stehen: "Unsere Branche beginnt langsam zu verstehen, in welche Richtung uns die Zukunft führt. Was uns dabei bislang nie beschäftigt hat, war das Wissen über den Einzelnen." Die Möglichkeit, Zielgruppen genau zu fragmentieren, sei allerdings die Basis für effiziente Zusatzgeschäfte.

Die Diversifizierung des klassischen Geschäfts hatte auch Medienanalyst Ken Doctor in den Fokus gerückt. Die Digitalisierung bezeichnete er dabei als "Gottes Geschenk" für die Printbranche, nicht nur was neue Formen des Storytellings, sondern auch die Werbevermarktung betrifft. Content Marketing und Native Advertising rückten die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Anzeigenkunden in ein völlig neues Licht zentral sei jedoch das Vertrauen der Nutzer in die Marke.

Ähnlich auch die Argumentation von Jan-Eric Peters, Chefredakteur der Welt-Gruppe (Axel Springer). Die Möglichkeiten, Themen relevant einzuordnen und zu analysieren, seien in der digitalen Welt weitaus größer als in der analogen. Das "Prinzip Zeitung" sei nicht an bedrucktes Papier gebunden. Ausgerechnet für letzteres gab es zum Schluss noch eine verbale Ohrfeige von "FAZ"-Kollegen Trevisan. Mit scharfen Worten kritisierte er die "Dumpingpolitik Springers", die aus der nach einem Gerichtsurteil weiterhin erlaubten - gemeinsamen Ausweisung von "Welt am Sonntag" und dem Kompakt-Ableger resultiere. "Nicht die 'Huffington Post' ist unser Problem, sondern Mischmodelle wie die von Springer, die sich gegen jegliche Transparenz wehren , schimpfte Trevisan. kl
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