Prügel via Twitter Donald Trump attackiert CNN mit Wrestling-Video

Montag, 03. Juli 2017
Donald Trump prügelt auf CNN ein - im wahrsten Sinne des Wortes
Donald Trump prügelt auf CNN ein - im wahrsten Sinne des Wortes
Foto: Donald Trump/Twitter

Donald Trump schießt seit langem gegen die Medien - und wird dabei zunehmend beleidigend. Aber seine Anhänger jubeln. Jetzt sorgt ein gegen CNN gerichtetes Prügel-Video für Wirbel. Hat Trump den Bogen überspannt?
Und nun prügelt er auch noch auf CNN ein, im wahrsten Sinne des Wortes. Donald Trump eskaliert seinen Kampf gegen die Medien weiter - dies ungeniert auch am Vorabend des US-Unabhängigkeitstages, an dem die Amerikaner doch gemeinsam Freiheit und Grundrechte feiern, darunter die Pressefreiheit. Hatten sich Kritiker gefragt, ob sich Trump nach seinen jüngsten hässlichen Auslassungen gegen zwei MSNBC-Moderatoren - der eine "verrückt", die andere "strohdoof" - noch steigern könnte, gab der US-Präsident am Sonntag die Antwort: Yes, he can.
Via Twitter verbreitet er ein Video, auf dem er scheinbar auf das CNN-Logo einprügelt. Bestenfalls kindisch, sagen Kritiker, aber vielleicht auch ein indirekter Aufruf zur Gewalt, wie es der angegriffene Sender selbst und auch die "Washington Post" sehen. Von der Frage, warum Trump keine Hemmung hat, sich ausgerechnet kurz vor dem G-20-Gipfel der Welt als prügelnder Rohling zu präsentieren, gar nicht zu reden.
Seinem Heimatschutzberater Thomas Bossert, der das Pech hatte, kurz nach der Videoveröffentlichung in einer Fernsehtalkshow aufzutreten, fiel dazu nur ein: "Er ist ein aufrichtiger Präsident, und er drückt sich aufrichtig aus." Trump selbst hielt Kritikern auch in den eigenen Reihen, die spätestens seit den Ausfällen des "Twitterer-in-Chief" gegen die MSNBC-Moderatoren besorgt sind, vor: "Meine Nutzung der sozialen Medien ist nicht präsidentenmäßig. Sie ist MODERN präsidentenmäßig."

Kurz zuvor hatte sich der Republikaner auch auf einer anlässlich des Nationalfeiertages am 4. Juli angesetzten Veranstaltung über den "Müll-Journalismus von CNN" und allgemein über die "fake news media" ausgelassen, "die versucht haben, uns auf dem Weg ins Weiße Haus zu stoppen. Aber ich bin Präsident, und sie sind es nicht."

Tausende Anhänger im Saal jubelten - und das ist ein großer Teil des Problems. Es erklärt vielleicht auch, warum Trump seine Tiraden gegen die Medien, "den Feind des amerikanischen Volkes", weiter zuspitzt. Das, obwohl ihn auch immer mehr Republikaner im Kongress direkt oder indirekt zur Mäßigung aufrufen. Trump weiß genau, dass er mit seinen Breitseiten gegen CNN & Co bei seiner treuen Gefolgschaft landet - und auf dieser Klaviatur spielt er wie in seiner bisherigen Politik: Auf eine Verbreiterung der Basis kommt es ihm nicht an.

So sieht denn auch die "Washington Post" in Trumps wüsten Angriffen nicht nur ein Zeichen von Undiszipliniertheit erwachsen aus immer stärker hochkochenden Ressentiments gegen die Medien, sondern mittlerweile eine Strategie. "Die Medien sind ein gemeinsamer Feind geworden", schreibt die Zeitung mit Blick auf Trumps eingefleischte Anhänger. "Sie mögen ihn, sie glauben ihm (...), und je mehr die Medien ihn angreifen, desto stärker wird es zu einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung auf der Seite der Trump-Unterstützer, die unerschütterlich glauben, dass die Medien ihn unfair behandeln", sagt auch Tony Fabrizio, Trumps leitender Meinungsforscher im Wahlkampf.
Donald Trump
Bild: DPA Picture Alliance

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Und beklagen auch manche Republikaner, dass das extreme Medien-Bashing und die Reaktionen darauf von anderen wichtigen Anliegen des Präsidenten ablenke, so liegt darin vielleicht eher ein Vorteil. Bisher hat Trump nur wenige politische Siege vorzuweisen. Was aus der geplanten Gesundheits-und Steuerreform oder aus seinem mit ebenso viel Tamtam angekündigten Infrastrukturprogramm wird, steht in den Sternen. Das wurde angesichts des Wirbels um seine jüngsten Medienangriffe zu einem Seitenthema in den TV-Sonntagstalkshows, in denen es sonst viel Platz für Bestandsaufnahmen gibt.

Das Fazit: Trump wird wenig Anlass sehen, sich auch nur etwas zurückzunehmen. Oder aber an den neuen Regeln zu rütteln, die das Weiße Haus bei den traditionellen täglichen Pressebriefings eingeführt hat: Die meisten davon lässt es mittlerweile nicht mehr vor laufenden Kameras stattfinden, oft gibt es sogar kein Live-Audio. Eine richtige Pressekonferenz hat Trump schon seit Monaten nicht mehr gegeben, und Interviews scheint er auf den Sender Fox News zu beschränken, der ihn mag und entsprechend befragt.

Dies frustriert das ständig als "FakeNewsMedia" beschimpfte Gros der US-Medien zunehmend - und es keimen Sorgen über eine schleichende Beschneidung der Pressefreiheit auf. Gruppen wie das Committee to Protect Journalists (CPJ/Komitee zum Schutz von Journalisten) sehen noch anderen Grund zur Beunruhigung. Sie fürchten, dass Trumps Angriffe ein Klima schafften, in dem Bedrohungen und sogar physische Attacken gegen Journalisten als akzeptabel verstanden würden - Angriffe wie unlängst die eines Kandidaten für das US-Abgeordnetenhaus auf einen "Guardian"-Reporter in Montana.

Trumps Äußerungen könnten "autokratische Führer rund um die Welt ermutigen", zitierte die "New York Times" Courtney Radsch vom CPJ. Die Organisation konzentriert sich üblicherweise auf Länder, in denen die Pressefreiheit eingeschränkt ist. dpa
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