Protokoll der Trauer Wie ein Mann das Sterben seiner Mutter auf Twitter begleitete

Mittwoch, 31. Juli 2013
Scott Simon meldet via Twitter den Tod seiner Mutter (Bild: Screenshot twitter.com/nprscottsimon)
Scott Simon meldet via Twitter den Tod seiner Mutter (Bild: Screenshot twitter.com/nprscottsimon)


Auf Twitter kann man jeden Tag rührende Geschichten lesen, aber diese hier geht besonders ans Herz: Nachdem seine krebskranke Mutter auf die Intensivstation eingeliefert worden war, fing der US-Radiomodertaor Scott Simon vom Krankenbett der 84-Jährigen aus an zu twittern - und begleitete das Sterben der Frau mit herzerweichenden Worten. "Der Himmel über Chicago hat sich geöffnet und Patricia Lyons Simon Newman hat die Bühne betreten" - dieser Satz findet sich am 29. Juli auf Scott Simons Twitter-Profil. Er verkündet die Nachricht, dass soeben seine Mutter gestorben ist. In den sechs Tagen zuvor hatte der Radiomoderator, der bei dem Sender National Public Radio (NPR) eine Samstagssendung moderiert, täglich vom Sterbebett seiner Mutter getwittert. Aus den Kurznachrichten sprechen Trauer, Angst, aber auch Hoffnung und Trost.



"Gerade merke ich: Sie musste mich einst in die große weite Welt entlassen. Jetzt lasse ich sie denselben Weg gehen", heißt es etwa am 28. Juli. Kurz danach twittert Simon: "In Nächten wie dieser zittern meine Knie, als ob die Erde bebte. Ich halte den Arm meiner Mutter, um Kraft zu schöpfen -- noch immer." Einen Tag nach dem Tod seiner Mutter schreibt er: "Aufwachen und merken: Du hast nicht geträumt. Es ist passiert. Weine wie du es letzte Nacht nicht konntest."

Simon betrat damit ein Terrain, das besonders im Westen als Tabu gilt: Tod und Sterben öffentlich zu machen. Entsprechend prasselt nicht nur Lob auf den 61-Jährigen ein, es gibt vereinzelt auch Kritik. Am Ende ist Simon mit sich jedoch im Reinen: "Vielen Dank für eure warmen Wünsche und Gebete. Diese Art Liebe treibt die Welt an", twitterte er noch am Todestag seiner Mutter. ire
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