"Promi Big Brother" Warum Cindy aus Marzahn die Containershow erst erträglich macht

Montag, 16. September 2013
Cindy aus Marzahn sorgt bei "Promi Big Brother" für die wenigen Glanzlichter (Foto: Sat 1)
Cindy aus Marzahn sorgt bei "Promi Big Brother" für die wenigen Glanzlichter (Foto: Sat 1)


Nach drei Tagen "Promi Big Brother" festigt sich die Erkenntnis: Die Sendung ist das schlechtere Dschungelcamp, Fernseh-Deutschland gehen mittlerweile sogar die D-Promis aus und ohne Cindy aus Marzahn wäre die ganze Sendung nur halb so unterhaltsam. Eine erste Zwischenbilanz.
Der Auftakt von "Promi Big Brother" bestätigte die schlimmsten Erwartungen: Sat 1 und der Produktionsfirma Endemol ist tatsächlich nichts besseres eingefallen, als aus der Realityshow eine Art Dschungelcamp im Container zu machen. Zwölf Promis müssen ohne Kontakt zur Außenwelt und bei karger Kost, die nur durch "Matches", wie die Dschungelprüfungen bei "Big Brother" heißen, etwas aufgebessert werden kann, 14 Tage lang im Big-Brother-Haus ausharren. Das alles unter ständiger Beobachtung durch Kameras, die genüsslich jede Lästerei und jeden Busen- oder Pipi-Blitzer einfangen. Vom Setting abgesehen, ist "Promi Big Brother" tatsächlich ein reiner Abklatsch von "Ich bin ein Star Holt mich hier raus" - bis hin zur Inszenierung. Ein bisschen mehr Einfallsreichtum und ein paar neue Ideen hätte man sich dann doch erhofft, wenn ein großer Sender wie Sat 1 eine große TV-Marke wie "Big Brother" wiederbelebt.

Dass die Kandidaten, die sich zu einem 14-tägigen Zwangsaufenthalt im TV-Knast überreden ließen, den Titel "Promi" nur zu einem kleinen Teil tatsächlich verdienen, war indes zu erwarten. Mit David Hasselhoff ist es Sat 1 immerhin gelungen, einen Weltstar für die Containershow zu verpflichten ansonsten kann man wohl nur Jenny Elvers, und - mit Abstrichen Martin Semmelrogge echten A-Promi-Status zubilligen. Dass mittlerweile aber schon die einmalige Präsenz in einem Reality-Format ausreicht, um sich für eine Show wie "Promi Big Brother" zu qualifizieren, spricht Bände nach sieben Staffeln von "Ich bin ein Star Holt mich hier raus" ist Deutschland ganz offensichtlich selbst in punkto C-Promis weitgehend leergecastet. Für Nachschub sorgen die Sender mit Formaten wie "Catch the Millionaire" mittlerweile der Einfachheit halber selbst.

Der tatsächliche oder vermeintliche Promi-Status der Kandidaten ist für das Geschehen im Dschungel beziehungsweise im Container allerdings zunehmend nebensächlich. Isolation, Nahrungs- und Schlafmangel sowie der unvermeidliche Lagerkoller sorgen früher oder später automatisch für Diskussionen, Konflikte und Allianzen. Das Geschehen eines Tages dann für das Publikum in der Zusammenfassung entsprechend zuzuspitzen, ist die große Herausforderung für die Produktionsfirma. Nach zwei regulären Folgen kann man festhalten, dass sich Endemol zumindest in dieser Hinsicht keine Blöße gibt.

Der heimliche Star von "Promi Big Brother" sitzt allerdings nicht im Container, sondern davor. Cindy aus Marzahn gelingt zumindest teilweise, was Dirk Bach und Sonja Zietlow beim Dschungelcamp von RTL zur Perfektion gebracht haben: Das Geschehen mit ihren Kommentaren auf eine Meta-Ebene zu heben und damit eine ironische Distanz zu dem banalen Alltag im TV-Knast zu schaffen, die das Ganze für den Zuschauer erst erträglich macht. Während Oliver Pocher bei der Auftaktsendung oft nicht mehr einfiel, als das Geschehen mit lauen Witzen und "Sehr gut!" zu kommentieren, bügelte Cindy bei dem teilweise quälend langweiligen Einzug der Kandidaten souverän den einen oder anderen Patzer der Regie und etliche dramaturgische Hänger aus. Auch bei den regulären Sendungen sorgte bislang vor allem die Ulknudel aus Berlin für helle Momente, während Oliver Pocher vergleichsweise blass blieb.

Man darf gespannt sein, ob sich bei "Promi Big Brother" ähnlich wie beim Dschungelcamp Spannung und Zuschauerzahlen in den Maße steigen, je weniger Kandidaten übrig bleiben. Nach einem starken Auftakt am Freitag mit 22,3 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen gingen die Einschaltquoten am Sonntag und Montag auf 15,6 beziehungsweise 12,3 Prozent zurück. Das gleiche Phänomen konnte man in der ersten Woche allerdings auch regelmäßig beim offensichtlichen Vorbild "Ich bin ein Star Holt mich hier raus" beobachten. Von daher kann sich Sat 1 wohl berechtiget Hoffnungen machen, dass die Zuschauerzahlen zum Ende hin noch einmal kräftig anziehen. dh
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