Projekt "Neo" "NZZ" plant Relaunch und denkt über Deutschland-Ableger nach

Montag, 08. September 2014
Finden News bald nur noch hier statt? Die Website der "Neuen Zürcher Zeitung"
Finden News bald nur noch hier statt? Die Website der "Neuen Zürcher Zeitung"
Foto: (Screenshot: NZZ.ch)
Themenseiten zu diesem Artikel:

Neue Zürcher Zeitung NZZ Schweiz


Das publizistische Aushängeschild der Schweiz, die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ), will sich neu erfinden. Die renommierte Tageszeitung arbeitet derzeit an einem Konzept für die digitale Zukunft. Berichte, denen zufolge das Blatt deutlich ausgedünnt werden soll und Nachrichten nur noch im Internet stattfinden, weist der Chef der NZZ-Mediengruppe allerdings zurück.
Das Projekt, mit dem die "Neue Zürcher Zeitung" sich auf die digitale Zukunft einstellen will, trägt den Titel "Neo". Die Pläne seien weitreichend und bereits weit gediehen, berichtet die "Schweiz am Sonntag" unter Berufung auf mehrere Quellen in der Redaktion der "NZZ". So sei geplant, aktuelle Nachrichten mittelfristig nur noch online zu publizieren, während sich die gedruckte Tageszeitung auf Hintergrundberichte konzentrieren soll - "eine Art Best-of aller journalistischen Arbeiten", allerdings bei deutlich ausgedünntem Umfang. Veit Dengler, CEO der NZZ-Mediengruppe bestätigte das Projekt "Neo" gegenüber der "Schweiz am Sonntag": "Das Ziel ist, den Kunden - unabhängig vom Kanal - das zu liefern, was sie wollen. Und wir wissen, dass unsere Kunden auf allen NZZ-Kanälen nach Hintergrund suchen." Spekulationen über eine strikte Aufgabenteilung von Tageszeitung und Website wies er zwar zurück: "Aber es stimmt, dass wir uns intensiv über das Konzept Zeitung den Kopf zerbrechen und einen Relaunch der gedruckten NZZ oder mehr anstreben." Für den Herbst sei eine Marktforschung geplant. Man betrachte "Neo" als offenen Prozess "unter Einbindung der Mitarbeiter".

Die Pläne sorgen bei den Mitarbeitern für Unruhe. Ähnlich wie beim "Spiegel" herrsche in der Redaktion der "NZZ" ein Zweiklassensystem, schreibt die "Schweiz am Sonntag" - die Printredakteure würden ihre Texte nur ungern online publizieren - eher warte man ab, bis sich in der gedruckten Ausgabe noch ein Platz finde.

In der NZZ selbst gab Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod Einblick in die Strategie des Verlags. Diese sieht eine Fokussierung auf das Kerngeschäft vor: Der Verwaltungsrat sei "überzeugt davon", dass man auch in Zeiten des strukturellen Wandels von hochwertigem Journalismus leben könne. "Entsprechend setzen wir alles daran, unsere Wertschöpfung aus dem Kerngeschäft - der Publizistik - auch im digitalen Zeitalter zu sichern." Zugleich machte Jornod klar, dass die Zeit drängt: "Die in wenigen Tagen publizierten neusten Reichweiten-Daten für die gedruckten Zeitungen zeigen in aller Deutlichkeit, dass wir uns bewegen müssen."

Gegenüber dem "Spiegel" sagte CEO Dengler außerdem, dass man in Zürich über einen Deutschland-Ableger nachdenke. 2015 geht die "Neue Zürcher Zeitung" mit einem eigenen Digital-Angebot in Österreich an den Start. dh
Meist gelesen
stats