Themenwoche Toleranz So veralbert das Netz die ARD-Kampagne

Mittwoch, 12. November 2014
Das BR-Magazin "Quer" nimmt die Kampagne zur Themenwoche Toleranz auf die Schippe
Das BR-Magazin "Quer" nimmt die Kampagne zur Themenwoche Toleranz auf die Schippe
Foto: Screenshot Twitter
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Gut gemeint ist nicht gut gemacht: In den sozialen Netzwerken und in klassischen Medien hagelt es derzeit Kritik an der ARD-Themenwoche Toleranz. Viele Kommentatoren stören sich schon am Begriff "Toleranz", vor allem die begleitende Werbekampagne sorgt für Verärgerung. Im Netz werden die umstrittenen Motive bereits durch den Kakao gezogen.
Die Kampagne soll eigentlich zum Nachdenken anregen: Auf den Motiven sind vermeintliche oder tatsächliche "Randgruppen" wie Schwarze, Behinderte, Schwule, aber auch ein schreiendes Kind zu sehen, dazu wird gefragt: "Belastung oder Bereicherung?" oder "Normal oder nicht normal?". Die Motive sollen ganz offensichtlich provozieren, mit solch heftigen Reaktionen dürften die Verantwortlichen aber wohl kaum gerechnet haben. "Okay, nächstes Satire-Projekt: ARD-Themenwoche 'Toleranz'", gehört noch zu den harmloseren Kommentaren bei Twitter.
Auch am Motto der Themenwoche selbst entzündet sich Kritik: "Etwas zu tolerieren heißt erstmal, es abzulehnen, sagt mein Ex-Philosophie-Prof. Knackpunkt der ", twittert ein Nutzer. Immerhin: Die ARD thematisiert die Problematik des Begriffs auf ihrer Website in einem Interview mit einem Rabbiner selbst.

Nicht unbedingt zur Beruhigung der Gemüter dürfte auch ein unglücklicher Ankündigungstext des Hessischen Rundfunks beigetragen haben. Darin heißt es unter anderem: "Ist sich das knutschende schwule Paar in der U-Bahn eigentlich bewusst, wie viel Toleranz es seinen Mitreisenden abverlangt?". Selbst die öffentlich-rechtlichen Kollegen des NDR-Medienmagazins "Zapp" zeigen sich in ihrem Blog verwundert über die Themenwoche und die begleitende Kommunikation.

Für das Netz sind die umstrittenden Plakatmotive natürlich eine willkommende Steilvorlage: Unter anderem Buzzfeed und das satirische "BR"-Magazin "Quer" haben die Motive abgewandelt. Immerhin: Über mangelnde Aufmerksamkeit für ihre Themenwoche kann sich die ARD ganz sicher nicht beschweren. dh


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