Programmbeschwerde Vermeintlicher ZDF-Publikumsrat narrt die Medien

Dienstag, 11. Februar 2014
Das Interview von Markus Lanz mit Sarah Wagenknecht sorgt erneut für Schlagzeilen
Das Interview von Markus Lanz mit Sarah Wagenknecht sorgt erneut für Schlagzeilen


Eigentlich schien sich die Aufregung um das mißglückte Interview von Markus Lanz mit der Linken-Politikerin Sarah Wagenknecht wieder gelegt zu haben. Bis am heutigen Dienstag unter anderem die "Süddeutsche Zeitung" meldete: "Mehr Ärger für Lanz": Der "ZDF-Publikumsrat" habe eine Programmbeschwerde eingereicht und fordere eine Rüge für Lanz. Zahlreiche Medien griffen die Meldung dankbar auf. Allerdings existiert das offiziell klingende Gremium überhaupt nicht.
Hinter dem vermeinlichen ZDF-Publikumsrat verbirgt sich eine Initiative von zwei Frauen, die die Schaffung eines solchen Gremiums bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten fordern. Dieser solle "als unabhängige Interessensvertretung und Mittlerin zwischen Publikum und Rundfunkanstalten" fungieren.

"Wie dieser Publikumsrat genau gestaltet und grundgesetzkonform implementiert werden kann, wie er besetzt und mit welchen Befugnissen er ausgestattet sein müsste, und viele weitere Fragen, sollten in einer öffentlichen Debatte geklärt werden", heißt es auf der Internetseite der Initiative. Mit anderen Worten: Bislang gibt es lediglich eine private Initiative für die Schaffung eines solchen Gremiums sowie eine Website und ein Spendenkonto.

Hinter dem Projekt stehen die Medienpädagogin Sabine Schiffer und die Medienwissenschaftlerin Christine Horz. Diese haben sich in einem Schreiben an den ZDF-Fernsehrat gewandt und sich über das Interview von Markus Lanz mit Sarah Wagenknecht beschwert. Darin heißt es unter anderem, das Gespräch sei "nicht vereinbar mit dem Bildungs- und Informationsauftrag des ZDF" und "reproduzierte darüber hinaus die bestehende Genderungleichheit".

Unterzeichnet ist der Brief von den beiden Initiatorinnen Schiffer und Horz - es handelt sich also um eine private Programmbeschwerde zweier Frauen, die jeder andere Fernsehzuschauer auch an das ZDF richten könnte. Von einem "ZDF-Publikumsrat" ist in dem Schreiben nicht die Rede. Allerdings wurde der Brief im Wortlaut auf der Website der Initiative für einen "Publikumsrat" veröffentlicht. Die offiziell klingende Bezeichnung verleitete offensichtlich mehrere Medien dazu, das Schreiben zu thematisieren. Neben der "Süddeutschen Zeitung" griff auch "Focus Online" die Beschwerde der beiden Frauen auf und fragte: "Wird es jetzt ernst für Markus Lanz?".

Sabine Schiffer, eine der beiden Unterzeichnerinnen des Briefes und Initiatorin des geplanten Publikumsrates ist übrigens kein unbeschriebenes Blatt: Der "Kölner Stadtanzeiger" berichtete vor vier Jahren kritisch über Schiffer und das von ihr geleitete "Institut für Medienverantwortung". Eines der Hauptarbeitsthemen von Schiffer ist die Darstellung des Islam in deutschen Medien. Ein Themengebiet, das auch ihre Mitstreiterin Christine Horz umtreibt: Der Titel ihrer Dissertation lautet: "Offene Kanäle und die TV-Produktionen von MigrantInnen - eine exemplarische Analyse der iranischen NutzerInnen Offener Kanäle in Deutschland." dh
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