Programmbericht Scripted Reality bei Privaten weiter auf dem Vormarsch

Donnerstag, 03. April 2014
RTL setzt am Nachmittag voll auf Scripted Reality
RTL setzt am Nachmittag voll auf Scripted Reality


Keine Trendwende in Sicht: Scripted Reality - also Formate, die wie Dokumentationen anmuten, aber nach Drehbuch gefilmt werden - dominieren das private TV-Programm, Tendenz steigend. Und es bleibt ein Genre, das den werbefinanzierten Kanälen vorbehalten ist. Auf öffentlich-rechtlichen Sendern findet sich die Programmfarbe so gut wie gar nicht. Das ist ein Ergebnis des diese Woche veröffentlichten Programmberichts 2013 der Landesmedienanstalten. "Im Moment kann man eine scharfe Trennung zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Programmen konstatieren, da sich das erste Programm der ARD und das ZDF von diesen neuen Formaten nahezu vollständig fernhalten", schreiben die Autoren. "Möglicherweise stehen wir hier am Anfang einer neuen Divergenz zwischen den beiden Systemen im dualen Fernsehen", so Professor Joachim Trebbe, einer der wissenschaftlichen Leiter der Programmstudie.

Das Genre hatte mit dem Umbau der Nachmittagsschiene auf RTL vor vier Jahren zu einem neuen Höhenflug angesetzt und dem Sender mit Formaten wie "Familien im Brennpunkt" zeitweilig Marktanteile bis zu 30 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen eingebracht. Der Erfolg hatte die Konkurrenz dazu animiert, ebenfalls neue Formate aus dem Genre zu starten.

Das schlägt sich nun deutlich in der Statistik nieder. Reality-TV ist in allen Programmsparten vertreten und macht bei einigen Sendern schon mehr als die Hälfte der Sendezeit in den unterhaltungsorientierten Programmen aus. Bei Vox ("Das perfekte Dinner", "Shopping Queen") und RTL 2 ("Die Geissens", "Berlin Tag & Nacht") gilt dies auch für die so genannte fernsehpublizistische Sparte, die journalistische Berichterstattung im weitesten Sinne beinhaltet. Bei Vox lag der Anteil im Frühjahr 2013 bei 25 Prozent eines durchschnittlichen Sendetags. Bis zum Start der Doku-Soaps dominierten dort Magazine und konventionelle Dokumentationssendungen.

Im fiktionalen Bereich machen Scripted-Reality Formate schon einen großen Teil der Sendezeit von RTL (24 Prozent), Vox (25 Prozent) und Sat 1 (32 Prozent) aus. Die Anteile für das fiktionale Realitätsfernsehen stiegen auch bei Kabel Eins und RTL 2. Die gescripteten Doku-Soaps, Gerichts- und Personal-Help-Shows wurden besonders von Sat 1 ("Im Namen der Gerechtigkeit", "Schicksale"), aber auch von RTL ("Let's dance", "Verdachtsfälle") und Vox, RTL 2 und Kabel Eins ("Rosins Restaurants") in einem größeren Umfang ausgestrahlt. Bei Vox, RTL 2 und Sat 1 ging dies jedoch mit einer generellen Steigerung des fiktionalen Programms einher.

Auch in der nonfiktionalen Unterhaltung haben fast alle privaten Programme die gescripteten Formate ausgeweitet - nur Kabel Eins strahlte 2013 keine Casting- und Eventshows aus. Am deutlichsten zeigen sich diese Trends bei RTL. Der Anteil nonfiktionaler Unterhaltung lag hier bei 14 Prozent eines durchschnittlichen Sendetags (2012:10 Prozent).

Die Frage ist, ob sich der Anstieg der Scripted-Reality-Formate weiter fortsetzen wird. Bei RTL zeigen sich in der Tagesschiene bereits deutliche Ermüdungserscheinungen. Die Formate sind nicht so oft mit guten Quoten wiederholbar wie zum Beispiel Serien und machen die Sender zudem austauschbarer, weil sich die Sendungen im Einzelnen häufig nur schwer unterscheiden lassen.

Scripted Reality hatte einen Boom nach dem Krisenjahr 2009 erlebt, in dem viele Sender versuchten, teurere Programme durch die häufig günstig zu produzierenden Scripted Reality Formate zu ersetzen. Das löste eine andauernde Diskussion um die Programmqualität aus.
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