Produzent Nico Hofmann "Ein totales Nischenprogramm kann sich hier niemand leisten"

Dienstag, 11. November 2014
UFA-Fiction-Chef Nico Hofmann
UFA-Fiction-Chef Nico Hofmann
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Brechen auch in Deutschland für das Fernsehen goldene Zeiten an? Nico Hofmann, Chef der Produktionsfirma UFA Fiction zeigt sich im Interview mit Stern.de optimistisch, dass der Boom US-amerikanischer Serien auch in Deutschland neue Erzählformen anstoßen kann. Zugleich warnt er vor überzogenen Erwartungen an deutsche Produktionen.
Der Erfolg amerikanischer Serien wie "Breaking Bad" oder "House of Cards" bei deutschen Zuschauern habe auch bei deutschen Sendern Begehrlichkeiten geweckt, so die Beobachtung von Hofmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von UFA Fiction. Viele Sender würden sich jetzt trauen, auch mal ins Risiko zu gehen und neue Erzählformen auszuprobieren. "Ich bin überzeugt, dass die besten Zeiten noch vor uns liegen. Wir stehen ja noch relativ am Anfang", so Hofmann. UFA Fiction produziert für RTL gerade "Deutschland", eine deutsch-deutsche Spionageserie, die zur Zeit des Kalten Krieges spielt. Ähnlich wie in den hochgelobten US-Serien von Anbietern wie HBO oder Netflix gebe es keine abgeschlossenen Episoden, die einzelnen Folgen seien nur in der Gesamtschau zu verstehen. Dennoch glaubt Hofmann, dass man damit den Massenmarkt bedienen könne, obwohl "Deutschland" nicht so leicht zu konsumieren sei wie eine Vorabendserie. "Aber klar: Es ist ein Experiment mit offenem Ausgang."

Allzu weit könne man sich in Deutschland allerdings nicht von tradierten und damit gelernten Erzählformen entfernen: "Je radikaler ich eine Geschichte erzähle, desto kleiner wird die Anzahl der Menschen, die ich damit erreiche. Amerikanische Sender wie der Pay-TV-Kanal HBO oder der Streamingdienst Netflix können sich diese Radikalität leisten, weil der englischsprachige Markt riesig ist." Dort reiche es, wenn man nur ein paar Prozent der Zuschauer erreicht, um profitabel und erfolgreich zu sein. In Deutschland sei das aufgrund des limitierten Marktes nicht möglich: "Ein totales Nischenprogramm kann sich hier niemand leisten."

Nach dem Boom der Filme und Serien über die DDR und die Zeit des Nationalsozialismus will sich Hofmann nun verstärkt Stoffen aus der jüngeren deutschen Geschichte zuwenden: "Es gibt einen gewaltigen erzählerischen Schatz, der noch nicht gehoben ist: Das Deutschland in der Nachwendezeit." Diese Geschichten hätten eine Relevanz, die bis in die Gegenwart hineinreicht. dh
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