Product Placement Sat 1 siegt in letzter Instanz

Mittwoch, 23. Juli 2014
Die Live-Schaltungen in das "Hasseröder Männer-Camp" waren zulässig (c) Hasseröder
Die Live-Schaltungen in das "Hasseröder Männer-Camp" waren zulässig (c) Hasseröder

Produktplatzierungen bleiben legal. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat heute in einem Grundsatzurteil Sat 1 Recht gegeben. Der Sender hatte gegen die Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) geklagt, die eine 2011 gesendete Produktplatzierung als Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag gewertet hatte. Konkret ging es um zwei Liveschaltungen in das "Hasseröder Männer-Camp" während des UEFA-Europe-League-Finales im Mai 2011. "Die Herausstellung eines Produktes ist nicht bereits deshalb zu stark, weil ein hiermit verfolgter Werbezweck sich als solcher erkennbar im Sendungsgeschehen abbildet", stellen die Richter klar. "Zu stark ist sie erst dann, wenn der Werbezweck das Sendungsgeschehen dominiert, das heißt der redaktionelle Geschehensablauf ihm gegenüber in den Hintergrund rückt."

Im Hasseröder Männer-Camp wurde Reiner Calmund als Fußballexperte interviewt, neben ihm waren vier Männer zu sehen, die durch ein Gewinnspiel ausgewählt worden waren, ein Wochenende in dem Camp zu verbringen. Die Männer trugen jeweils Sweatshirts mit den Aufdrucken der Brauerei. Während der ersten Liveschaltungen standen sie an einem Tisch mit gefüllten Biergläsern und einem gebrandeten Eiskübel. Während der zweiten Schaltung stand eine Flasche vor Calmund. In den 50 Sekunden bezeihungsweise 1:17 Minuten langen Schaltungen wurde der Name Hasseröder drei- beziehungsweise zweimal erwähnt.

Aus Sicht der LMK war dies zuviel - sie beanstandete einen Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag. Auch das Oberverwaltungsgericht Koblenz bestätigte die Sichtweise der LMK. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig prüfte die Haltung nun in der Revision. Entscheidend sei, ob der für ein Placement aufgenommene Handlungsstrang hinreichend starke Bezüge zum redaktionellen Sendungskonzept aufweise und so noch in das übrige Sendegeschehen passe, so die Haltung des Gerichts. Im vorliegenden Fall seien die Liveschaltungen im Rahmen des rundfunkrechtlich Zulässigen gewesen.

Das Urteil hat Grundsatzcharakter. Produkplatzierungen sind in Deutschland erst seit 2010 erlaubt und das auch nur in einem engen rechtlichen Rahmen. So sind Placements im Umfeld von Kindersendungen und Nachrichten weiterhin verboten, auch dürfen sie nicht zu werblich sein. Öffentlich-Rechtliche Sender dürfen grundsätzlich keine Placements ausstrahlen. pap
Meist gelesen
stats