Print-MA Überregionale Zeitungen und aktuelle Wochenmagazine gewinnen Leser

Mittwoch, 27. Juli 2016
Zeitschriften erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit
Zeitschriften erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit
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Licht und Schatten bei den Zeitschriften und Zeitungen: Nach den aktuellen Zahlen der Media-Analyse Pressemedien konnten vor allem die journalistischen Flaggschiffe - die großen Wochenmagazine und überregionale Tageszeitungen - Leser hinzugewinnen. Es gibt aber auch zahlreiche Verlierer.

Zeitschriften

Bei den Zeitschriften können in der neuen MA 2016 II vor allem aktuelle Nachrichten- und Peoplemagazine hohe Reichweitengewinne verbuchen – möglicherweise steigt angesichts der unruhigen Weltlage bei vielen Menschen das Bedürfnis, die Flut der Ticker-News durch Hintergrundberichte zu vertiefen oder durch Ablenkung zu verarbeiten. Nicht immer korrelieren die Reichweitengewinne mit der Auflagenentwicklung – doch dieses Phänomen ist altbekannt, und es gibt auch zahlreiche Erklärungen dafür (HORIZONT 29/2014).

Die reichweitenstärksten Zeitschriften

MA 2016 IMA 2016 IIVeränderung in Mio.
Der Spiegel5,866,440,58
Gala2,763,190,43
Bunte3,513,920,41
Stern6,526,830,31
Focus4,014,280,27
Bild am Sonntag8,398,500,10
Die Zeit1,621,710,09
OK!0,610,680,07
InTouch1,041,080,04
Welt am Sonntag0,910,930,02
View0,770,790,02
Super Illu2,462,460,01
In0,690,690,00
Closer0,590,58-0,01
Grazia0,370,35-0,01
Reader's Digest1,081,02-0,06
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung0,770,67-0,09
Quelle: Agma (Reichweite in Mio.)

So kann sich der "Spiegel" über die absolut höchsten Zuwächse freuen: Das Magazin gewinnt gegenüber der MA 2016 I rund 580.000 neue Leser hinzu und erreicht nun 6,4 Millionen Deutsche über 14 Jahren. Auch bei "Gala" (plus 430.000 Leser auf 3,2 Millionen), "Bunte" (plus 410.000 auf 3,9 Millionen), "Stern" (plus 310.000 auf 6,8 Millionen) und "Focus" (plus 270.000 auf 4,3 Millionen) können ein paar Korken knallen. Und über den Kummer wegen der Reichweitenverluste von "Bild" - mehr dazu siehe weiter unten - kann sich Axel Springer mit deutlichen Zugewinnen bei "Sport Bild" (plus 410.000 auf 4,5 Millionen) und "Auto Bild" (plus 290.000 auf 3,4 Millionen) trösten. Das Ranking der größeren Zeitschriften (über 1 Prozent Reichweite) mit den höchsten relativen Zugewinnen führen „Gala“ und „Essen & Trinken“ an – jeweils mit einem Plus von 15 Prozent. Es folgen „Guter Rat“ (plus 14 Prozent), „Gong“ (plus 13 Prozent), „National Geographic“, „11 Freunde“ und „Computer Bild Spiele“ mit je 12 Prozent Zuwachs sowie „Bunte“ und „Frau im Spiegel“ (je 11 Prozent Plus).

Die absolut größten Reichweitenverluste erleiden – analog zu denen ihrer regionalen Trägerzeitungen – die TV-Supplements "RTV" (minus 210.000 auf 9,9 Millionen) und "Prisma" (minus 200.000 auf 6 Millionen). Auch das Mitgliederblatt "ADAC Motorwelt" verliert massig Leser (210.000) – was angesichts der Riesenreichweite von nun immer noch14,9 Millionen nur 2 Prozent ausmacht. Deutlicher ins Kontor schlagen die Leserverluste bei "TV Pur" (minus 160.000 auf 1,3 Millionen), "Eltern" (minus 130.000 auf 800.000), "TV Movie" (minus 120.000 auf 4,9 Millionen) und "Computer Bild" (minus 110.000 auf 2,7 Millionen).

Das Ranking der größeren Zeitschriften (über 1 Prozent Reichweite) mit den höchsten relativen Verlusten führt „Eltern“ an – mit einem Minus von 15 Prozent. Es folgen „TV Klar“ (minus 12 Prozent), „Lisa Kochen & Backen“, „TV Pur“ und „Wunderwelt Wissen“ (je minus 11 Prozent) sowie „Joy“ (minus 8 Prozent), „Vogue“ (7 Prozent) und „Playboy“ (6 Prozent).

Zeitungen

Bei den Tageszeitungen gibt es ebenfalls Licht und Schatten: Die überregionalen Tageszeitungen konnten ihre Leserzahlen im Vergleich zum Vorjahr mehrheitlich ausbauen oder stabil halten. "Die Welt" von Axel Springer, in der IVW einer der großen Verlierer, gewinnt laut MA 30.000 Leser und kommt damit auf eine Reichweite von 700.000 Lesern. Auch die "Frankfurter Allgemeine" kann leicht auf nun 690.000 Leser zulegen (+10.000 Leser), die linksalternative "taz" gewinnt ebenfalls 10.000 Leser und kommt damit nun auf 210.000 Leser.

Die reichweitenstärksten Zeitungen

MA 2016 IMA 2016 IIVeränderung in Mio.
Bild Deutschland Gesamt10,369,96-0,39
Funke Medien NRW1,761,65-0,11
Süddeutsche Zeitung1,121,130,00
Zeitungsgruppe Thüringen0,750,750,00
Die Welt Gesamt0,670,700,03
Frankfurter Allgemeine Zeitung0,680,690,01
Hamburger Abendblatt Gesamtausgabe0,540,53-0,01
Express0,480,43-0,05
Handelsblatt0,420,38-0,03
B.Z.0,390,38-0,01
Braunschweiger Zeitung0,400,34-0,06
Hamburger Morgenpost0,270,270,00
Berliner Kurier0,280,25-0,03
Berliner Morgenpost0,240,240,00
die tageszeitung0,200,210,01
tz0,220,18-0,04
Morgenpost für Sachsen0,190,17-0,02
Quelle: Agma (Reichweite in Mio.)

Die "Süddeutsche Zeitung" erreicht 1,13 Millionen Leser und hält ihre Reichweite damit stabil. Die reichweitenstärkste deutsche Tageszeitung ist und bleibt die "Bild", deren Reichweite allerdings auf unter 10 Millionen Leser sinkt: Bei einem Verlust von 390.000 Lesern erreicht die Zeitung noch 9,96 Millionen Leser. Auch das "Handelsblatt" liegt mit 30.000 Lesern im Minus und kommt nun auf 380.000 Leser. Im Sonntagsmarkt muss die "FAS" mit 13 Prozent deutlich Federn lassen; die Frankfurter verlieren 90.000 Leser und erreichen nur noch 670.000 kluge Köpfe. Vergleichsweise stabil bleiben "Bild am Sonntag" (plus 1 Prozent auf 8,5 Millionen Leser) und "Welt am Sonntag" (plus 2 Prozent auf 930.000 Leser).

Bei den regionalen Tageszeitungen dominieren dagegen die roten Zahlen: Die Tageszeitungen der Funke Mediengruppe in Nordrhein Westfalen (u.a. "WAZ") verlieren 110.000 Leser, auch das "Hamburger Abendblatt", die "Berliner Zeitung", die "Stuttgarter Zeitung" oder der Kölner "Express" verzeichnen Verluste. Insgesamt sinkt die Reichweite aller von der Agma erfassten Zeitungen im Vergleich zum Vorjahr um rund 1 Million Leser auf 41,2 Millionen. Damit nutzen immer noch 59,2 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren täglich Zeitungen.

"Die leicht sinkenden, aber nach wie vor hohen Leistungswerte bestätigen die Tageszeitung als etabliert verlässlichen Werbeträger", sagt Gerhard Müller, Vorstand Tageszeitungen der Agma zu den Ergebnissen. "Besonders erfreulich hierbei sind die leichten Leserzuwächse der überregionalen Abozeitungen, die zu dieser Stabilität beitragen." rp/dh
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