Print-MA Jeder Deutsche liest im Schnitt acht Zeitschriften

Mittwoch, 22. Juli 2015
Die Deutschen lesen laut MA fleißig Zeitschriften, die meistgelesene Gattung ist dabei nach wie vor die Programmpresse
Die Deutschen lesen laut MA fleißig Zeitschriften, die meistgelesene Gattung ist dabei nach wie vor die Programmpresse
Foto: HORIZONT
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Zeitschrift Deutschland Magazinleser Volkzählungsdaten


Verzwickte Vergleiche: 62,3 Millionen Menschen über 14 Jahren in Deutschland lesen laut der an diesem Mittwoch veröffentlichten Media-Analyse (MA) Zeitschriften – die vorherige MA hatte noch 64,4 Millionen Magazinleser ausgewiesen. Bei den Tageszeitungen nennt die neue MA 42,3 Millionen Leser, zuvor waren es 44,6 Millionen.

Doch Obacht: Da die aktuelle MA auf neuen Volkzählungsdaten beruht, kann niemand sagen, ob diese und alle anderen Veränderungen der ausgewiesenen Reichweiten gerade auch auf Gattungs- und Titelebene im Markt entstanden sind (nur dann könnte man von Leserverlusten oder -zugewinnen sprechen) oder schlicht durch die Bereinigung der statistischen Grundlage. Oder beides, gleich- oder gegenläufig. Klare Gewinner und Verlierer gibt es aber trotzdem.

MA Print: Die größten Magazine

Quelle: AGMA (Angaben in Millionen Leser)
Hintergrund: Die neuen MA 2015 Pressemedien II (Zeitschriften) und MA 2015 Tageszeitungen beruhen erstmals auf den Daten der Volkszählung 2011. Danach gehören der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren über 1,28 Millionen Menschen weniger an als bislang angenommen. Und die Differenzen variieren stark nach Regionen, Altersgruppen und Bildung. So leben deutlich weniger Leute als bisher unterstellt in Metropolen wie Hamburg (Bereinigung um 68.000 Einwohner) und Berlin (140.000) sowie in Ostdeutschland, in der bevölkerungsreichsten Gruppe der 40- bis 49-Jährigen „fehlen“ 740.000 Menschen, während es mehr 50- bis 59-Jährige gibt als gedacht. Und: In Deutschland leben mehr Abiturienten (und weniger Leute mit Hauptschulabschluss) sowie mehr Frauen als bislang angenommen.

MA Print: Die größten Zeitungen

Quelle: Angaben in Millionen Lesern (AGMA)
Dies alles muss man im Hinterkopf haben, wenn man sich die Magazine anschaut, die in der neuen Studie deutlich mehr Leser ausweisen als vor einem Jahr in der MA 2014 Pressemedien II, vor allem „Bild der Frau“ (Differenz: 540.000), „Living at Home“ (180.000) und „Elle“ (130.000). Oder deutlich weniger Leser ausweisen als zuvor, vor allem „ADAC Motorwelt“ (Differenz: minus 930.000), „RTV“ (640.000), „Neue Post“ (600.000) und „Bild am Sonntag“ (580.000). Die Tageszeitungen in Hamburg und Berlin dagegen weisen im bedachten Vergleich zum Vorjahr dagegen kleinere Reichweitendifferenzen aus, der „Berliner Kurier“ sogar gut 10.000 Leser mehr. Die übrigen Differenzen sind zwar negativ, bleiben aber allesamt im fünfstelligen Bereich, so etwa bei der „Hamburger Morgenpost“ (70.000), bei der „Berliner Morgenpost“ (50.000), bei der „B.Z.“ (40.000) und beim „Hamburger Abendblatt“ (20.000). Ohne Einschränkungen kann man sich dagegen die Reichweitenveränderungen allein auf Prozentbasis anschauen. Bei den Zeitschriften heißt der größte Gewinner „Living at Home“: Der Titel erreicht in der neuen MA nun 0,7 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung über 14 Jahren, das sind fast 0,3 Prozentpunkte oder 61 Prozent mehr als in der Vorjahres-MA 2014 Pressemedien II. Auch „Bravo Girl“ (plus 34 Prozent) und „Elle“ (plus 27 Prozent) legen massiv zu, bei den Zeitungen kann allein der „Berliner Kurier“ seinen Anteil leicht ausweiten, um 7 Prozent.

Die größten Zeitschriften-Verlierer auf dieser Anteilsbasis sind „Essen & Trinken für jeden Tag“, dessen Reichweite von 0,8 auf 0,4 Prozent sank (minus 53 Prozent), „Das Neue“ (minus 42 Prozent) und „Kochen & Genießen“ (minus 39 Prozent). Bei den Zeitungen erreichen vor allem die „Hamburger Morgenpost“ (minus 20 Prozent) anteilig weniger Leser der statistischen Gesamtbevölkerung, auch „Berliner Morgenpost“ (minus 15 Prozent), „TAZ“ (minus 14 Prozent), „Süddeutsche Zeitung“ (11), „Handelsblatt“ (10), „FAZ“ (9) und „Bild“ (7) lassen Federn.

Unterm Strich lesen 90 Prozent der über 14-Jährigen Publikumszeitschriften; jeder von ihnen nutzt laut MA im Durchschnitt acht Titel. Die meisten Zeitschriften lesen Frauen (9,1 unterschiedliche Titel), die Zielgruppe 40 bis 49 Jahre (8,7) und Akademiker (8,6 Titel), teilt die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (Agma) mit.

Die meistgelesene Gattung ist nach wie vor die Programmpresse, deren 18 ausgewiesenen Titel eine Gesamtreichweite von 58,4 Prozent erreichen. Die 17 aktuellen Zeitschriften erreichen 43,2 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung. Die Motorpresse (zehn Titel) kommt auf 28,3 Prozent Reichweite, fast ebenso viele Menschen lesen die 32 wöchentlichen Frauenzeitschriften (27 Prozent). Regionale Abozeitungen werden täglich von der Hälfte der Bevölkerung gelesen (49,7 Prozent Reichweite), Kaufzeitungen von 16,9 Prozent und überregionale Tageszeitungen von 4,2 Prozent der über 14-Jährigen. rp

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