Presseschau zu "Wetten, dass ..?" Der stabilisierte Showmaster

Montag, 07. Oktober 2013
Markus Lanz arbeitet sich vor, urteilt der "Tagesspiegel" (Foto: ZDF/Sascha Baumann)
Markus Lanz arbeitet sich vor, urteilt der "Tagesspiegel" (Foto: ZDF/Sascha Baumann)


Am Samstag kehrte "Wetten, dass ..?" aus der Sommerpause zurück. Nach der katastrophalen Resonanz auf die Sommerausgabe bemühte sich das ZDF mit einer Rolle rückwärts um Schadensbegrenzung: Elemente wie die ungebliebte "Lanz-Challenge" flogen wieder aus der Sendung, Moderator Markus Lanz gab sich zu Beginn der Show reuig: Die Beziehung von "Wetten, dass ...?" und dem Publikum sei wie eine 30-jährige Ehe: "Da kracht es auch schon mal."
Der Neustart ist indes nur teilweise gelungen: Die Einschaltquote schrammte wohl auch wegen des parallel von RTL übertragenen Boxkampfs von Wladimir Klitschko nur knapp an dem Tiefstwert der Mallorca-Ausgabe vorbei, das Presseecho fiel gemischt aus. Immerhin: "Lanz arbeitet sich vor", resümiert der "Tagesspiegel".

Peer Schader, FAZ.NET

"Es gehört zu den größten Talenten des derzeitigen "Wetten dass..?"-Moderators, von Sendungen, die er noch gar nicht zu Ende moderiert hat, schon zu wissen, dass sie großartig waren. Dieses Urteil dem Publikum zu überlassen, wäre vermutlich unnötig altmodisch. Das wäre eventuell zu dem Schluss gekommen, dass es vor allem eine Show geworden ist, die unglaublich lange Anlauf nehmen musste, um unter Beweis zu stellen, wie sehr ihr die Puste ausgegangen ist. (...) Markus Lanz spielt bei "Wetten dass..?" bloß "Markus Lanz" mit Wettunterbrechung. Das ist eine der größten Schwierigkeiten, in denen die Show derzeit steckt. Und nicht, ob zwischendrin mal ein bisschen RTL-Personal auf der Couch rumsitzt."

Matthias Kohlmaier, Süddeutsche.de

"Garniert mit dem Schwiegermama-Liebling Schweighöfer, der die Schwangerschaftsgerüchte um seine Freundin bestätigte und Helene Fischer, die sowieso jeder ganz toll findet, bleibt der Eindruck: "Wetten, dass..?" ist thematisch gesehen so etwas wie die TV-gewordene "Bild der Frau". Nur ohne Kreuzworträtsel. (...) Für Lanz scheint das in Ordnung zu sein. Zumindest sagt er gefühlt alle paar Minuten "Alles gut", "Ein großer Spaß" oder "Ich bin gespannt". Dass er einen Draht zum Publikum hat, ein Gespür für den richtigen Moment, für die kleinen Pointen, kann er dabei nicht vermitteln."

Jan Zier, Stern.de

"Dass die Zuschauer den konservativen Weg zurück zum soliden, altbewährten Konzept durchaus goutierten, zeigte die letzte der regulären Wetten. Es war eine, wie sie, ja, klassischer kaum sein könnte: Ein Straßenwalzenfahrer, dessen Gefährt dank der Kommandos seiner Tochter Bierflaschen öffnen kann. Die haben nicht nur die Wette gewonnen. Sondern sind auch Wettsieger geworden, mit großem Abstand. Na dann: Kann ja aus der alten Liebe des Samstagabend-Fernsehens doch wieder was werden."

Stephan Knieps, Handelsblatt.com

"In der Sommerpause hatte man die Show ein bisschen renoviert; Programmdirektor Norbert Himmler hatte angekündigt, "einiges verbessern" zu wollen. Lanz selbst hatte vor ein paar Tagen gesagt, in Bremen wieder "ein sehr klassisches "Wetten, dass..?" machen zu wollen. Das, immerhin, war kein schlechter Vorsatz: Diese "Wetten, dass..?"-Sendung war besser als die vorherige. Es gab deutlich weniger peinliche Momente und wenig Fremdscham. Es gab routinierte Wetten, eine davon, mit einem Tablet, kann man gar als sehr modern bezeichnen. Es gab Hollywood-Stars, einen guten Song (von John Newman) und einen netten Musical-Ausschnitt aus Rocky. Man ging auf Nummer sicher. Das bedeutete aber leider auch: Es gab wenig Witz. Denn das Unterlassen von gröbsten Fehlern macht allein noch keine gute Show."

Joachim Huber, Tagesspiegel.de

"Lanz hat nicht die Spannweite eines Gottschalk, also wird die Spielshow zur Talkshow zur Spieltalkshow. Das ist schon eine erstaunliche Reduktion und doch vielleicht die Formel, wie "Wetten, das...?" und Markus Lanz zusammenpassen könnten. (...) Die 207. Ausgabe muss nicht in die Annalen von "Wetten, dass..?" eingehen. Sie ist, immerhin, das Ende eines missglückten Experiments und vielleicht der Auftakt eines geglückten. Show und Showmaster fremdeln nicht mehr. So klassisch "Wetten, dass..?" ist, so sehr braucht es einen Moderator von Klasse. Lanz arbeitet sich vor."
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