Presseschau So berichten die Medien über das TV-Duell

Montag, 02. September 2013
Weder Merkel noch Steinbrück konnten das TV-Duell eindeutig für sich entscheiden (Bild: ARD)
Weder Merkel noch Steinbrück konnten das TV-Duell eindeutig für sich entscheiden (Bild: ARD)


Das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Peer Steinbrück ist heute natürlich auch das Thema Nummer 1 bei den Medien. Der Auftritt von Stefan Raab ist einigen Kommentatoren dabei fast genauso viele Worte wert wie die Performance der beiden Spitzenkandidaten. HORIZONT.NET zeigt ausgewählte Pressestimmen vom heutigen Montag sowie ausgewählte Tweets von Medienschaffenden.

Andreas Thewalt auf Bild.de

"Ausgerechnet Raab, ab dessen Fähigkeiten zur Moderation einer politischen Sendung viele vorher massiv gezweifelt hatte, zeigte sich bestens aufgelegt. Raab grätschte dazwischen, nervte damit anfangs die Kanzlerin, ließ sich aber nicht beirren, zeigte sich schlagfertig, witzig und auf den Punkt. Er zeigte, dass er auch das politische Format beherrscht, teilweise sogar weit besser als die arrivierten Talkshow-Größen und Nachrichtenprofis der anderen beteiligten Sender. Keine Frage: Raab war die Überraschung des Abends und klarer Sieger im Moderatoren-Quartett!

Stefan Kuzmany auf Spiegel Online

"Zwar ist es nett, wenn Journalisten mit frechen Fragen glänzen. Und streckenweise sogar lustig, Stefan Raab in einer ungewohnten Rolle zu sehen. Doch ein TV-Duell soll nicht nett und lustig sein. Es kann für die Zuschauer nur einen einzigen Zweck haben: Es soll ihnen helfen, sich zu entscheiden, wen sie wählen wollen. Für eine Entscheidung jedoch müssen ihnen klare, gegensätzliche Positionen präsentiert werden. Das nun wieder zum Einsatz gekommene TV-Format hilft dabei nicht. Es verhindert Klarheit."

Roland Tichy auf Twitter

Jasper von Altenbockum auf faz.net

"Selbst im Fernsehen konnte deshalb nicht werden, was nicht ist. Nicht einmal vier Moderatoren konnten daran etwas ändern, die sich schon vor der Sendung so ins Zeug gelegt hatten, als ginge es darum, einer von ihnen wolle eines Tages noch Kanzler werden. Sie hüpften von Thema zu Thema Europa, Leiharbeit, Altersarmut, Strompreis, NSA, Syrien und bei allem hatte man am Ende den Eindruck: vergeblich. Angela Merkel und Peer Steinbrück sind einfach nicht dazu geschaffen, aufeinander loszugehen. Das macht sie beide sympathisch. Aber Frau Merkel hat mehr davon."

Detlef Esslinger auf sueddeutsche.de

"Beide Duellanten haben gezeigt, dass man ihnen ein Land anvertrauen kann. Peer Steinbrücks objektives Handicap sind weniger die Umfragen als die Regel, dass in der Demokratie ein neuer Regierungschef nicht erwählt, sondern ein alter abgewählt wird. Zur Abwahl hat Angela Merkel auch am Sonntag kaum Anlass gegeben. Wenn die nächste Umfrage kommt, wird interessant sein, wie groß nun die Gruppe der Unentschlossenen noch ist."

Marc Brost auf Twitter

Brost, Hauptstatdbüroleiter der "Zeit", kommentiert seinerseits die heutige Presseberichterstattung:

Hans Hütt auf taz.de

Die Bundeskanzlerin überzieht alles, was einen Unterschied ausmachen könnte, mit einem Firnis unbestimmtester Gemeinsamkeit. Stefan Raabs erste Frage zielte genau darauf: Ob denn, wenn sie den Wahlomat gebraucht, am Ende auch CDU rauskommt. Bei Merkel kann nur CDU rauskommen, weil sie in den entleerten Programmkörper ihrer Partei alle guten Ideen der Konkurrenz hineingepackt hat, aber erst, nachdem sie ihnen die Zähne gezogen hat.

Bernd Ziesemer auf Twitter

Torsten Krauel auf Welt Online

"Angela Merkel ließ, wenn sie ihren Herausforderer musterte, so etwas wie finstere Spottwilligkeit im Gesicht aufscheinen. Aber sie ist die bekannte Kanzlerin. Ihre Mimik kann man in ihr Handeln einordnen. Beim Neuling Steinbrück ist das nicht so. Merkel setzte sich nachdrücklich gegen Zwischenfragen durch. Das ist immer gut. Ihr kam das "Wir in Deutschland" schnell über die Lippen, und sie nutzte das auch für eine Volte gegen Steinbrück, der in einer großen Koalition nicht mitmachen will: Erst das Land, dann die Partei, dann die Person bitte."
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