Presserat Rügen für "Welt" und "Bild"

Donnerstag, 05. Juni 2014
Das Selbstkontroll-Organ der Presse hat vier Rügen erteilt
Das Selbstkontroll-Organ der Presse hat vier Rügen erteilt
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Presserat Pressekodex Axel Springer Verbrechen Eifel


Der Presserat hat wegen schwerer Verstöße gegen den Pressekodex vier öffentliche Rügen ausgesprochen. Alle betreffen Medien von Axel Springer: Drei Mal traf es die "Bild" beziehungsweise Bild.de, eine Rüge kassierte Welt Online. Das Online-Portal der Tageszeitung hatte ausführlich über den Suizid einer weitgehend unbekannten Nachwuchssportlerin berichtet. In zwei Artikeln wurden ausführlich persönliche Details wie die psychische Erkrankung der Betroffenen geschildert. Der Presserat sieht darin einen schweren Verstoß gegen Ziffer 8 des Pressekodex, der den Schutz der Persönlichkeit regelt. Darin wird bei Selbsttötungen mit Blick auf mögliche Nachahmer besondere Zurückhaltung verlangt.

Drei Rügen wurden gegen die "Bild" ausgesprochen: Die Abbildung eines ermordeten zwölfjährigen Mädchens verstieß klar gegen Richtlinie 8.2, der die Berichterstattung über Opfer von Verbrechen regelt. Diese genießen laut Pressekodex besonderen Schutz. Das Argument der Redaktion, die Familie habe das Bild des Mädchens in Form einer Todesanzeige in einer Lokalzeitung selbst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, ließ der zuständige Besschwerdeausschuss nicht gelten. Aus einer Todesanzeige in einem anderen Medium, die sich an einen kleineren Personenkreis richtet, lasse sich nicht auf eine grundsätzliche Einwilligung zu einer identifizierenden Abbildung schließen.

Die beiden weiteren Rügen bekamen "Bild" und Bild.de ebenfalls für ihre Berichterstattung über ein Gewaltverbrechen. Im Zusammenhang mit einem Tötungsdelikt in der Eifel hatte die Redaktion unter der Überschrift "Patensohn schlägt liebe Oma tot" identifizierend und vorverurteilend über über einen Tatverdächtigen berichtet, der sich aber kurze Zeit später aus unschuldig erwies. Damit verstieß die "Bild" gegen Richtline 13.1 des Pressekodex, die eine klare sprachliche Unterscheidung zwischen Verdacht und erwiesener Schuld verlangt. Zudem wurde der Verdächtige unzureichend anonymisiert. Insgesamt sprach der Presserat bei seiner jüngsten Sitzung vier öffentliche Rügen, 13 Missbilligungen und 6 Hinweise aus. dh
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