Presidential Debate Medien sehen Clinton als Siegerin im TV-Duell mit Trump

Dienstag, 27. September 2016
Die "Washington Post" hat das TV-Duell von Trump und Clinton in einem dreiminütigen Video zusammengefasst
Die "Washington Post" hat das TV-Duell von Trump und Clinton in einem dreiminütigen Video zusammengefasst
Foto: washingtonpost.com

Das mit Spannung erwartete erste Aufeinandertreffen der beiden US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump vor TV-Kameras ist über die Bühne - und glaubt man den Medien, hatte das TV-Duell eine klare Siegerin.
Von Spiegel Online über die "Süddeutsche" bis hin zur "Zeit" lautet das Urteil der Beobachter eindeutig: Clinton hat Trump in diesem Duell besiegt. Sie war besser vorbereitet, wirkte cooler und konfrontierte ihren Kontrahenten mehrfach mit seinen unpassenden Aussagen aus der Vergangenheit, etwa zum Thema Frauen. Ihre eigenen Schwächen - Stichwort E-Mail-Affäre - kamen hingegen kaum vor, was in allererster Linie der seltsam harmlosen Art des ansonsten so angriffslustigen Donald Trump zuzuschreiben sein dürfte. Auch US-Medien kommen zum selben Schluss wie ihre Kollegen in Deutschland: Clinton machte eindeutig die bessere Figur. "Clinton traf ihn, wo es wehtat, und Trumps rüpelhafte Reaktion brachte ihr den Sieg", schreibt etwa Glenn Thrush auf Politico.com. Michael Barbaro und Matt Flegenheimer von der "New York Times" lassen in ihrer Analyse ebenfalls keinen Zweifel daran, dass Clinton sich wesentlich besser verkaufen konnte als Trump. "Clinton schien langsam aber sicher zu lernen, wie sie Trump konfrontieren und unterwerfen konnte, während Millionen Amerikaner zusahen", schreiben sie.

Für Josh Barro von "Business Insider" sprechen fünf Punkte dafür, das Clinton die Debatte gewonnen hat, mehr dazu hier. Die "Washington Post" listet derweil Gewinner und Verlierer der Presidential Debate auf - Clinton taucht dabei unter den Siegern auf.

Natürlich hängt die Enschätzung auch vom Standpunkt des jeweiligen Mediums ab. Charles Krauthammer etwa, Kommentator bei dem stramm konservativen Nachrichtensender Fox, registriert keinen Gewinner in der Debatte - sondern ein Unentschieden.

Lesen Sie hier ausgewählte Kommentare deutscher Medien:

Veit Medick und Marc Pitzke, Spiegel Online

"Hillary Clinton geht als Siegerin aus dieser Debatte hervor. Sie punktet mit detaillierter Sachkenntnis, bleibt ruhig und konstant, zeigt sich zugleich humorvoll und - ja, das ist bei ihr bemerkenswert - "menschlich": Wärme wie Härte, ein gut inszenierter Spagat."

Johannes Kuhn, Süddeutsche Zeitung

"Theoretisch dürfte Hillary Clinton 41 Tage vor der Wahl dem nächsten Aufeinandertreffen gelassen entgegensehen. Doch ihr Rivale hat dem Kommentariat in den vergangenen Monaten wiederholt eine Lektion erteilt: Mediale Wahrnehmung und die Wirkung auf die Wähler sind zwei unterschiedliche Dinge. Und Kompetenz, professionelles Auftreten und eine optimistische Botschaft sind in diesem Wahlkampf keine Garantie dafür, am Ende ins Weiße Haus einziehen zu dürfen."

Clemens Wergin, WeltN24

"Selten war ein Schlagabtausch im amerikanischen Fernsehen so aggressiv. Das lag vor allem an Trump, der Clinton ständig unterbrach und in lange, mäandernde Selbstrechtfertigungsdiskurse verfiel. Nach allen gängigen Kriterien hat trotzdem Clinton dieses Duell klar gewonnen."

Klaus-Dieter Frankenberger, FAZ

"Nach der Vorstellung in der Nacht zum Dienstag war es die ehemalige Senatorin und frühere Außenministerin, die den besseren Eindruck machte, die sich beherrscht und doch resolut gab. Sie erbrachte den Nachweis, dass Erfahrung und Kenntnisreichtum trotz aller Verleumdungen doch nicht die schlechtesten Voraussetzungen sein müssen für das wichtigste Amt im Staate Amerika. Während Trump mit ständig erhobenem Zeigefinger einem Neoisolationismus dem Wort redete und seine Taten als Unternehmer pries, wirkte Clinton durchaus präsidentiell."

Paul Middelhoff, Die Zeit

"Der Auftritt des republikanischen Präsidentschaftskandidaten während der ersten TV-Debatte des Wahlkampfs erschrickt: Zwar war klar, dass Trump der Ex-Außenministerin Clinton inhaltlich nicht gewachsen ist und auch über weniger Debattenerfahrung verfügt als die Demokratin. Doch dass der zuletzt so siegessichere Immobilientycoon im Angesicht seiner Rivalin in diesem Maße in sich zusammenfallen würde, hat wohl kaum jemand erwartet. Trump hat die Debatte verloren – und das deutlich."

Heiko Roloff, Bild

"Schon kurz nach Ende der 90 Minuten langen Diskussion waren sich Amerikas Nachrichtensender einig: Hillary Clinton ist die Gewinnerin des Abends. Die Demokratin hat das Momentum gestoppt, das in den vergangenen Wochen auf der Seite ihres republikanischen Gegners war. Im TV-Duell gelang es ihr, Trump immer wieder zu provozieren."
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