Prefetching Facebook umgarnt Werbekunden mit besseren Ladezeiten

Freitag, 02. September 2016
Nutzer haben auf Facebook seit kurzem auch mehr Kontrolle über Werbeanzeigen
Nutzer haben auf Facebook seit kurzem auch mehr Kontrolle über Werbeanzeigen
Foto: Facebook

Viele Nutzer kennen das Problem: Man klickt auf dem Smartphone eine Website an  - und weil der Ladevorgang viel zu lange braucht, verlässt man die Seite wieder, ohne den Inhalt gesehen zu haben. Facebook will jetzt Unternehmen zur Seite springen, die ihre Websites noch nicht für Mobile optimiert haben. Das Zauberwort ist: Prefetching.
Facebook führt eine neue Lösung zur Optimierung der Ladezeiten von mobilen Webseiten von Werbetreibenden ein. Das teilte der Konzern in einem Blogbeitrag mit. Verbessert werden sollen dadurch nicht nur das Nutzererlebnis der Menschen, sondern vor allem auch die Ergebnisse der Unternehmen. Denn: Die Werbungtreibenden haben mit hohen Abbruchraten zu kämpfen. Über 40 Prozent der Seitenbesucher brechen den Ladevorgang nach drei Sekunden ab, also noch bevor überhaupt ein Visit registriert werden kann. Bei langsamen Verbindungen kann es allerdings acht bis 14 Sekunden dauern, bis eine mobile Seite geladen wurde, was bei Werbungtreibenden zu verpassten Chancen führt. "Das ist vor allem schlecht für Mess-Systeme, die versuchen zu ermitteln, was Nutzer anklicken, schauen oder kaufen", sagt Greg Stuart, CEO Mobile Marketing Association bei Facebook.
Facebooks Lösung heißt "Prefetching for Ads". Damit ist Folgendes gemeint: Das Social Network ruft Informationen von Websites, die im Newsstream der Facebook-Nutzer beworben werden, im Hintergrund auf, also noch bevor ein Nutzer die Werbung anklickt und damit die Seite aufruft. Das soll die mobile Ladezeit um 29 Prozent bzw. 8,5 Sekunden beschleunigen. Damit verbessere sich das Nutzungserlebnis um ein Vielfaches, heißt es. Laut "Wall Street Journal" soll dieses Verfahren bei Publisher-Inhalten bereits angewendet worden sein. Nun soll dies auf die Advertiser ausgeweitet werden.
Björn Tantau Facelift 2015
Bild: Facelift

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Der Werbungtreibende muss beim Prefetching selbst nicht aktiv werden. Bei jeder Mobile-Ad im News-Feed versucht Facebook selbst vorherzusagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Person auf die Werbeanzeige klickt. Wenn das Ergebnis der Vorhersage die Anforderungen erfüllt und die Werbeanzeige zum ersten Mal auf einem Bildschirm erscheint, führt der Konzern auf der ersten HTML-Seite ein Prefetching durch. Diese Inhalte werden dann auf dem Gerät des Nutzers lokal für kurze Zeit zwischengespeichert. Wenn die Person schließlich auf die Werbeanzeige klickt, lädt Facebook die erste Seite aus dem Zwischenspeicher.

Facebook versucht bereits seit Längerem, den Nutzern längere Ladezeiten zu ersparen und die Performance von Werbungtreibenden zu verbessern. Mit dem Werbeprodukt Canva beispielsweise haben Advertiser die Möglichkeit, Werbe-Inhalte direkt in dem sozialen Netzwerk zu veröffentlichen. Die gleiche Strategie verfolgt der Konzern auf Publisher-Seite mit den schneller ladenden Instant Articles. Google, einer der größten Wettbewerber, handelt bei seinem Programm "Accelerated Mobile Pages" (ein Format für mobile Websites) ähnlich. Zudem integriert die Alphabet-Tochter die Ladezeiten der Websites in sein Suchmaschinen-Ranking und will die Publisher und Advertisier so dazu anhalten, ihre Seiten für Mobile zu optimieren. ron 

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