Spiegel Online Geschäftsführerin Katharina Borchert verlässt das Unternehmen

Montag, 12. Oktober 2015
Katharina Borchert kehrt Spiegel Online den Rücken
Katharina Borchert kehrt Spiegel Online den Rücken
Foto: Spiegel Gruppe

Abschied von der Ericusspitze: Katharina Borchert, seit über fünf Jahren Geschäftsführerin von Spiegel Online, verlässt nach Informationen von HORIZONT Online das Unternehmen zum Jahresende. Es ist der dritte Abgang auf der Führungsetage des Hamburger Hauses in kürzerer Zeit.

Eine "Spiegel"-Sprecherin bestätigt dies auf Anfrage. Borchert werde den Verlag danach als Mitglied eines noch zu gründenden "Digital Advisory Board" beraten. Angeblich wechselt sie zu einem anderen Unternehmen ins Ausland, offenbar ins Silicon Valley.



Nachtrag: Borchert wird im Januar 2016 Chief Innovation Officer beim Firefox-Betreiber Mozilla; hier gehörte sie seit 2014 dem Board of Directors an.

Der damalige "Spiegel"-Verlagsleiter Fried von Bismarck hatte Borchert, bis dato Chefin des Funke-Zeitungsportals DerWesten.de, im April 2010 zu Spiegel Online geholt. Nach dem Abschied von Bismarcks im Juni 2011 wurde Matthias Schmolz der für Spiegel Online zuständige Verlagsleiter und Borcherts Co-Kapitän beim Portal. Nach Schmolz‘ Ausscheiden wiederum übernahm kürzlich Jesper Doub diese Position.

Und nun kommt Borchert dem "Spiegel" abhanden, wohl mangels weiterer Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten im Haus. Kaum bestritten ist, dass die 43-Jährige in der digitalen Welt exzellent vernetzt ist, sich umtriebig auf internationalem Parkett bewegt, als Vordenkerin bei Online-journalistischen Themen einiges zu sagen hat sowie als Trendscout eine breite Perspektive und einen weiten Vorausblick pflegt. Manche im Verlag monieren indes, dass davon für Spiegel Online unterm Strich eher wenig herausgesprungen sei.

Wie das? An dieser Frage scheiden sich im Haus abermals die Geister. Weil von Borchert zu wenige Impulse kamen oder sie diese zu unentschlossen verfolgte? Oder doch eher, weil die Strukturen beim "Spiegel" und Ex-Verlagsleiter Schmolz einige Projekte ausgebremst haben? Weil Borcherts langjähriges Pendant auf Redaktionsseite Mathias Müller von Blumencron (bis 2013 Chefredakteur von Spiegel Online/"Spiegel") etliche ihrer Ideen für sich reklamiert hatte? Weil unter dessen Nachfolger Wolfgang Büchner 2014 Blockade durch Chaos herrschte? Oder weil der "Spiegel" ein Problem hat mit selbstbewussten Führungsfrauen?

Borcherts Stelle besetzt "Spiegel"-Boss Thomas Hass zunächst offenbar nicht nach; Multi-Verlagsleiter Jesper Doub wird wohl also alleiniger SpOn-Geschäftsführer. Damit wird die Chefetage der Gruppe abermals kleiner, wie schon bei den Abgängen der Ex-Verlagsleiter Schmolz und Rolf-Dieter Schulz, deren Aufgaben auf die internen Aufsteiger Doub und Michael Plasse verteilt wurden – wohl auch, um angesichts des anstehenden 15-Millionen-Euro-Sparprogramms mit wohl etlichen Stellenstreichungen zu signalisieren, dass auch die Führungsetage verschlankt wird. Borchert wurde bei dieser Beförderungsrunde nicht bedacht.

Die 43-Jährige begann ihre Karriere mit einem Jura- und Journalistik-Studium an den Unis in Hamburg und Lausanne. Seit Mitte der 1990er Jahre schrieb sie über Internetthemen unter anderem für die "FAZ", "C'T" und "Welt am Sonntag". In den frühen 2000er-Jahren erlangte Borchert zudem mit ihrem Blog Lyssas Lounge größere Bekanntheit in der Internetszene. rp

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