Politikberater Michael Spreng "Medien sind für Politiker Abspielkanäle"

Mittwoch, 04. Juni 2014
Michael Spreng war einer der Gastredner auf dem Radio Advertising Summit
Michael Spreng war einer der Gastredner auf dem Radio Advertising Summit


Kurz nach der Europawahl äußert sich auch ein erfahrener Kommunikationsprofi zur Wahl: Michael Spreng. Der Macher von Gerhard Schröders "Kampa" hält einfache Botschaften für entscheidend im Wahlkampf. "Deshalb gibt es zwei klare Gewinner: SPD und AfD", sagte er auf dem Radio Advertising Summit in Düsseldorf, der Nachfolgeveranstaltung für den Radio Day. "Die Wähler wollen klare Botschaften. Die Politik ist schon verwirrend genug", sagte er vor rund 500 Zuhörern. Die SPD habe mit "Martin Schulz. Aus Deutschland. Für Europa" deutlich einen Spitzenkandidaten benannt, die CDU nominierte daraufhin ebenfalls, plakatierte aber Merkel. "Die Botschaft war unklar", analysiert er. Die AfD hingegen habe sich klar gegen Europa, den Euro und für Deutschland ausgesprochen, was den Wählern ebenfalls aus der Seele gesprochen habe.

Um Botschaften zu transportieren, spiele jedoch weniger die Werbung als vielmehr die Kommunikation in den Massenmedien eine Rolle. "Die Medien sind für Politiker die Abspielkanäle ihrer Botschaft", sagt er. Den "großen Gong" schlügen dabei heute Glotze, Internet und "Bild" in Analogie zum Schröder-Spruch, er brauchen zum Regieren nur ",Bild , ,BamS und Glotze". Mit dem Fernsehen würden die Themen in die Masse getragen. TV, aber auch Radio, seien authentischer als die Printmedien, "aber auch gefährlicher", weil die Botschaften nicht mehr korrigiert werden könnten.

Zunehmend würden Politiker jedoch versuchen, die Deutungshoheit über sich selbst zu behalten, beispielsweise in dem sie Videobotschaften verbreiten, die dann von den Medien willig aufgenommen werden würden. "Solche Botschaften sollten aber nicht ungefiltert verbreitet werden", so Spreng.

Für die Zukunft sieht er eine größere Verantwortung für TV und Radio. Print sei durch die Krise geschwächt, weil es immer weniger Journalisten gibt, die um mehr Aufmerksamkeit kämpfen und daher oft zur Skandalisierung neigten, statt sorgfältig Themen zu recherchieren. "Rundfunk und Fernsehen müssen ausgleichen, was bei Print verloren geht. Auch durch mehr investigativen Journalismus". pap
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