"Plattes Abkupfern" „Manager Magazin“ wirft Schweizer „Bilanz“ Kopie vor

Montag, 09. November 2015
Die Ähnlichkeit ist nicht zu leugnen: Links die neue Schweizer "Bilanz", rechts das "Manager Magazin"
Die Ähnlichkeit ist nicht zu leugnen: Links die neue Schweizer "Bilanz", rechts das "Manager Magazin"
Foto: Roland Pimpl

Wer hat’s erfunden? Die Schweizer – oder doch eher die Hamburger? In der Hansestadt, in der Redaktion des "Manager Magazins", regt man sich mächtig auf über die Kollegen des Schweizer Wirtschaftsblatts "Bilanz" (Axel Springer): Die "MM"-Macher sehen im jüngsten Relaunch der Schweiz-"Bilanz" eine glatte Kopie ihres Heftes, das sie ihrerseits erst im Februar umgebaut hatten. Pikant: Angeblich hatte "Bilanz"-Chefredakteur Dirk Schütz die "MM"-Redaktion jüngst besucht, um sich zu informieren.

Was ist dran an den Vorwürfen? Nun, es gibt – vor allem auf den Nachrichten- und Rubrikseiten – tatsächlich ein paar auffällige Parallelen: die ähnliche Schmuckfarbe Blau, ähnliche Typographie samt Textmarken, ähnlicher Umgang mit Linien und Balken, ähnliches Infografik-System. Außerdem scheinen einige der neuen Schweizer "Bilanz"-Rubriken und deren Bezeichnungen durchaus vom "Manager Magazin" inspiriert zu sein.

Anruf bei Steffen Klusmann, dem "MM"-Chefredakteur. Was ist da los? Ja, Schütz habe ihn "vor ein paar Monaten besucht, weil er unser neues Layout so gelungen fand und wissen wollte, wie wir den Redesign-Prozess aufgesetzt haben", so Klusmann: "Ein nettes, kollegiales Gespräch." Als er jetzt die neue "Bilanz" gesehen habe, sei er doch "ziemlich baff" gewesen. Klusmann: "Dass die Kollegen aus der Schweiz praktisch eine Farbkopie von ,MM‘ machen, fand ich doch bemerkenswert – das kennt man ja sonst eigentlich nur aus China." Der "Bilanz"-Artdirector habe "beim Kopieren jedenfalls in auffallend vielen Details sehr exakt gearbeitet".
Blick ins Innere der beiden Titel: Typographie, Textmarken und Farbgebung weisen auffällige Parallelen auf (oben "Manager Magazin")
Blick ins Innere der beiden Titel: Typographie, Textmarken und Farbgebung weisen auffällige Parallelen auf (oben "Manager Magazin") (Bild: Roland Pimpl)
Noch etwas mehr auf der Zinne ist Johannes Erler. Der frühere "Stern"-AD hatte mit seiner Agentur Erler Skibbe Tönsmann das neue "MM"-Layout (AD: Judith Mohr) entwickelt. "Wir behalten uns geeignete rechtliche Schritte vor", sagt Erler auf Anfrage. Er sieht "offensichtliche Ähnlichkeiten sowohl im Überblick als auch in kleinsten Details – so ein plattes Abkupfern habe ich persönlich noch nicht erlebt". Mindestens aus berufsethischer Sicht sei das Verhalten der Schweizer Kollegen "nicht zu entschuldigen und schon gar nicht witzig". Dafür stecke in der Entwicklung zu viel Arbeit.

"Bilanz"-Chefredakteur Dirk Schütz bestreitet die Vorwürfe. "Die Gesamtansicht des Heftes belegt eindeutig: Es handelt sich nicht um eine Kopie", erklärt Schütz auf Anfrage. Mit ausgewählten Seiten ließen sich schnell einzelne Parallelen zu anderen Publikationen suggerieren, das sei bei vielen Relaunches so. Doch ein Vergleich der neuen Ausgabe mit dem bisherigen Heft zeige, "dass es sich um eine Weiterentwicklung handelt". Die optische Grundausrichtung, die Blattstruktur und inhaltlichen Schwerpunkte seien in zentralen Punkten bestehen geblieben. Natürlich habe man sich von mehreren anderen Titeln inspirieren lassen, das sei bei einem derartigen Prozess normal. Viele der neuen Elemente fänden sich in verschiedenen Magazinen. Aber: "Wir haben das neue Design eigenständig entwickelt."
„So ein plattes Abkupfern habe ich persönlich noch nicht erlebt.“
Johannes Erler
Wohlgemerkt: Die Rede ist von der 14-täglichen Schweizer "Bilanz", während die deutsche Ausgabe, die vor allem als Beilage der "Welt" monatlich erscheint, geradezu damit kokettiert, den Platzhirschen "MM" eben nicht nachzuahmen. Eine Feststellung, die gerade den beiden hiesigen "Bilanz"-Machern schon aus Gründen der Abgrenzung und Eitelkeit wichtig ist: Herausgeber Arno Balzer war bis Sommer 2013 Chefredakteur des "MM" und dort im Umfrieden gegangen; "Bilanz"-Chefredakteur Klaus Boldt war bis Ende 2013 Redakteur dort. rp

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