Pilotenstreik bei Lufthansa Das sagen die Medien

Mittwoch, 02. April 2014
Die Lufthansa muss den schwersten Streik ihrer Geschichte überstehen (Bild: Unternehmen)
Die Lufthansa muss den schwersten Streik ihrer Geschichte überstehen (Bild: Unternehmen)


Dieser Streik trifft die Lufthansa ins Mark: Weil die Piloten der Kranich-Airline für drei Tage die Arbeit niederlegen, um so für den Erhalt ihrer Übergangsversorgung vor der Rente und höhere Löhne zu demonstrieren, werden knapp 4000 Flüge gestrichen, und fast eine halbe Million Fluggäste guckt in die Röhre. Die Medien beschäftigen sich derweil mit der Frage, in welchem Verhältnis der Streik und seine Folgen stehen und wie berechtigt die Forderungen der Piloten sind. HORIZONT.NET zeigt ausgewählte Pressestimmen zum Lufthansa-Streik:

Holger Steltzner, Faz.net

Der Pilotenstreik der Lufthansa ist so unverhältnismäßig, dass sich die Frage stellt, ob die Tarifvertragsfreiheit noch zu Recht über allem steht und nicht irgendwann auch im Streikrecht die Grenze zum Missbrauch überschritten wird. (...) Die Piloten wollen von der Lufthansa weiterhin ein Übergangsgeld in Höhe von bis zu 60 Prozent des letzten Bruttogehalts. Mit den Folgen der Alterung der Gesellschaft soll doch der Rest des Landes alleine kämpfen und länger arbeiten.

David Böcking, Spiegel Online

Selbstverständlich haben Piloten genauso das Recht zu streiken wie andere Berufsgruppen. Niemand kann Verhältnisse wie bei Golf-Airlines aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wollen, wo Arbeitskämpfe gesetzlich verboten sind. Und dass die Vereinigung Cockpit (VC) bei der Altersversorgung eine Spaltung zwischen jungen Berufseinsteigern und Altgedienten verhindern will, ist prinzipiell ein legitimes Anliegen. Nur bringt es wenig, allein auf seine Rechte pochen, wenn sich drumherum die Welt verändert. Zu dieser veränderten Welt gehört der steile Aufstieg der Golf-Airlines, den auch die nun oft zur Hilfe gerufene Politik nicht verhindern kann.

Jürgen Röder, Handelsblatt Online

Um eines klarzustellen: Ich bin nicht dafür, dass die Lufthansa dem Streik aus dem Weg geht und die Forderungen der Piloten übernimmt. Die deutsche Fluggesellschaft steht im internationalen Wettbewerb und muss konkurrenzfähig bleiben. Doch ich hätte von der Lufthansa eine gewisse Kulanz gegenüber den Kunden erwartet. Für mich bleibt natürlich eine Unsicherheit: Was passiert, wenn die Lufthansa-Piloten auch über Ostern streiken? Vermutlich muss ich dann in Schanghai für 350 Euro pro Person einen neuen Heimflug suchen.

Rolf Obertreis, Badische Zeitung

Die Lufthansa gilt als eine der sichersten, wenn nicht als sicherste Fluggesellschaft der Welt. Das ist in dieser Branche das entscheidende Kriterium. Dafür werden die Flugkapitäne zu Recht gut bezahlt. Und sie genießen eine Übergangsversorgung, die sich von anderen Branchen deutlich abhebt. Aber kann dies angesichts des verschärften Wettbewerbs beibehalten werden? Kann die Lufthansa einem jungen Piloten, der gerade begonnen hat, zusagen, dass er in 30 oder 35 Jahren, wenn er mit 55 oder 58 vorzeitig ausscheidet, sicher mit einer Übergangsversorgung rechnen darf? Diese liegt bei bis zu 60 Prozent seines letzten Gehaltes. Ein verantwortlicher Lufthansa-Vorstand kann solch weitreichende finanzielle Zusagen schwerlich einhalten. Er würde seiner Verantwortung für das Unternehmen und für alle Beschäftigte kaum gerecht.

Henrik Böhme, Deutsche Welle

Die Kosten müssen zumindest ansatzweise konkurrenzfähig bleiben, wenn man auch in Zukunft noch mitspielen will. Was also ist angesichts des enormen finanziellen Drucks so verkehrt am Vorschlag der Lufthansa, die Altersvorsorge schrittweise zu flexibilisieren? Bei den jetzigen Piloten bleibt alles, wie es ist, bei den jüngeren nimmt man bestimmte Einschnitte vor, die Berufsanfänger müssen künftig selbst fürs Alter vorsorgen. So wie die Mehrheit der Deutschen übrigens auch. Der Anlass für diesen beispiellosen Streik der Lufthansa-Piloten ist also der Streit um die Übergangsrenten. Da gerät fast in Vergessenheit, dass natürlich auch eine Lohnforderung auf dem Tisch liegt. Die Gewerkschaft verlangt ein Plus von sage und schreibe zehn Prozent. Noch Fragen?

Eva Völpel, taz Online

Oft ergibt es Sinn, dass Piloten früher als andere aus dem Beruf ausscheiden. In solchen Fällen muss für eine Rente gesorgt sein und die Piloten verteidigen, dass diese nicht einseitig zu ihren Lasten gekürzt wird. Das ist ihr gutes Recht, auch wenn es schwer fallen mag, damit überschwänglich zu sympathisieren.
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