Peter "Bulo" Böhling "Die Kandidatur ist mein voller Ernst. Ich will Präsident des VDZ werden."

Montag, 21. August 2017
Peter "Bulo" Böhling ist offizieller Kandidat für die VDZ-Präsidentschaftswahl
Peter "Bulo" Böhling ist offizieller Kandidat für die VDZ-Präsidentschaftswahl
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Peter "Bulo" Böhling will VDZ-Präsident werden. Was man für PR in eigener Sache halten könnte, ist dem Herausgeber des Branchenmagazins "Clap" aber durchaus ernst. "Im Jahr 2017 ist es mal wieder Zeit für eine wirkliche Wahl. Und dazu gehört meines Erachtens, dass mindestens zwei Kandidaten zur Auswahl stehen", betont Bulo im Gespräch mit HORIZONT. 
Nachdem die Nominierung des scheidenden VDZ-Präsidenten Stephan Holthoff-Pförtner im vergangenen Jahr bei einigen Verlagen für Verstimmung gesorgt hatte, will Bulo zumindest für ein bisschen Spannung bei der Wahl des neuen VDZ-Präsidenten am 5. November sorgen. In den kommenden Wochen will er immer wieder auf sich und seine Ideen aufmerksam machen und den Delegierten vermitteln: "Ihr habt eine Wahl, wenn hier nicht wieder aus irgendwelchen politischen Gründen jemand installiert werden soll."  Dass er als Außenseiter in die Abstimmung geht, ist ihm bewusst: "Müsste ich wetten, hätte ich wahrscheinlich bessere Chancen, wenn ich nicht auf mich setze. Aber: Die Branche insgesamt und der VDZ als Schnittstelle zur Politik stehen vor großen Herausforderungen", so Bulo. "Es kommt nicht darauf an, wie groß der Verlag des Kandidaten ist, sondern mit welchen Ideen und Überzeugungen man diesen begegnet."

"So, wer will außer der Julia und dem Paul-Bernhard noch? Ahhh, der Bulo ..."

Bulo, Sie sind Karikaturist, Herausgeber, Magazinmacher und seit kurzem auch Bewegtbildproduzent und Filmmöglichmacher. Jetzt wollen Sie auch noch VDZ-Präsident werden. Ist Ihre Kandidatur wirklich ernst gemeint? 
Nach 20 Jahren Hubert Burda und dem kurzen Gastspiel von Stephan Holthoff-Pförtner wäre es angebracht, dass mal ein kleiner Verlag den VDZ anführt. Solange Burda Präsident war, gab es doch genaugenommen keine Wahl. Und die skurrile Installation von Holthoff-Pförtner im vergangenen Jahr hat ja durchaus Wellen geschlagen und zu großer Unzufriedenheit geführt – auch bei einigen großen Verlagen. Im Jahr 2017 ist es also mal wieder Zeit für eine wirkliche Wahl. Und dazu gehört meines Erachtens, dass mindestens zwei Kandidaten zur Auswahl stehen. Wie bei der Wahl zum Klassensprecher eben: "So, wer will außer der Julia und dem Paul-Bernhard noch? Ahhh, der Bulo ...". Insofern: Ja, die Kandidatur ist mein voller Ernst, und ich will Präsident des VDZ werden!

Wie hat denn der VDZ auf Ihre Kandidatur reagiert? 
Ich bin zunächst ja ganz brav auf meinen bayerischen Landesverband VZB zugegangen. Die waren so wie Sie etwas überrascht. Als ich der Geschäftsführung gegenüber aber mein Vorhaben bestätigte, hieß es, man werde meinen Namen den bayerischen Delegierten vorschlagen, die diesen dann mit nach Berlin in die Abstimmung nehmen. Kurze Zeit später dann plötzlich die dringliche Bitte: Ich möge mich doch direkt an den VDZ wenden. Der wiederum ließ zuerst einmal knapp verlauten, die Landesverbände befassten sich mit allen Fragen der Präsidentschaft. Und als ich dann hartnäckig und intensiv nachfragte, wie denn nun mein Name auf die Kandidatenliste komme, wurde mir bestätigt: Meine Kandidatur liegt vor und wird der Delegiertenversammlung zur Abstimmung vorgelegt. 

Das heißt, der VDZ wusste im ersten Moment offensichtlich gar nicht mit einer Kandidatur von außen umzugehen?
Ja, den Eindruck hatte ich. Hammer, oder? Das ist doch genau der Punkt: Ich dachte eigentlich auch, dass man mir schnell und problemlos sagen kann, wie der reguläre Weg ist, sich aufstellen zu lassen. Dass die endgültige Antwort dann eine Woche auf sich warten ließ, zeigt doch, dass es offensichtlich gar nicht üblich ist, dass tatsächlich mehrere Kandidaten im klassischen Sinn zur Wahl stehen. Umso mehr wird es Zeit, dass sich ein Klein(st)verleger mal für mehr Transparenz im VDZ einsetzt. 

„Der VDZ wollte meine Werbemillionen nicht haben, so dass ich gezwungen war, die Kohle anders zu verplanen. “
Peter "Bulo" Böhling
Sind Sie denn ordentliches Mitglied? 
Ich bin Mitglied im VZB, dem Verband der Zeitschriftenverlage in Bayern, und zahle dort als Clap-Herausgeber vermutlich den geringst möglichen Beitrag überhaupt. Aber das darf ja keine Rolle spielen. Zumindest ist mir nicht bekannt, dass man laut Satzung nur VDZ-Präsident werden kann, wenn der eigene Verlag mindestens 100.000 Euro Beitrag im Jahr abdrückt. 

Gab es Reaktionen auf Ihre Kandidatur? 
Die spannendsten bisher kamen aus den sozialen Medien, also per Twitter und Facebook. Da ich feststelle, dass die meisten Delegierten des VDZ dort aber nicht aktiv sind, werde ich wohl doch noch eine Kampagne in ausgesuchten Qualitätsmedien schalten müssen, um die (eine!) Dame und Herren von #BuloForPresident zu überzeugen. Bereits gebucht sind Banner auf Wize.life, bei den Prinzessinnenreportern, Clap oder den Ruhrbaronen. Dazu sollen noch der eine oder andere Blogger und der Schwimmverein meines jüngsten Sohnes kommen. Der VDZ übrigens wollte meine Werbemillionen nicht haben, so dass ich gezwungen war, die Kohle anders zu verplanen. 

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Das hängt von der Beweglichkeit der Delegierten ab. Ich bin natürlich Realist. Müsste ich wetten, hätte ich wahrscheinlich bessere Chancen, wenn ich nicht auf mich setze. Aber: Die Branche insgesamt und der VDZ als Schnittstelle zur Politik stehen vor großen Herausforderungen. Es kommt nicht darauf an, wie groß der Verlag des Kandidaten ist, sondern mit welchen Ideen und Überzeugungen man diesen begegnet. Meine Gedanken dazu habe ich ja bereits formuliert und in einem Fünf-Punkte-Programm öffentlich gemacht. Von den zwei anderen Kallendaten, deren Namen gerade in der Branche herumjäkeln, habe ich übrigens noch kein Statement gelesen. Für mich wäre es schon ein Erfolg, wenn nur ein Delegierter für mich stimmt. Dann hätten alle gewonnen, weil eine Diskussion ins Laufen gekommen wäre. Nichts ist schlimmer, als alles immer nur kritiklos hinzunehmen. 

Es geht Ihnen also in erster Linie darum, mit Ihrer Kandidatur verkrustete Strukturen aufzubrechen und den VDZ wachzurütteln?
Das können Sie mir genau so in den Mund legen! Der Verband vertritt die Interessen von Hunderten Mitgliedsverlagen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die alle damit einverstanden sind, dass scheinbar alles hinter verschlossenen Türen und zwischen einer Handvoll großer Verlage ausgekungelt wird. Von meinen Kontakten zu anderen Verlagen weiß ich, dass die sich durchaus mehr Mitspracherechte wünschen. Und dafür würde ich mich einsetzen. Dazu kommt noch ein weiterer Punkt: Wenn du spät zu Veranstaltungen von Verlegerverbänden kommst und in der letzten Reihe Platz nehmen musst, schaust du auf lauter ergraute Hinterköpfe – und zwar überwiegend von Männern. Das muss sich ändern! Ich will da mindestens zur Hälfte Frauen sehen, ob ergraut oder nicht. Momentan ist der Verband doch eine ziemliche Altherrenriege. 

Wie sieht der Fahrplan für die kommenden Wochen bis zu Wahl am 5. November aus? 
Ich will in den kommenden Wochen immer wieder auf den Außenseiter-Kandidaten Bulo aufmerksam machen. Der VDZ-Präsident wird ja nicht von allen Mitgliedern gewählt, sondern gerade einmal von knapp 15 Delegierten. Die muss ich mit meinen Gedanken und Ideen erreichen. Und da wird es noch spannende Aktionen geben, zum Beispiel "Die Super Wahlkampftorte". Ich will durchaus mit einem Augenzwinkern auf mich aufmerksam machen aber dabei verdeutlichen: Ihr habt eine Wahl, wenn hier nicht wieder aus irgendwelchen politischen Gründen jemand installiert werden soll. Außerdem kann ich so gewollt komisch gar nicht sein, wie die Holthoff-Pförtner-Kiste ungewollt absurd war. 

„Wenn du spät zu Veranstaltungen von Verlegerverbänden kommst und in der letzten Reihe Platz nehmen musst, schaust du auf lauter ergraute Hinterköpfe – und zwar überwiegend von Männern. Das muss sich ändern! “
Peter "Bulo" Böhling
Wofür würde Peter Bulo Böhling als VDZ-Präsident stehen? 
Ich würde gern die Bereitschaft für packende Inhalte fördern. Wir brauchen in den Redaktionen wieder mehr Blattmacher und Besessene, die mit Leidenschaft Geschichten erzählen können und weniger Controller und Manager auf Zeit. Wenn die Publisher es nicht schaffen, mit ihren Produkten vom Leser oder User wieder gewollt zu werden, müssen wir in Brüssel auch nicht mehr über irgendwelche Konditionen und Mehrwertsteuersätze verhandeln. Absolut notwendig dabei: ein furchtloser Umgang bei der Gestaltung von digitalen und gedruckten Magazinen. Und: mehr Trans-Tellerrand-Teamwork mit anderen Medienverbänden. Lasst uns offener sein für Anregungen von außerhalb des Verbands – egal ob von Kreativen, Diven oder Unternehmern! So können alle voneinander lernen, ihre Netzwerke erweitern und mehr Spaß haben. Außerdem lässt sich so die Zukunft für bestehende Verlage und den Nachwuchs ökonomisch besser absichern.
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