Periscope Warum Schalke 04 auf Twitters Livestreaming-App setzt

Donnerstag, 02. April 2015
Auf Twitter kündigte Schalke das Interview mit Ralf Fährmann an
Auf Twitter kündigte Schalke das Interview mit Ralf Fährmann an
Foto: Schalke04/Screenshot Twitter

Schalke 04 experimentiert als erster Fußball-Bundesligist mit der Livestreaming-App Periscope: Heute übertrug der Verein ein Video-Interview mit Torhüter Ralf Fährmann, morgen soll die Pressekonferenz zum Spiel gegen Augsburg folgen. Gegenüber HORIZONT Online erklärt Tobias Schmidt, Leiter Club Media bei den "Knappen", welche Idee dahinter steckt.
Periscope versetzt die Nutzer in die Lage, Live-Videos direkt per Smartphone aufzunehmen, in Echtzeit auf Twitter zu teilen und sich auch mit den Zuschauern auszutauschen. Nach Ende der Übertragung kann das Video gespeichert werden. Zudem ist ein erneutes Abspielen via Periscope bis zu 24 Stunden nach der ersten Übertragung möglich. Twitter hatte Periscope im März 2015 übernommen - und damit den steilen Aufstieg von Meerkat gebremst. Die App erlangte im Zuge des SXSW-Festivals große Beliebtheit. Allerdings wurde ihr schon zuvor der Zugang zu wichtigen Twitter-Informationen gekappt. Hintergrund dürfte seinerzeit gewesen sein, dass der 140-Zeichen-Dienst die Periscope-Übernahme klar gemacht hatte und den Konkurrenten auf diese Weise ein wenig in die Schranken weisen wollte. Während Videos für die Nutzer sozialer Medien beinahe schon zum Standard gehören, werden eigene Bewegtbild-Inhalte auch für Marken und Medien immer attraktiver. Facebook etwa ist mit Liverail bereits groß in die Bewegtbildvermarktung eingestiegen, und auch Twitter bietet Werbungtreibenden inzwischen eine Video-Funktion an.

Dass sich Livestreaming für Sportvereine gut eignet, liegt quasi auf der Hand: Sie verfügen über einige der attraktivsten Medieninhalte, die es gibt. Sky, ARD und Co. zahlen jedes Jahr Millionen, um diese im TV und online zeigen zu dürfen. Doch die Clubs verfügen noch über weitere Inhalte, die sie auf ihren eigenen Kanälen streuen, um so die Kommunikation mit den Fans zu erhöhen und Sponsoren eine zusätzliche Abspielfläche zu bieten. Schalke 04 etwa nutzt neben Facebook und Twitter auch Instagram, Youtube und Google Plus. "Unser Anspruch ist, Vorreiter in Sachen Social Media zu sein und die Augen nach Innovationen offen zu halten. Wir wollen dort sein, wo sich die Fans ohnehin über uns austauschen. Warum dann nicht gleich mit ihnen?", sagt Tobias Schmidt, Leiter Club Media bei Schalke 04.

Nun kommt Periscope hinzu. Der Grund ist relativ simpel: Fußball ist ein Live-Sport. "Mit allen Online-Kanälen verfolgen wir das Ziel, unseren Fans Mehrwerte zu bieten. Und die schafft man am besten durch Nähe, Emotionalität und unverfälschte Live-Erlebnisse. Dafür ist Periscope besonders gut geeignet", erklärt Schmidt. Bei Fußball und Live-Erlebnis denkt man natürlich automatisch an die Spiele in der Bundesliga oder der Champions League. Doch die Erlebniswelt eines Fußball-Vereins beschränkt sich nicht nur auf die 90 Minuten auf dem Platz. "Bundesliga-Spiele finden meistens nur am Wochenende statt, bei uns passiert aber täglich etwas. Das wollen wir mit dem Einsatz von Echtzeit-Medien abbilden", so Schmidt.

Das Video-Interview mit Ralf Fährmann und die Pressekonferenz am Karfreitag, die ab 13.30 Uhr in voller Länge gestreamt werden soll, dürften erst der Anfang sein. Schmidt jedenfalls sieht viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten für Periscope. "Denkbar wäre etwa, Videochats mit den Spielern zu streamen." Schmidt nennt in diesem Zusammenhang beispielsweise Atsuto Uchida. Der Japaner ist in seiner Heimat ein Superstar - aus diesem Grund betreibt Schalke bereits einen japanischen Twitter-Kanal. Ein Periscope-Chat mit dem Abwehrspieler dürfte die Reichweite der Schalker im Ausland zusätzlich erhöhen.

Schalke nutzt bereits zahlreiche Social-Media-Kanäle
Schalke nutzt bereits zahlreiche Social-Media-Kanäle (Bild: Schalke 04)
"Aber auch Echtzeit-Erlebnisse rund um die Spiele wie die Ankunft der Mannschaft, Behind-the-Scenes-Material oder Bewegtbilder aus der Saisonvorbereitung können den Fans einen direkten Zugang zu Schalke 04 liefern", erklärt Schmidt weiter. Ihre Grenze findet die Periscope-Berichterstattung dort, wo eventuell Live-Rechte der Medienpartner berührt werden. Sprich: Alles, was an Spieltagen der Bundesliga, des DFB-Pokals oder der internationalen Wettbewerbe auf dem grünen Rasen passiert, dürfte Tabu sein.

Innovativ sein ist jedoch nicht alles. Bei Bundesliga-Vereinen stellt sich über kurz oder lang stets die Frage, wie sich mit neuen Produkten Geld verdienen lässt. Schalke dürfte dabei keine Ausnahme sein. Denn gerade die Knappen müssen einen nicht gerade günstigen Kader refinanzieren. Für Schmidt ist die Monetarisierung der Periscope-Nutzung trotzdem erst einmal zweitrangig: "Zuerst geht es darum, den Kanal auszuprobieren und zu überprüfen, ob er angenommen wird. Dann können wir überlegen, inwieweit wir Partnern eine Abspielfläche bieten. Der naheliegendste Gedanke ist natürlich ein Presenting. Man könnte aber auch gemeinsam mit einem Sponsor exklusive Fanerlebnisse anbieten, die dann mit Periscope begleitet werden."

„Wir wollen dort sein, wo sich die Fans ohnehin über uns austauschen. Warum dann nicht gleich mit ihnen?“
Tobias Schmidt
Neben der noch ungeklärten Frage der Monetarisierung gibt es weitere Stolperfallen zu beachten. So bedeutet Live-Kommunikation immer auch, dass ein vorschnelles Wort oder eine unbedachte Geste schnell zur Katastrophe führen können. Schalke 04 musste hier schon seine Erfahrungen machen - und führte deswegen als einer der ersten Bundesliga-Vereine Social-Media-Regeln für die Spieler ein. Bei Periscope kommt hinzu, dass die Streams bis zu 24 Stunden nach der ersten Ausstrahlung noch abgerufen werden können.

Für Schmidt ändert sich dadurch grundsätzlich jedoch erst einmal nichts: "Das ist letztendlich die Steigerung dessen, was wir auf allen unseren Social-Media-Kanälen ohnehin ständig im Kopf haben müssen. Wir posten und twittern ja auch nicht völlig unbedarft drauf los. Wir müssen immer darauf achten, dass Privatsphären geschützt sind und gewisse Abläufe auf unseren Plattformen eingehalten werden." ire
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