Konkurrenz für Netflix HBO will im nächsten Jahr eigenen Streamingdienst starten

Donnerstag, 16. Oktober 2014
HBO plant einen eigenen Streamingdienst
HBO plant einen eigenen Streamingdienst
Foto: Bild: Screenshot hbo.com

Netflix bekommt namhafte Konkurrenz: Der US-Pay-TV-Sender HBO will im kommenden Jahr einen eigenen Streamingdienst starten, den Kunden unabhängig von einem TV-Abo nutzen können. Dies kündigte HBO-CEO Richard Plepler bei einer Investorenkonferenz des Mutterkonzerns Time Warner an.
"Das ist eine große Gelegenheit, die wir uns nicht entgehen lassen sollten. Wir sollten alle Mauern einreißen, die Menschen daran hindern, HBO zu sehen", sagte Plepler unter Verweis auf die steigende Zahl von Haushalten, die ihr Internet über Breitband-Verbidnungen beziehen. "Alles in allem gibt es 80 Millionen Haushalte, die kein HBO haben und wir werden alles tun, um sie zu kriegen", so der Senderchef. Bei dem neuen Service wolle man mit bestehenden Partnern zusammenarbeiten, Plepler will aber wohl auch neue Partner an Bord holen. Re/code spekuliert, dass HBO bei der Auslieferung mit Unternehmen wie Hulu oder Amazon kooperieren könnte. Es sei aber auch denkbar, dass der Sender eine eigene Technologie enwtwickelt. Wie das Angebot inhaltlich ausgestaltet sein wird, ist derzeit unklar. Bislang wird HBO über TV-Anbieter im Paket mit weiteren Sendern an die Kunden gebracht. Der Erfolg von Netflix zeigt jedoch, dass auch Online-Only-Angebote stark nachgefragt werden. Kürzlich hatte Netflix HBO bei den Abo-Einnahmen gar überholt. Dieses Potenzial will HBO nicht länger ungenutzt lassen, zumal der Sender zahlreiche international erfolgreiche Eigenproduktionen im Portfolio hat, darunter die Erfolgsserien True Detective, Game of Thrones oder Boardwalk Empire. Dies könnte sich auf dem Streamingmarkt als großer Wettbewerbsvorteil erweisen.

Die Netflix-Verantwortlichen reagierten indes reichlich cool auf die Ankündigung von HBO. Der Schritt sei "unvermeidlich", schreiben CEO Reed Hastings und CFO David Wells in ihrem Quartalsbericht für die Investoren. "Viele Menschen werden sich sowohl bei Netflix als auch bei HBO anmelden, da wir unterschiedliche Programme haben. Wir denken, dass wir beide erfolgreich sein können, da die Konsumenten sich in Richtung Internet-TV bewegen."

Dabei hat Netflix derzeit ganz andere Probleme: Das Nutzerwachstum fiel im 3. Quartal schwächer aus als erwartet, auch die Gewinnprognose lag deutlich unter den Erwartungen. Insgesamt kamen mehr als drei Millionen neue Nutzer hinzu, die weltweite Nutzerzahl liegt nun bei 53,1 Millionen. Der Gewinn legte von 32 auf 59 Millionen Dollar zu. "In diesem Quartal haben wir das Nutzerwachstum überschätzt", heißt es in dem Netflix-Schreiben. Das hatte Folgen für die Aktie des Streamingdienstes, sie brach nachbörslich um mehr als ein Viertel ein. ire
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