Pathos, Ironie und Scheinheiligkeit Warum das Netz über den Mega-Viralerfolg "Look Up" diskutiert

Mittwoch, 07. Mai 2014
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Über 26 Millionen Klicks für einen ganz ordentlich gefilmten Fünfminüter über die Social-Media-Generation. Dazu ein flammender, gereimter Appell, das Smartphone beiseite zu legen und sich Zeit für das echte Leben da draußen zu nehmen. So hat der britische Filmemacher und Freizeit-Poet Gary Turk in den Weiten des Internets für einen neuerlichen Viral-Hype gesorgt. Das kann heutzutage dank BuzzFeed, Twitter und Facebook zwar niemanden wirklich überraschen. Doch die Ironie des Megaerfolgs "Look Up" ist in diesem Fall ziemlich entwaffnend. Denn schließlich dürfte der Clip eine Vielzahl seiner Views dank solcher vermeintlich exzessiver Smartphonenutzer generiert haben, die Turk voller Pathos anprangert. Genauso stellt sich unweigerlich die Frage, ob die tausendfachen Shares und Kommentierungen des Videos, die seither in den sozialen Netzwerken sichtbar werden, nicht auch von einer gewissen Scheinheiligkeit zeugen.

In jedem Fall hat Gary Turk mit "Look Up" einen Nerv in der Generation Y getroffen, was, wie Nadja Schlüter in ihrer Replik auf "Jetzt.de" treffend feststellte, vor allem auf dessen gleichermaßen einfühlsamen wie plakativen und kulturpessimistischen Schilderungen zurückzuführen ist. Überhaupt schießt Turk doch arg über das Ziel hinaus, wenn er Einsamkeit mit der Nutzung sozialer Netzwerke gleichsetzt und die Liebe seines Lebens am Straßenrand fast übersieht, weil er stattdessen auf sein Smartphone blickt.

Schließlich bleibt vor allem deshalb ein fader Beigeschmack, weil der Filmemacher selbst von den Werbeeinnahmen auf Youtube profitieren dürfte. Und die basieren schließlich auf dem viralen Erfolg des Clips. "Smart phones, dumb people", stellt Turk in seinem Film fest. Ob er mit dieser Hypothese recht hat, darf bezweifelt werden - wie nicht zuletzt die vielen Reaktionen auf Twitter zeigen. tt

Reaktionen auf Twitter zu "Look Up":








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