Out-of-Home Wie sich die Gattung neue Marktanteile holt - und Abschied aus der Nische nimmt

Donnerstag, 11. Februar 2016
Mit digitalen Screens wollen die Außenwerber künftig anderen Gattungen Marktanteile abjagen
Mit digitalen Screens wollen die Außenwerber künftig anderen Gattungen Marktanteile abjagen
Foto: Wall Decaux
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OoH Ströer Jochen C. Gutzeit Andreas Prasse


Out-of-Home (OoH), in den vergangenen Jahren vor allem Nischenmedium, blickt auf ein richtig starkes Jahr zurück. Der Bruttoumsatz liegt laut Nielsen bei 1,7 Milliarden Euro, was einem Plus von knapp 10 Prozent entspricht. Mit einem Marktanteil von 5,9 Prozent zieht die Gattung damit erstmals an Radio vorbei und profiliert sich neben TV als zweitstärkster Wachstumstreiber im deutschen Werbemarkt. Und geht es nach den Vermarktern und Mediaagenturen, mit denen HORIZONT gesprochen hat, gilt dieselbe Tendenz auch netto – und in Zukunft. Eine Umfrage zum alten neuen Massenmedium OoH.

Evelyn Lüttgens, Geschäftsführerin Pilot

Evelyn Lüttgens ist Geschäftsführerin bei Pilot
Evelyn Lüttgens ist Geschäftsführerin bei Pilot (Bild: Pilot)
Wie weit erschlossen ist der DOoH-Markt Ihrer Meinung nach und wo sehen Sie noch Handlungsbedarf? Was ist der nächste Trend, der eine Rolle spielen wird?
Entscheidend wird sein, dass die Standardisierung der vielen interessanten Digital-Out-of-Home -Angebote fortschreitet. Momentan ist das Segment noch ein wenig zu kleinteilig und unübersichtlich. Das Digital Media Institute (DMI) leistet hier gute Arbeit, indem es die Interessen aller Marktteilnehmer zusammengeführt hat, um für die gesamte Gattung die erforderlichen einheitlichen Standards zu vereinbaren. Damit wird DOoH noch besser planbar und kann noch stärkere Wachstumsraten realisieren.
„Als reine Verlängerung eines TV-Spots schöpft man das Potenzial von DOoH bei weitem nicht aus. Vor allem die Vernetzung mit Mobile und Online wird neue vielversprechende Kommunikationsmöglichkeiten bringen. “
Evelyn Lüttgens, Pilot
Aus unserer Sicht dürfte das Thema Programmatic Buying das Jahr 2016 als ein Trend prägen. Der Bedarf, in Real-Time zielgruppenspezifisch buchen zu können, ist da. Wir beobachten diese Entwicklung gespannt – auch wenn wir in Deutschland hier wirklich noch ganz am Anfang stehen. Viel Wachstumsfantasie steckt auch in Themen wie Bewegtbild (und der Verlängerung der TV-Kampagnen auf die Straße) und der Interaktion mit der Bevölkerung. Wie ist hier der Stand der Dinge?
Bewegtbild ist nur zum Teil auf der "Straße" angekommen, sondern hauptsächlich Indoor etabliert, hier jedoch an sehr attraktiven und reichweitenstarken Locations. Doch als reine Verlängerung eines TV-Spots schöpft man das Potenzial von DOoH bei weitem nicht aus. Vor allem die Vernetzung mit Mobile und Online wird neue vielversprechende Kommunikationsmöglichkeiten bringen. Technologien wie Beacons, Bilderkennung oder NFC sind die zukünftigen Treiber für eine Interaktion mit der mobilen Bevölkerung. Hier gilt es die notwendige Relevanz für die Passanten zu schaffen, so dass auch tatsächlich eine Interaktion stattfindet.

Mit welcher Entwicklung kann die OoH-Branche bis Jahresende rechnen?
Wir gehen davon aus, dass sich das dynamische Wachstum fortsetzen und auf einem ähnlichen Niveau wie im vergangenen Jahr liegen wird.

Christof Baron, Chairman Germany & CEO CEE Mindshare

Christof Baron, Chairman Germany und CEO CEE Mindshare
Christof Baron, Chairman Germany und CEO CEE Mindshare (Bild: Mindshare)
Die digitale Vernetzung der Außenwerbung nimmt immer deutlichere Formen an. Ströer will in diesem Jahr die erste flächendeckende nationale Beacon-Infrastruktur in Deutschland aufbauen. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Für mich sind Beacons zunächst ein tolles Spielzeug, wenn es um die direkte Auslieferung von Werbung über Bluetooth geht. OoH ist immer noch primär Reichweitenträger und kein interaktives Medium. Warum auch? Von denen gibt es genug, und warum soll ich freiwillig direkt in Konkurrenz zu den Online-Medien treten? Außerdem sind die Außenwerber nicht die einzigen, die mit der Beacon-Technologie experimentieren. Dabei müssen wir gerade heute extrem aufpassen, die Menschen nicht mit Werbung zu nerven. Adblocking im Digitalen ist ein ganz deutliches Signal.
„Wir werden eine weitere Zuspitzung auf TV und OoH als Reichweitenlieferanten beobachten - auf Kosten der gedruckten Medien. “
Christof Baron, Mindshare
Spannend wird es allerdings, wenn über die Beacon-Technologie User-Profile generiert werden. Wenn man sich einmal überlegt, wie viele Menschen pro Tag an einer Stelle "vorbeimarschieren", besteht die Chance, über den Einsatz dieser Technologie extrem hohe Potentiale  zu profilieren. Und Ströer als Deutschlands reichweitenstärkster Online-Vermarkter hätte hierüber die Chance, Offline- und Online-Werbung exakt aufeinander abzustimmen und die Werthaltigkeit seines Inventars über die Anreicherung von Daten zu optimieren.

         
Mit welcher Entwicklung kann die OoH-Branche bis Jahresende rechnen? Wird der Markt erneut wachsen oder kommt es eher zur Stagnation?
2016 wird sicherlich wieder ein spannendes Jahr für OoH: Außenwerbung wird während der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spielen für einige Sponsoren ein großes Thema werden. Zudem gibt es mit Pro Sieben Sat 1 und Goldbach neue Player im Markt, die Morgenluft wittern und auch ein Stück vom DOoH-Kuchen abhaben wollen. Werbekunden stehen weiterhin unter dem Druck, möglichst hohe Reichweiten zu erzielen, deshalb werden wir eine weitere Zuspitzung auf TV und OoH als Reichweitenlieferanten beobachten - auf Kosten der gedruckten Medien.

Susanne Wallraff, Chief Trading Officer Vivaki

Susanne Wallraff ist Chief Trading Officer bei Vivaki
Susanne Wallraff ist Chief Trading Officer bei Vivaki (Bild: Vivaki)
Wo sehen Sie die Gründe für den Zuwachs in OoH?  Wie hat sich der Markt aus Ihrer Sicht netto entwickelt?
In Deutschland gehen wir netto von 945 Millionen Euro aus. Bis 2018 wird OoH netto auf eine Milliarde Euro anwachsen. Das Image von Out of Home verbessert sich kontinuierlich. Gerade in Deutschland liegt das einerseits an der Digitalisierung, andererseits auch an der Konzentration auf Anbieterseite und damit verbunden den Investitionen in Qualität und Marketing. In den vergangenen Jahren wurden massenhaft unattraktive, unrentable Stellen abgebaut, und es wurde in höherwertige Flächen an den richtigen Stellen investiert. Das wird von Kunden durchaus goutiert.


Viel Wachstumsfantasie steckt in Themen wie Bewegtbild (und der Verlängerung der TV-Kampagnen auf die Straße) und der Interaktion mit der Bevölkerung. Wie beurteilen Sie hier jeweils den Stand der Dinge?
Bewegtbild ist einer der großen Trends unserer Zeit und deshalb natürlich auch für OoH hochinteressant. Die Verlängerung großer TV-Kampagnen auf die Straße ist jedoch nicht so einfach, wie es klingt. Im Stadtbild ist der Kontakt mit Werbeflächen meist flüchtig, und die Werbebotschaft kann – im Gegensatz zu TV und Onlinevideo – ausschließlich visuell übermittelt werden. Zum Storytelling eignet sich OoH-Bewegtbild deshalb allenfalls in Wartebereichen oder auf Infoscreens im Nahverkehr. Langfristig könnte sich dies ändern, vorausgesetzt dass alle Beteiligten die für DOoH notwendige spezielle Umsetzung von Bewegtbild verstehen, fordern und auch fördern.

„Nutzerdaten können künftig auch in der OoH-Kommunikation eine wichtige Rolle spielen, zum Beispiel, wenn Smartphones und digitale Werbefläche miteinander kommunizieren.“
Susanne Wallraff, Vivaki

Die Reichweite von OoH mag groß sein, doch das Targeting von Facebook und Co ist besser – so zumindest die Argumentation der Internetkonzerne. Welche Rolle kann der Umgang mit Nutzerdaten für die Außenwerbung spielen?
Gewiss ist das Targeting im Internet präziser. Künftig können Nutzerdaten aber auch in der OoH-Kommunikation eine wichtige Rolle spielen, zum Beispiel dann, wenn Smartphones und digitale Werbefläche miteinander kommunizieren und letztere - etwa abhängig von Erkenntnissen aus dem mobilen Browserverlauf - Rückschlüsse auf das Geschlecht der Person vor der Werbetafel zieht. ibeacons werden dabei die bereits vorhandenen Nutzerdaten unterstützen. Auch andere Formen der Diagnostik, bei denen die Werbefläche das Erscheinungsbild ihres Betrachters analysiert, sind denkbar. Auch hier sind intelligente - auch intermediale - Konzepte gefordert, die die technischen Möglichkeiten geschickt nutzen.


Mit welcher Entwicklung kann die OoH-Branche bis Jahresende rechnen?
In 2016 wird die EM sicherlich Treiber der OoH-Entwicklung. Wir rechnen deshalb mit einem Netto-Wachstum von 3 Prozent.

Jochen Lenhard, Geschäftsführer Mediaplus

Jochen Lenhard ist Geschäftsführer von Mediaplus
Jochen Lenhard ist Geschäftsführer von Mediaplus (Bild: Mediaplus)
Out-of-Home hat ein starkes Jahr hinter sich. Woher kommt der Zuwachs Ihrer Meinung nach?  Wie hat sich der Markt aus Ihrer Sicht netto entwickelt?
Auch netto gehen wir von einem Marktwachstum aus, wenn auch nicht im zweistelligen Prozentbereich. Aber die Bedeutung der Gattung wächst, was an den gesammelten Anstrengungen der Branche – von Anbietern wie auch Agenturen – liegt, das Medium flexibler, transparenter, vergleichbarer und somit attraktiver zu machen. Die qualitative Aufwertung des gesamten Portfolios ist sicherlich ein maßgeblicher Grund für den Zuwachs: nicht nur die Zunahme digitaler Werbeformen ist hier zu nennen, sondern auch die weitere Bereinigung des klassischen Portfolios hin zu hinterleuchteten, verglasten Premiumformaten. Beide Tendenzen waren in 2015 zum Beispiel in Köln optimal nachzuvollziehen.


Anders als in anderen Medien wird das Wachstum in Out-of-Home offenbar in gleichem Umfang von klassischen wie digitalen Medien getragen. Wo sehen Sie die Gründe dafür, wo die jeweiligen Wachstumstreiber?
Die statischen Werbeformen bergen eben noch immer großes Potenzial, das vor allem durch eine permanente Aufwertung gehoben wird: Die Stellenanzahl sinkt zu Gunsten hochleistender Premiumstandorte, die entsprechenden Positionen werden zunehmend zur Highlights mit auffallenden, hinterleuchteten, großformatigen Werbeträgern. Dazu gehören dann auch, wo sinnvoll und erlaubt, digitale Alternativen, das heißt die beiden Strömungen – klassische versus digitale Medien – kannibalisieren sich nicht, sondern ergänzen sich zunehmend.
„Hier stoßen Facebook und Co an ihre Grenzen“
Jochen Lenhard, Mediaplus

Die Reichweite von OoH mag groß sein, doch das Targeting von Facebook und Co ist besser – so zumindest die Argumentation der Internetkonzerne. Welche Rolle kann der Umgang mit Nutzerdaten für die Außenwerbung spielen?
Es ist sicherlich illusorisch, der Außenwerbung eine ähnlich spitze Zielgruppenansprache zu attestieren wie Facebook & Co. Dennoch ist das Medium für breite, eher jüngere Zielgruppen hoch relevant und die Erzielung von Reichweite die Herausforderung vieler Planungen. Die vorhandenen Nutzerdaten spielen dann eine große Rolle bei der Optimierung der Kampagnen auf kleinräumiger Ebene. Stärke des Medium ist es aber sicherlich nach wie vor, Produkte und Angebote und vor allem auch Neuerscheinungen vielen schnell bekannt zu machen. Ein wichtiges Element der Werbung, die Bestätigung des Verbrauchers, macht nur Sinn, wenn die Produkte und die damit verbundenen Imagefaktoren einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind. Spätestens hier stoßen Facebook und Co an ihre Grenzen.

Jochen C. Gutzeit, Geschäftsführer Fachverband Außenwerbung

Jochen C. Gutzeit  ist Geschäftsführer des FAW
Jochen C. Gutzeit ist Geschäftsführer des FAW (Bild: FAW)
Gefühlt steht Digital-Out-of-Home in Deutschland eher noch am Anfang seiner Möglichkeiten. Wie weit erschlossen ist der Markt Ihrer Meinung nach und wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?
So weit hinter anderen Ländern liegt DOoH in Deutschland meiner Meinung nach gar nicht. Deutschland hatte etwa als eines der ersten Länder ein hervorragendes nationales Netz in Bahnhöfen. Der nächste Schritt ist jetzt das digitale Netz auf der Straße. Die Technik ist soweit – und deshalb steckt ein so großes Wachstumspotenzial im digitalen Bereich. Location based-Targeting und zeitliche Aussteuerung werden damit in einer ganz anderen Dimension möglich.

„OoH ist ein Massenmedium, es hat einen Impact, den andere schlichtweg nicht haben, sowie eine besondere Art, Inhalte zu präsentieren: nämlich mit großen Bildern im öffentlichen Raum.“
Jochen C. Gutzeit, FAW
Die Reichweite von OoH mag groß sein, doch das Targeting von Facebook und Co ist besser – so zumindest die Argumentation der Internetkonzerne. Wie positioniert sich Ihre Gattung hier?
Die Daten aus der MA Plakat ermöglichen uns genau zu sagen, wer, wo wie unterwegs ist. Gepaart mit unserem Wissen über die individuelle Platzierung der Werbeträger sowie weiteren externen Daten verfügen wir über hervorragende Instrumente der Zielgruppenplanung, die auch genutzt werden. Sicher ist auch die personengenaue Ansprache, beispielsweise durch die Beacon-Technologie, möglich und teilweise sinnvoll. Unsere Mitglieder treiben die Innovationen auch voran und tragen so dazu bei, dass der Markt weiter wächst. Grundsätzlich sollten wir allerdings nicht vergessen, dass OoH ist ein Massenmedium ist, es hat einen Impact, den andere schlichtweg nicht haben, sowie eine besondere Art, Inhalte zu präsentieren: nämlich mit großen Bildern im  öffentlichen Raum. An einem herkömmlichen, kleineren Bildschirm kann man das nur bedingt einfangen.

Andreas Prasse, Vorstand Vertrieb & Marketing Wall Decaux

 
Andreas Prasse ist Vertriebs- und Marketingvorstand bei Wall Decaux
Andreas Prasse ist Vertriebs- und Marketingvorstand bei Wall Decaux (Bild: Wall Decaux)
Wie weit erschlossen ist der Markt der digitalen Außenwerbung Ihrer Meinung nach in Deutschland und wo sehen Sie noch Handlungsbedarf? Was ist der nächste Trend?
Bislang fand DOoH vor allem Indoor und im Rahmen von Ambient Media statt. Der entscheidende Schritt muss sein, DOoH nun auf die Straße zu bringen –- genau das hat Wall Decaux in 2015 erstmals realisiert und treibt diesen wichtigen Schritt weiter voran, als einziger Anbieter am Markt! Wichtig ist vor allem, dass die Kunden und ihre für sie tätigen Agenturen die tatsächlich gegebenen Einsatz- und Kreativmöglichkeiten der digitalen Angebote kennen. Die Digitalisierung ermöglicht die Chance zur intelligenten Vernetzung der Werbeträger, zur Integration von NFC, iBeacon-Technologie etc. Weiterer Trend sind Echtzeit-Kampagnen, mit denen Werbungtreibende auf örtliche und zeitliche Ereignisse reagieren können.

„Für 2016 ist unser Ziel, klar die 6-Prozent-Hürde zu nehmen.“
Andreas Prasse, Wall Decaux

Mit welcher Entwicklung kann die OoH-Branche bis Jahresende rechnen?
Laut einer OMG-Umfrage sagen 67 Prozent der Befragten: Die Nettoausgaben für OoH werden 2016 steigen. Ein Spitzenwert. 94 Prozent sagen: Die Bedeutung von DOoH wird in den nächsten zwei Jahren zunehmen. Keine andere Werbeform wird so häufig genannt. Wir müssen deshalb weiter in die Stärken von OoH investieren und die Chancen, die sich für uns durch Trends wie der Digitalisierung eröffnen, nutzen. Hierzu gehört aus unserer Sicht zweifelsohne auch, dass wir nicht nur unsere Zusammenarbeit mit werbungtreibenden Unternehmen vertiefen, sondern ebenso sehr die Kooperation mit Kreativagenturen wie auch Planungsagenturen intensivieren, um ihnen die Vorzüge und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von OoH noch mehr zu verdeutlichen. Für 2016 ist unser Ziel, klar die 6-Prozent-Hürde zu nehmen.

Thorsten Ebbing, CEO Kinetic Worldwide Germany

Thorsten Ebbing ist CEO bei der Spezialagentur Kinetic Worldwide Germany
Thorsten Ebbing ist CEO bei der Spezialagentur Kinetic Worldwide Germany (Bild: Kinetic)
Anders als in anderen Medien wird das Wachstum in Out-of-Home in gleichem Umfang von klassischen wie digitalen Medien getragen. Wo sehen Sie die Gründe dafür?
Gerade, wenn es um Flächen am POS und die klassische Abverkaufssteigerung geht, registrieren wir eine deutlich höhere Nachfrage. Wir haben es momentan also mit einer Mischung aus "altem", aber stetig wachsendem OoH-Geschäft als Grundlage und neuen digitalen Medien zu tun, die für das Neue, Spannende und Flexible stehen. Wir können mit einer Großfläche oder einer einzeln selektierbaren Ganzsäule sehr gut targeten und die Zielgruppe optimal erreichen sowie mit einem Citylightposter-Netz eine sehr große Reichweite generieren. Das kann je nach Kunde und Kampagnenziel unterschiedlich sein.  Eine unbeleuchtete Großfläche kann im Winter weniger effektiv und im Sommer extrem aufmerksamkeitsstark sein.

„Aktuell investieren nur Ströer und Wall Decaux in unsere Gattung. Eine ähnliche Innovationsfreude stünde auch anderen Anbietern gut zu Gesicht.“
Thorsten Ebbing, Kinetic
In manchen Bereichen nimmt die Vernetzung dagegen schon konkrete Formen an. Ströer will in diesem Jahr die erste flächendeckende nationale Beacon-Infrastruktur in Deutschland aufbauen. Was halten Sie davon?
Der große Vorteil der Beacons-Technologie ist, dass der Konsument kaum selbst aktiv werden muss. Ganz allgemein ist das Thema der Konnektivität zwischen der Werbeform und dem mobilen Gerät aus unserer Sicht die Zukunft, an die wir stark glauben. Die junge Zielgruppe lebt mit ihrem Smartphone, es ist immer dabei. Ob es jetzt Beacons sind, die das Thema treiben, oder eine andere Technologie, muss sich zeigen. Aber alleine die Tatsache,  zu investieren und der Zielgruppe und den Werbungtreibenden damit die Möglichkeit zu geben, mit dem neuen Tool zu experimentieren, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Eine ähnliche Innovationsfreude stünde im Übrigen auch anderen Anbietern gut zu Gesicht. Aktuell investieren nur Ströer und Wall Decaux in unsere Gattung.


Inwiefern spielen genaue Nutzerdaten schon jetzt eine Rolle in Ihrer Branche bzw. welche können sie künftig spielen?
OoH ist ein Massenmedium, das auch Targeting kann. Für uns sind soziale Kanäle deshalb meist eher eine perfekte Ergänzung einer OoH-Kampagne als eine Konkurrenz. Wir funktionieren miteinander sehr gut. Mehr noch: Für uns Spezialagenturen liegt in dieser gegenseitigen Befruchtung meiner Meinung nach ein großer Vorteil in der Zukunft. Wir kennen die Region und verfügen über Daten und Informationen. Wenn wir es dann noch schaffen, über den Tellerrand unserer Gattung hinaus zu schauen und Online, Mobile und Out-of-Home miteinander zu verbinden, dann sind wir gut aufgestellt für die Zukunft.

Udo Schendel, Geschäftsführer Jost von Brandis

Udo Schendel, Geschäftsführer von Jost von Brandis
Udo Schendel, Geschäftsführer von Jost von Brandis (Bild: JvB)
Anders als in anderen Medien wird das Wachstum in Out-of-Home offenbar in gleichem Umfang von klassischen wie digitalen Medien getragen. Wo sehen Sie die Gründe dafür?
Der Tod der Großfläche wurde ja im Zusammenhang mit der Digitalisierung  immer wieder vorausgesagt – dabei ist das Medium vitaler als jemals zuvor und vor allem in der Region sehr beliebt. Print hilft Werbungtreibenden dort zunehmend schlechter, Radio ist häufig zu grob. Dagegen ist Außenwerbung  sehr genau abgrenzbar, der Werbedruck genau steuerbar, Marken werden sehr schnell bekannt. Deshalb wird OoH auch weiter von der positiven Entwicklung profitieren, die wir im Gesamtmarkt haben.

Trotzdem steht Digital-Out-of-Home in Deutschland gefühlt eher noch am Anfang seiner Möglichkeiten. Wie weit erschlossen ist der Markt Ihrer Meinung nach und wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?
2016 wird das Jahr der digitalen OoH-Medien, wir werden einen Durchbruch auf breiter Ebene erleben. Viele technologische Möglichkeiten kommen dazu, zum einen im Bereich der Interaktion, zum anderen in der programmatischen Aussteuerung. Wir warten aktuell darauf, dass uns die Vermarkter adäquate Lösungen anbieten, um einzelne Screens ansteuern zu können. Bisher ist alles mehr oder weniger Handarbeit. Unsere Systeme sind Adserver ready - wir können sie anschließen, sobald uns ein Adserver geboten wird.

„Wir warten aktuell darauf, dass uns die Vermarkter adäquate Lösungen anbieten, um einzelne Screens ansteuern zu können. Bisher ist alles mehr oder weniger Handarbeit. “
Udo Schendel, Jost von Brandis
Die Vernetzung nimmt vor allem im Bereich der Interaktion Formen an. Ströer will in diesem Jahr die erste flächendeckende nationale Beacon-Infrastruktur in Deutschland aufbauen. Was halten Sie davon?
Ohne ein Skeptiker sein zu wollen, sehe ich das nicht als Thema für die nahe Zukunft. Jost von Brandis versucht seit Jahren, Interaktionskonzepte für Kunden zu realisieren. Technologisch haben wir dabei schon die ganze Bandbreite bedient: Wir haben Kampagnen mit NFC, mit iBeacons und vorher mit QR-Codes realisiert - aber die Zahl derjenigen, die dann tatsächlich auf so eine Geschichte reagieren, ist überschaubar. Wir sind hier also entweder nach wie vor zu weit vorne für die Konsumenten – oder die Konsumenten sind noch nicht weit genug. Wir brauchen eben nicht nur interessante Inhalte, sondern auch Mehrwert. Dann ist die Vernetzung von OoH und Mobile sicher einer der stärksten Wachstumstreiber.

Willibald Müller, CMO Goldbach Germany

Willibald Müller, CMO bei Goldbach Germany
Willibald Müller, CMO bei Goldbach Germany (Bild: Goldbach Germany)
Digital-Out-of-Home steht in Deutschland gefühlt eher noch am Anfang seiner Möglichkeiten. Wie weit erschlossen ist der Markt Ihrer Meinung nach, und wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?
Für uns sind die Automatisierung und Programmatic DOoH die zentralen Themen. Alle Screens, die von uns direkt vermarktet werden, werden in den nächsten Monaten umgerüstet und an einen Adserver gehängt. Das führt in Zukunft dazu, dass jeder einzelne Screen ohne großen Aufwand einzeln addressierbar wird. Motive können dann in Realtime ausgetauscht werden, was Kunden die Möglichkeit gibt, auf Wetter oder bestimmte Verkaufssituationen zu reagieren. Theoretisch ist das zwar jetzt auch schon möglich, in der Praxis ist das Handling aber meist viel zu aufwendig. Doch mit der fortschreitenden Digitalisierung betreten wir allmählich neue Dimensionen von DOoH, die neue Umsatzpotenziale erschließen werden.
„Wir besetzen mit Goldbach Germany zwar nur eine Nische, wir glauben aber, durch unser Vorangehen die Gattung als Ganzes voranbringen zu können.“
Willibald Müller, Goldbach Germany


Wann wird die Anbindung an Ihren Adserver funktionieren?
Wir befinden uns derzeit noch im Test, aber das System wird in den nächsten Monaten in den Markt gehen. Der Roll-out steht also unmittelbar bevor. Wir wollen DOoH durch eine zentrale Adserver-Technologie einfach handhabbar und effizient gestalten. Im nächsten Schritt ergänzen wir vielleicht auch noch einen messbaren Mengennachweis, über den beispielsweise die Häufigkeit von Videospots kontrolliert werden kann.

Mit welcher Entwicklung kann die gesamte OoH-Branche bis Jahresende rechnen?
Für DOoH sehen wir weiterhin ein deutliches Wachstum. Wir besetzen mit Goldbach Germany  zwar nur eine Nische, wir glauben aber, durch unser Vorangehen die Gattung als Ganzes voranbringen zu können.





 

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