Otto-Brenner-Stiftung Studie geht hart mit TV-Politikmagazinen ins Gericht

Montag, 06. Juli 2015
ARD-Magazine wie "Kontraste" kommen in der Studie nicht gut weg
ARD-Magazine wie "Kontraste" kommen in der Studie nicht gut weg
Foto: RBB/Oliver Ziebe
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ARD Politikmagazin Bernd Gäbler RTL ZDF Jupp Legrand


Ungenügende Markenführung, monotone Machart, wenig eigene Recherche - eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung lässt an den Politikmagazinen der ARD kaum ein gutes Haar und empfiehlt dem Senderverbung eine Konzentration seiner Ressourcen. Aber auch die Magazine von ZDF und RTL kommen nicht besonders gut weg.
Für die Studie analysierte der Medienwissenschaftler und ehemalige Geschäftsführer der Stiftung Bernd Gäbler vier Monate lang sämtliche Ausgaben und Einzelbeiträge der ARD-Magazine "Report Mainz" und "Report München", "Monitor", "Panorama", "Fakt und "Kontraste" sowie der ZDF-Sendung "Frontal 21" und "Spiegel TV" von RTL. Neben Inhalt und Machart nahm Gäbler auch die Funktion und den Stil der Moderation und die Einschaltquoten unter die Lupe. Unter dem Strich moniert der Autor eine "Zersplitterung" der politischen Berichterstattung und die zu  monotone Machart der Magazine. Vor allem die insgesamt sechs Politmagazine der ARD kommen in der Studie nicht besonders gut weg. Die der ARD-Arithmetik geschuldete Konstruktion, dass sich sechs Magazine zwei Sendeplätze teilen, führe im Ergebnis zu einer "ungenügenden Markenführung". Die kurze Sendezeit von 30 Minuten lasse außerdem keinen Raum für eine variable Gestaltung. Die beiden Magazine "Kontraste" und "Fakt" hätten im Beobachtungszeitraum von September bis Dezember 2014 zudem nur wenig eigene Recherchen aufzuweisen gehabt und kaum außergewöhnliche Beiträge entwickelt. Die Studie empfiehlt der ARD daher eine Zusammenführung der vorhandenen Ressourcen - sprich eine Reduzierung der bislang sechs Magazine.

Zur Erinnerung: 2006 hatte Das Erste die "Tagesthemen" eine Viertelstunde auf 22.15 Uhr vorverlegt und im Gegenzug die Sendezeit der Magazine um 15 Minuten gekürzt. Die Programmreform war damals von den Magazinmachern und Journalistenverbänden scharf kristisiert worden.

Etwas besser schneidet das ZDF-Magazin "Frontal 21" ab, aber auch das Zweite muss sich Kritik gefallen lassen: "Frontal 21" bietet nach Meinung des Autors am meisten Abwechslung, es fehle aber auch hier an "redaktioneller Stärke für ein kontinuierlich hohes Niveau der Beiträge und an einer langfristigen Recherchestrategie".

Auch RTL behandele sein Politmagazin "Spiegel TV" wenig pfleglich: Es gebe zwar immer wieder einzelne gute Beiträge, insgesamt entwickle sich das Magazin aber zu einem "bunten Gesellschaftsmagazin".

"Politische Magazine gehören zum Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags", betont Jupp Legrand, Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung. Die "Magazin-Studie" von Gäbler bestätige aber eindrucksvoll, "dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit im aktuellen TV-Magazinangebot eine zu große Lücke klaffe".

"Es gibt eine große und lange Tradition der zeitkritischen und investigativen Magazine", sagt Studienautor Bernd Gäbler, "jetzt kommt es darauf an, sie in ein neues mediales Umfeld und eine ganz anders geartete politische Landschaft zu überführen, damit sie wieder eine größere Wirkung auf die Politik und mehr Durchschlagskraft für das 'Agenda Setting' entfalten können."

Die gesamte Studie kann kostenlos bei der Otto-Brenner-Stiftung angefordert oder auf der Website der Stiftung heruntergeladen werden. dh
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