Onlinewerbung BVDW hofft im Kampf gegen Adblocker auf Hilfe durch die Politik

Donnerstag, 15. Oktober 2015
BVDW-Präsident Matthias Wahl
BVDW-Präsident Matthias Wahl
Foto: BVDW

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) erhofft sich im Kampf gegen Adblocker Hilfe von der Politik. "Unsere legalen Möglichkeiten gegen illegitime Adblocker vorzugehen sind begrenzt", sagte BVDW-Präsident Matthias Wahl heute in Berlin bei einem exklusiven Polittalk zum Thema.

Anfang der Woche hatte Axel Springer damit von sich reden gemacht, dass Bild.de die Nutzer vor die Wahl stellt: Entweder sie nehmen Werbung auf Bild.de vom Adblocking aus, oder sie bezahlen für eine werbereduzierte Bild-Seite 2,99 im Monat. Gerüchten zu Folge soll Eyeo, der Adblock Plus betreibt, das am weitesten verbreitete Produkt im Markt, binnen kürzester Zeit einen Weg gefunden haben, damit die Adblocker-Nutzer die Bild-Inhalte auch mit eingeschaltetem Adblocker sehen können.

Der BVDW schlägt Alarm, weil sich die Verbreitung von Adblockern ständig erhöht und damit die Einnahmechancen von Vermarktern und Publishern gemindert werden. "Adblocking hat negative wirtschaftliche Auswirkungen, das ist eine Schneise der Verwüstung", so Wahl. Diese Sicht findet sich auch in einer Studie wieder, die PWC im Auftrag des Online-Vermarkterkreises im BVDW erstellt hat und die auf einer Umfrage von Vertretern der digitalen Wertschöpfungskette basiert, darunter Agenturen, Vermarkter, Publisher, Kunden und Technologiexperten.

In der Politik gibt es jedoch noch keine Sensibilität für das Thema. "Ich glaube, dass Verbote nichts bringen", sagt Lars Klingbeil, Sprecher der SPD-Bundestagfraktion im Ausschuss digitale Agenda. Das Whitelisting findet er jedoch problematisch. Dabei läßt Eyeo Werbung von Unternehmen zu, wenn diese bestimmte Kriterien erfüllt. Ab einer bestimmten Unternehmensgröße müssen die Publisher jedoch auch zusätzlich dafür zahlen. Es ist ein Geschäftsmodell, dass viele Vermarkter als digitale Wegelagerei bezeichnen.

Christian Röpke, Geschäftsführer von Zeit Online, hält es zudem für überaus problematisch, dass Eyeo die Kommunikation mit dem Nutzer erschwert. Vor zwei Jahren gab es eine Informationskampagne auf Zeit Online, mit der das Portal die Nutzer darüber aufklären wollte, dass die Werberlöse wichtig für die Refinanzierung journalistischer Inhalte sind. Diese Botschaften wurden nach zwei Tagen von Eyeo geblockt. "Es ist ein riesiges Problem, weil uns die Erlöse fehlen und wir nicht in Kontakt mit dem Nutzer treten können", sagt Röpke.
"Bild" will Adblocker-Nutzer künftig aussperren
Bild: Axel Springer

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Die Klage von Zeit Online gegen Eyeo wurde jedoch ebenso abgewiesen wie die von Axel Springer, RTL/IP und Pro Sieben Sat 1. Oliver von Wersch, Geschäftsführer von G+J Digital Products, fordert auch deshalb von der Politik Regeln zu setzen. Doch auch die CDU kann sich im Moment noch nicht für das Thema erwärmen. Da die Nutzer selbst entscheiden, ob sie einen Adblocker installieren wollen oder nicht, sehen die Politiker keinen akuten Handlungsbedarf seitens des Gesetzgebers. Thomas Jarzombek, Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Ausschuss Digitale Agenda, fordert die Publisher stattdessen auf, von ihrer publizistischen Macht Gebrauch zu machen: "Sie haben ja schon noch ein paar Waffen", sagt er.

Die Publisher sind vor allem deshalb beunruhigt, weil nun auch Apple Adblocker anbietet. Sie fürchten, dass der derzeit schnell wachsende mobile Werbemarkt dadurch erheblich gebremst wird. pap

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